In der Lerntherapie wird
das Kind in seiner Gesamtheit gesehen, mit seinen Stärken, die es mitbringt. Die Arbeit an der Null-Fehler-Grenze, um kleine Erfolge sichtbar zu machen, ist die absolute Grundlage. Das Kind muss spüren, dass sich Üben oder Anstrengung wieder lohnt und wenn es noch so kleine Schritte sind.
Wichtig sind auch der Aufbau und Erhalt des Selbstwertgefühls. Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie haben oft schon viel Misserfolg erlebt und müssen erst wieder lernen, dass sie so wie sie sind wertvoll und einzigartig sind. Dass sie nicht nur das Kind mit einer Dyskalkulie sind, sondern ganz viele Stärken mitbringen und genau an diesen Stärken setzt eine Lerntherapie an.
In einer Lerntherapie geht es nicht um die schnelle Verbesserung der schulischen Leistungen, sondern erstmal um den Aufbau von Grundlagen, dem Fundament, um dem Schulstoff später wieder folgen zu können. Nachhilfe hingegen setzt meist am Schulstoff an und hilft die nächste Arbeit besser zu meistern. Bei einer diagnostizierten Legasthenie oder Dyskalkulie ist Nachhilfe nicht zu empfehlen.
Eine Lerntherapie entlastet auch das familiäre Umfeld und die oft kritische Hausaufgabensituation. Lerntherapeuten stehen in engem Kontakt zu Lehrern, anderen Therapeuten und Eltern.
Welche Möglichkeiten haben Lehrerinnen und Lehrer, Kinder zu unterstützen, die eine Förderung, z.B. in Form einer Lerntherapie, erhalten?
Das Wichtigste ist erstmal den Druck herausnehmen.
Viele Kinder haben schon ein negatives Selbstbild entwickelt, haben wochenlang geübt, gelernt und fühlen sich als Versager. Wenn dann klar ist, dass es sich um eine Legasthenie oder Dyskalkulie handelt und sie nicht dumm oder faul sind, kommen sowohl auf Eltern als auch Lehrer erstmal ganz viele Fragen zu.
Ich erkläre dann den Lehrern wie wichtig es für das Kind ist, Verständnis zu zeigen, sich in die Situation hineinzufühlen und für das Kind als Ansprechpartner da zu sein. Ich weiß aus meinem Lehreralltag, dass es nicht immer ganz einfach ist, allen Kindern immer gleichzeitig gerecht zu werden. Das Kind soll keine Sonderrolle aufgrund der Lernschwierigkeiten erhalten, es soll aber das Gefühl bekommen, fragen zu dürfen, wenn etwas unklar ist und zu wissen, dass es Hilfe bekommt, wenn es die benötigt.
Ich gebe nicht nur Eltern Tipps für Übungen daheim mit.
Info
Material zur Förderung bei Dyskalkulie
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zur Beratung
Wichtig finde ich auch einen Austausch mit den beteiligten Lehrern, um durch den engen Kontakt gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen. Ich erlebe oft, dass die Schule sich bemüht, die Eltern das Kind unterstützen, eine Nachhilfe aktiviert wird und ggf. noch Oma und Opa mit dem Kind lernen. Jeder hat einen anderen Ansatz und alle wollen nur das Beste. Das Kind ist aber irgendwann verwirrt, weil jeder es anders erklärt.
Die enge Abstimmung inhaltlich und methodisch ist daher so wichtig. Wo steht das Kind in der Schule, was ist aktuell Schulstoff, wo kann differenziert werden, welche Entlastung gibt es für die Hausarbeiten, welche Hilfsmittel darf es verwenden. Können ggf. die Hausarbeiten angepasst werden oder kann im Unterricht differenziert werden.
Ganz wichtig finde ich auch ein offenes Umgehen in der Klasse mit den anderen Schülern. Ich kann mich an eine Situation erinnern, da hat ein Kind die Schule gewechselt, kam in eine neue Klasse und wurde an einem der ersten Tage von einer Mitschülerin mit den Worten: „Die Neue kann ja noch nicht mal rechnen“ begrüßt. Für das Kind ein Schock. Es hatte vor dem Schulwechsel schon einen langen Leidensweg hinter sich und dann so ein Start in der neuen Klasse.
Die Lehrerin hat die Situation ganz wunderbar gelöst und in der Klasse das Thema „Jeder ist anders, aber jeder ist hier willkommen“ thematisiert. Dabei ging es nicht nur um LRS und Rechenschwäche, sondern um alle Kinder in der Klasse, denn jeder ist einzigartig mit all seinen Stärken und Schwächen. Ein großes buntes ansprechendes Plakat genau mit diesen Worten war von nun an in der Klasse aufgehängt. Für das Kind mit der Dyskalkulie gab es von da an keine negativen Kommentare mehr. Es fühlte sich aufgehoben und das ist die absolute Grundlage, um wieder motiviert lernen zu können.
„Wir in dieser Klasse sind alle unterschiedlich, doch wir halten zusammen“
Sinnvoll ist auch der Einsatz von (technischen) Hilfsmitteln oder die Möglichkeit, dass anstelle schriftlicher Nachweise mündliche Noten für bestimmte Themen gegeben werden. Ein für das Kind angepasster Nachteilsausgleich kann innerschulisch die Situation entschärfen.