Wenn Sie keine Möglichkeit haben, in der Schule einen ruhigen Raum zu finden (Ruheräume für Lehrkräfte sind ideal – aber selten), kann zur Not das Auto als Rückzugsort dienen oder ein Spaziergang. Zwingen Sie sich nicht mit anderen die Mittagspause zu verbringen, wenn Sie das Bedürfnis haben, allein Ihr Buch weiterlesen zu wollen.
Wie Sie Pausen einplanen und effektiv zur Erholung nutzen können, haben wir hier zusammengefasst: „Entspannung in den Pausen“
3. Bedürfnisse formulieren
Wenn Sie das Gefühl haben, dass andere Sie aufgrund der Auszeiten oder dem Fehlen bei außerschulischen Treffen unter Kolleginnen und Kollegen für seltsam, unsozial oder arrogant halten, können Sie den Grund für Ihre Bedürfnisse ansprechen. Das kann Überwindung kosten, aber wenn Ihre Kolleginnen und Kollegen Sie verstehen, kann das Ihre Beziehungen und die Arbeitsatmosphäre verbessern.
4. Versuchen Sie nicht, sich in extrovertierte Verhaltensweisen zu zwingen
Wie Beth Buelow in ihrem Buch „The Introvert Entrepreneur: Amplify Your Strengths and Create Success on Your Own Terms” schrieb, geht es nicht darum, pseudo-extrovertiert zu werden, sondern Ihre wertvollen Eigenschaften als Introvertierter/Introvertierte anzuerkennen. Introversion ist Teil Ihrer Persönlichkeit und nichts, wogegen Sie ankämpfen sollten.
5. Elterngespräche vorbereiten
Vielen Introvertierten sind Telefonate ein Graus. E-Mails haben den Vorteil, dass Zeit bleibt, um die Antwort gut zu durchdenken. In den meisten Fällen sind Sie als Lehrkraft nicht gezwungen, eine Telefonnummer anzugeben, eine E-Mail-Adresse reicht völlig.
Sollte doch ein direktes Gespräch nötig sein, kann dieses im Rahmen Ihrer Sprechstunde stattfinden. Vorab können Sie die Eltern bitten, Ihnen ihr Anliegen per Mail zu schildern. So können Sie sich in Ruhe vorbereiten, was den Stress schon deutlich reduzieren kann.
6. Grübeln reduzieren
Introvertierte neigen dazu, Gespräche sowohl vor als auch nach dem Gespräch in Gedanken durchzugehen. Der Vorteil: Selbstreflexion und besonnene, durchdachte Gespräche.
Der Nachteil: Das Grübeln, ob man nicht vielleicht doch etwas Dummes gesagt hat oder etwas, das falsch aufgefasst werden kann. Wer das Grübeln nicht stoppen kann, verbraucht wertvolle Zeit und Energie und bekommt darüber hinaus schlechte Laune.
Es hilft, sich im ersten Schritt darüber bewusst zu werden, dass man mal wieder ins Grübeln geraten ist. Eine Maßnahme dagegen stammt aus dem Bereich der Meditation: Stellen Sie sich die negativen Gedanken als Wolken vor, die Sie mit dem Wind einfach weiterziehen lassen und nicht mehr festhalten.
Oder machen Sie sich bewusst, was an dem Gespräch Ihnen Sorgen macht. Ist es wahrscheinlich, dass Ihre Sorgen berechtigt sind? Nicht, dann schieben Sie die Gedanken weg.
Manchmal hilft es, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen: Was hätten Sie gedacht, hätte man das Gespräch mit Ihnen geführt. In den meisten Fällen hätten Sie es wahrscheinlich schon vergessen. Und falls nicht: Würde es helfen, Ihren Gesprächspartner auf Ihre Bedenken anzusprechen, um sie ggf. aus dem Weg zu räumen?
7. Ruheinseln im Lehrerzimmer schaffen
In vielen Schulen ist das Lehrerzimmer Arbeitsraum, Kaffeeküche, Gesprächsraum und Pausenraum in einem. Keine guten Grundvoraussetzungen zum konzentrierten Arbeiten oder für Erholungsphasen. Gibt es keine Ausweichmöglichkeiten wie Ruheräume, Lehrerunterrichtszimmer, Konferenzräume oder leere Klassenzimmer, kann Ihnen ein Noise-Cancelling-Kopfhörer helfen, etwas Ruhe zu finden.
8. Arbeiten im Team
Als introvertierte Person können Sie wahrscheinlich besser alleine als in Gruppen arbeiten. Das bedeutet aber nicht, dass Sie kein Teamplayer sind!
Trifft sich z. B. Ihr Fachbereich oder Ihre Schulentwicklungsgruppe, um gemeinsam etwas auszuarbeiten, können Sie für sich bereits einige Punkte vorbereiten. Während Extrovertierte gut darin sind, spontan und aus dem Gespräch heraus Ideen zu entwickeln, können Sie so Ihre Stärke ausspielen und in Ruhe über das Thema nachdenken, um zielführende Maßnahmen und Vorschläge zu finden.
Fazit
In unserer Welt gelten oft die Lauten, die schnell und schlagfertig reagieren, als Vorbilder. Von den Leisen wird nicht selten gefordert, dass sie sich anpassen und überwinden sollen, um auf andere zuzugehen und sich mehr zu beteiligen. Dabei sind Zuhören, Beobachten, Nachdenken und überlegtes Handeln so wichtige Kompetenzen, von denen nicht zuletzt Schülerinnen und Schüler profitieren können!
Es ist wichtig, dass Kinder in der Schule sowohl introvertierte wie extrovertierte Lehrerinnen und Lehrer mit ihren unterschiedlichen Stärken und Herangehensweisen an den Beruf als Gegenüber haben.
Quellen