Die Arbeit am und mit dem Kind gehört zu den Hauptaufgaben von Erzieherinnen und Erziehern. Daher ist ein wichtiges Aufgabengebiet das konsequente und professionelle Ausführen von Aufgaben im Bereich der Beobachtung und Dokumentation. Während des regulären Betriebs sind diese Maßnahmen zur Unterstützung der Kindesentwicklung nur schwer umzusetzen. Wenig Zeit bleibt am Ende des Tages, um Beobachtungen auszuwerten und Lerngeschichten zu verfassen.
Doch gerade die Lerngeschichten bieten einen großen Erkenntnisgewinn für alle Beteiligten. Pädagogische Fachkräfte, Kinder und Eltern erhalten einen neuen Blick auf kleine und große Entwicklungsschritte. Die gezielte Beobachtung und das anschließende Verfassen der Lerngeschichte im Rahmen der Portfolioarbeit sowie das gemeinsame Lesen zusammen mit dem Kind, ermöglichen eine bewusstere Auseinandersetzung mit Lernprozessen. Als Teil des Portfolios werden Lerngeschichten bereits in vielen Kitas und Kindergärten angewendet.
- Lerndispositionen als Basis für die Freude am Lernen
- Interessiert sein - an Gegenständen, Lebewesen, Sachverhalten
- Engagiert sein - ein völliges Eintauchen in das aktuelle Interesse
- Standhalten bei Herausforderungen - treten Probleme auf, sucht das Kind nach Lösungen
- Sich ausdrücken und mitteilen - kreativ, verbal oder non-verbale Auseinandersetzung mit dem Thema
- An der Lerngemeinschaft mitwirken und Verantwortung übernehmen - im gemeinsamen Austausch werden zusammen Ideen entwickelt, die Meinung anderer wird gehört und in der Gemeinschaft zugelassen
Die Entstehung einer Lerngeschichte gliedert sich in 4 Schritte:
Beobachtung
Viele pädagogische Fachkräfte erleben die Beobachtung im Rahmen der Lerngeschichten als tiefer und erkenntnisreicher. Das gezielte Fokussieren und das feste Einplanen der Beobachtung im Team fördern einen breiten Erkenntnisgewinn. Das Kind wird abwechselnd von mehreren Erziehern 5 - 10 Minuten gezielt bei einer selbstgewählten Beschäftigung beobachtet. Wichtig ist hierbei, dass die pädagogische Fachkraft nicht eingreift und sich stattdessen ganz auf die Erfahrungen konzentriert, die das Kind gerade macht. Wertfrei und neutral werden die Beobachtungen erfasst.
Auswertung
Bei der Auswertung der Beobachtungen werden die 5 Lerndispositionen als Grundlage verwendet. Mithilfe dieser Grundsätze werden Fortschritte ermittelt und eingeordnet. Stärken und positive Entwicklungen können herausgearbeitet und verschriftlicht werden.
Austausch
Nachdem die ausführende pädagogische Fachkraft Beobachtung und Auswertung abgeschlossen hat, werden die Ergebnisse im Team diskutiert. Haben Kolleginnen und Kollegen ähnliche Erfahrungen gemacht? Gibt es weitere Facetten, die von anderen Mitgliedern des Teams bei dem Kind beobachtet wurden? Alle Erkenntnisse fließen in die Lerngeschichte mit ein. Fördermöglichkeiten und Potenziale werden zielgerichtet und individuell entwickelt.
Schreiben
Zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn fällt das Schreiben von Lerngeschichten einigen Erzieherinnen und Erziehern noch schwer. Anders als bei einem sachlich nüchternen Text geht es bei einer Lerngeschichte darum, den Alltag des Kindes in einem kleinen Ausschnitt, bzw. anhand einer kurzen Situation zu beschreiben. Die Lerngeschichte wird in Briefform verfasst. Wichtig ist, die Sprache einfach und kindgerecht zu halten. Formulieren Sie nicht allgemein, sondern verwenden Sie die direkte Ansprache.
Aufbau der Lerngeschichte in Briefform:
- Beschreiben der Situation (in leicht verständlicher Sprache)
- Besonderheiten erfassen (Lerndispositionen einbauen)
- Stärken des Kindes (Beispiele und Aussagen des Kindes einbauen)
- Ausblick auf weitere Abenteuer/Erlebnisse/Ereignisse geben