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Lärm in der Schule
Lärm macht krank! Quelle: Betzold

Lärm in der Schule vermeiden – Teil 1

Lärm in der Schule schadet Schülern und Lehrkräften

„Könnt ihr denn nicht zuhören?!“

Vielleicht haben Sie diese Frage Ihren Schülern schon einmal selbst gestellt – oder zumindest gedacht.
Und natürlich geht man in der Regel davon aus, dass die Kinder sehr wohl zuhören könnten – wenn sie nur wollten.

Aber nicht immer sind die Schüler die Schuldigen: Lärm stört in vielen Schulen die Lehr- und Lernprozesse und beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit so sehr, dass Schüler tatsächlich nicht mehr zuhören können!

Messungen in Klassenzimmern ergeben regelmäßig durchschnittliche Lärmpegel zwischen 60 und 80 dB (A).
Stellen Sie sich vor, im Klassenzimmer würde ein Staubsauger angeschaltet – das entspräche etwa 70 dB (A). Besonders während der Pausen, in Mensen, Sport- und Werkräumen werden Werte erreicht, für die in industriellen Betrieben ein Gehörschutz vorgeschrieben wäre.

Lärm in der Schule vermeiden

Diese Vergleiche allein machen deutlich, dass eine so hohe, dauerhafte Lärmbelastung ein Problem ist, das nicht nur die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit von Ihnen und Ihren Schülern beeinträchtigt, sondern längerfristig auch der Gesundheit schadet.

Da überrascht es nicht, dass in einer Studie des Instituts für Interdisziplinäre Schulforschung (ISF) der Universität Bremen 80% der befragten Lehrkräfte angaben, sich durch Schullärm belastet zu fühlen:

Diagramm zur Lärmbelastung von Lehrkräften.

Quelle: Bremer Institut für Interdisziplinäre Schulforschung, veröffentlicht in: Erziehung und Wissenschaft, Heft 7-8, 2003. Grafik: Betzold.

Wie wirkt sich Lärm auf den Körper aus?

Empfinden wir Geräusche z.B. aufgrund von Lautstärke, Intensität oder Dauer als störend, spricht man von Lärm. Während sich unsere Nase an unangenehme Gerüche gewöhnen kann, denen wir über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sind, ist das Ohr nicht zu einer solchen Gewöhnung fähig.

Dabei ist die Wahrnehmung von Lärm subjektiv und kann von weiteren (nicht-akustischen) Faktoren abhängen: Während den einen an manchen Tagen bereits ein Schüler aus der Haut fahren lässt, der einen Kugelschreiber immer wieder drückt, bleibt der andere auch von dem Presslufthammer vor dem Fenster unbeeindruckt.
Der Kugelschreiberdrücker hätte nun besser gewusst, dass sein Lehrer vor der Stunde ein unerfreuliches Elterngespräch hatte, während unser zweiter Lehrer gerade aus einer überaus produktiven Unterrichtsstunde kommt. Auch abgesehen von der aktuellen Stimmung reagieren manche Menschen   sensibler auf störende Geräusche als andere und leiden schneller unter den Auswirkungen.

Diese Auswirkungen können das Gehör direkt (aural) und indirekt die Gesundheit (extra-aural) beeinträchtigen: Schwerhörigkeit durch Schädigung der Haarzellen des Innenohrs oder des Hörnervs ist eine direkte Folge der Einwirkung von lauten Geräuschen auf das Gehör. Schon ab einer Beschallung mit 85 dB (A) kann das Gehör Schaden nehmen – eine Grenze, die in Klassenzimmern zwar nicht häufig überschritten wird, aber durchaus in Werkräumen oder Sporthallen.

Viel häufiger kommt es zu einer extra-auralen Beeinträchtigung der Gesundheit, für die bereits viel niedrigere Lärmpegel verantwortlich sind:

Schon leise Geräusche oder hallige Räume verursachen eine Störung der Kommunikation. Die Schüler können Sie nicht gut verstehen und werden noch unruhiger. Die Folge: Sie sprechen lauter, aber damit hebt sich der Geräuschpegel ebenfalls weiter – von der Belastung Ihrer Stimme ganz zu schweigen. Die Lärm-Schraube beginnt sich zu drehen:

Die „Lärm-Schraube“ - Der Lärmpegel steigt und steigt. Lärm in Schulen.

Die „Lärm-Schraube“ – Der Lärmpegel steigt und steigt. Quelle: Betzold

Besonders schwierig wird die Situation bei Gruppenarbeiten: Wenn jede Gruppe die Gespräche der anderen übertönen muss, schraubt sich der Geräuschpegel schnell in die Höhe. Das allgemeine Wohlbefinden, die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit werden beeinträchtigt. Die Schüler und Sie sind abgelenkt und machen mehr Fehler.

 

Das alles belastet den Körper und führt zur Ausschüttung von Stresshormonen. Ist der Körper diesem Zustand über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, kann die Gesundheit darunter leiden: Schwitzen, Schlafstörungen, Verspannungen, Magen- und Darmprobleme, ein geschwächtes Immunsystem oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mögliche Folgen. Die Liste ließe sich noch fortsetzen.

Lärm macht krank! Quelle: Betzold

Lärm macht krank! Quelle: Betzold

Schon kurze Erholungsphasen bauen Lärmstress ab. Regen Sie doch an, Schüler- und Elterngespräche auf bestimmte Pausen zu reduzieren, um auch für sich kleine Ruhephasen zu schaffen. Der ideale Ort für kurze „Ruhepausen“ sind spezielle Rückzugs- oder Ruheräume, die inzwischen an immer mehr Schulen eingerichtet werden.

Dabei ist Lärm durch eine Kombination aus pädagogischen Maßnahmen und einer Verbesserung der Raumakustik, die schon mit günstigen Mitteln erreicht werden kann, gut „einzudämmen“.

Wie das funktionieren kann, erfahren Sie im zweiten Teil „So senken Sie den Lärmpegel in Ihrer Klasse“.

 

 

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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