Welche Hunde sind geeignet?
Ob ein Hund als „Leselernhund“ geeignet ist, ist weniger von der Rasse als von den individuellen Charaktereigenschaften abhängig. Daneben ist Training ein wichtiger Aspekt: Die Hunde müssen gelernt haben, sich zu entspannen und nicht immer an der Reihe zu sein. Frustrationstoleranz und eine gute Impulskontrolle sind wichtig. Sie sollten z. B. wesensfest, menschenbezogen, freundlich, kindergewöhnt, gelassen und natürlich gute Zuhörer sein :)
Laute Geräusche und schnelle Bewegungen sollten den Hunden nichts ausmachen.
Erwachsene Hunde, die die oft anstrengende Zeit der Pubertät bereits hinter sich haben, eignen sich oft besser als Junghunde.
Nur wenn auch der Hund mit Freude bei der Sache ist und die Vorlesestunden für ihn nicht mit Stress verbunden sind, kann die Leseförderung mit Hund erfolgreich sein.
Als Hundehalter sollten Sie eine gute Bindung zu Ihrem Tier haben und in der Lage sein, zu erkennen, falls es dem Hund in einer Situation doch zu viel wird, er Stress hat und eine Pause benötigt. Nach der Vorlesezeit benötigen die Hunde als Ausgleich Bewegung und Beschäftigung.
Gibt es eine Ausbildung?
Wie für Schulhunde im Allgemeinen gibt es auch für Hunde, die zur Leseförderung eingesetzt werden, noch keine verpflichtende festgeschriebene Ausbildung.
Viele haben jedoch einen Wesenstest und eine Therapiehundeausbildung absolviert. Hier wird mit den Hunden u. a. geübt, souverän, ruhig und gelassen auf die verschiedensten Situationen und Menschen zu reagieren.
Wie Ihr Hund, können auch Sie sich weiterbilden. Sinnvoll sind Fortbildungen zur hunde- bzw. tiergestützen Pädagogik.
Es existiert jedoch auch die Möglichkeit einer speziellen Ausbildung als „Lesehund“: Auf der Basis von Erfahrungen aus den USA, wo Hunde schon länger zur Leseförderung eingesetzt werden, gründete Kimberly Ann Grobholz das ehrenamtliche „Lesehund-Projekt“ in München. Der Verein bietet regelmäßig Workshops an, in denen sich Mensch-Hund-Teams weiterbilden können.
Für alle, die sich erst mal in das Thema einlesen möchten, bieten z. B. folgende Bücher und Artikel hilfreiche Informationen:
- Heyer, Meike; Beetz, Andrea M: Leseförderung mit Hund. Grundlagen und Praxis, erschienen im Ernst Reinhardt Verlag, 2014.
- Heyer, Meike; Beetz, Andrea M.: Grundlagen und Effekte einer hundegestützten Leseförderung, erschienen in: Empirische Sonderpädagogik 6 (2014) 2, S. 172 – 187.
- Grobholz, Kimberly Ann: Tammy erzählt … mein Leben als Lesehund, erschienen bei Grin Publishing, 2012.
- Grünig, Christina: Hundgestützte Sprach- und Leseförderung, erschienen im Kohl Verlag, 2015.
Was ist vor dem Besuch des Hundes in der Schule zu beachten?
Bevor Ihr Hund die Schülerinnen und Schüler beim Lesen unterstützen darf, müssen Sie als Lehrerinnen und Lehrer einige Punkte abhaken:
- Sie haben eine Hundehalter-Haftpflichtversicherung abgeschlossen.
- Der Hund ist gesund, geimpft und wird regelmäßig entwurmt (bzw. auf Wurmbefall getestet).
- Die Erlaubnis der Schulleitung liegt vor.
- Die Details der Besuche mit Hund sind abklärt (wie häufig, wie lange, welche Schülerinnen und Schüler, wie viele …).
- Eltern sind informiert, ihre Zustimmung wurde einholt und es wurde in Erfahrung gebracht, dass bei den Schülerinnen und Schülern keine Allergien oder starke Hundephobien bestehen.
Info
Nicht nur Hunde eignen sich als Leselernhelfer
Inspiriert durch das Programm „Book Buddies“ der „Animal Rescue League“ in Pennsylvania ermöglichen inzwischen auch verschiedene Tierheime, dass Kinder den dort auf eine neues Zuhause wartenden Katzen Geschichten vorlesen.
Diese Projekte haben einen doppelten Vorteil: Die Katzen helfen den Kindern, als gute Zuhörer ihre Lesekompetenz zu verbessern, während die Kinder es ihnen mit Streicheleinheiten danken und Abwechslung in den Tierheimalltag bringen.
Angeboten wird diese Möglichkeit u.a. beim Tierheim Berlin, dem Tierschutzverein Gifhorn und Umgebung e.V., dem Tierschutzverein München e.V. oder dem Verein Tierheim Landkreis Marburg-Biedenkopf e. V.
Wenn Sie Interesse haben, erkundigen Sie sich einfach bei einem Tierheim in Ihrer Nähe, ob ein solches Angebot besteht. Auch „Katzenstreichler“ werden vielerorts gesucht und wenn dabei auch noch vorgelesen wird, kann das sicher nicht schaden :)
Weitere Informationen zu den Rahmenbedingungen erhalten Sie auch im Beitrag zum Thema Schulhunde: