Leitung
Alltag
Veröffentlichung: 23.07.2023

Die Hospitation im Kindergarten

Die Hospitation im Kindergarten bietet sich an, um die pädagogische Praxis zu reflektieren, voneinander zu lernen und die Qualität der frühkindlichen Bildung zu verbessern. Neben dem Austausch der pädagogischen Fachkräfte untereinander kann eine Hospitation auch eine Bereicherung für die Arbeit mit Sorgeberechtigten sein.
Janine Landwermann
Janine Landwermann
Online-Redakteurin

Was ist eine Hospitation im Kindergarten?

Eine Hospitation ist ein pädagogisches Beobachtungsverfahren, bei dem eine Person – in diesem Fall eine Lehrkraft, Erzieherin oder ein Pädagoge – eine bestimmte Zeit in einem anderen Kindergarten verbringt, um dort den pädagogischen Alltag zu erleben und zu beobachten. Das Ziel ist es, neue Ideen zu sammeln, Methoden kennenzulernen und die eigene pädagogische Arbeit zu reflektieren.

Tipps für Kindergartenleitung & Team:

  • Offene Kommunikation: Sprechen Sie mit Ihrem Team über die Vorteile von Hospitationen. Ermutigen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sich gegenseitig zu unterstützen und ihre Erfahrungen zu teilen. Eine offene und positive Einstellung fördert den pädagogischen Austausch.
  • Vorbereitung: Klären Sie vorab die organisatorischen Aspekte. Vereinbaren Sie den Zeitpunkt, die Dauer und die Schwerpunkte der Hospitation. Stellen Sie sicher, dass die oder der Hospitierende eine verantwortliche Begleitperson innerhalb des Teams hat.
  • Feedbackkultur: Ermöglichen Sie nach der Hospitation einen Raum für Feedbackgespräche. Diese reflektierten Rückmeldungen sind für die Reflexion der oder des Hospitierenden und für Verbesserungen in Ihrer Einrichtung entscheidend.

Tipps für Hospitierende:

  • Zielsetzung: Definieren Sie vor der Hospitation klare Ziele und Fragen, auf die Sie Antworten suchen möchten. Dadurch können Sie sich gezielt auf die Hospitation vorbereiten und das Gelernte besser reflektieren.
  • Achtsam beobachten: Achten Sie während der Hospitation nicht nur auf die Kinder, sondern auch auf die Interaktionen zwischen den pädagogischen Fachkräften und auf das pädagogische Konzept der Einrichtung. Notieren Sie sich Ihre Beobachtungen, um sie später zu reflektieren.
  • Diskretion: Behandeln Sie, ebenso wie an Ihrem Arbeitsplatz, persönliche Informationen diskret und teilen Sie nichts Unangemessenes mit anderen.
Mutter steht mit Kind und Erzieherin vor Elternpostkasten von Betzold

Hospitationen von Eltern im Kindergarten: Eine Win-Win-Situation?

Die Vorstellung, dass Eltern in die pädagogische Arbeit des Kindergartens eintauchen und die täglichen Aktivitäten ihrer Kinder beobachten könnten, mag auf den ersten Blick etwas ungewöhnlich erscheinen. Doch tatsächlich könnten Hospitationen von Eltern eine Bereicherung für alle Beteiligten sein.

Vorteile für die Eltern:

  • Einblick in den Kindergartenalltag: Durch eine Hospitation könnten Eltern hautnah miterleben, wie ihre Kinder den Tag verbringen, welche pädagogischen Methoden angewandt werden und wie die sozialen Interaktionen ablaufen. Dadurch können sie besser verstehen, wie der Kindergarten ihre Kinder fördert und unterstützt.
  • Stärkung des Vertrauens: Die Möglichkeit, die pädagogische Arbeit zu beobachten, kann das Vertrauen der Eltern in die Einrichtung stärken. Dadurch fühlen sich die Sorgeberechtigten sicherer, dass ihre Kinder in guten Händen sind.
  • Erweiterte Elternpartizipation: Durch die Hospitation können Eltern besser nachvollziehen, wie sie aktiv zur Bildung und Entwicklung ihrer Kinder beitragen können. Sie könnten Anregungen für gemeinsame Aktivitäten zu Hause erhalten.

Vorteile für die Kindergärten oder Kitas:

  • Verbesserte Transparenz: Indem Eltern die Möglichkeit haben, den Kindergartenalltag zu erleben, schafft dies eine Transparenz der pädagogischen Arbeit und der Abläufe in der Einrichtung. Dies kann zu einer besseren Kommunikation und einem engeren Austausch zwischen Eltern und pädagogischem Team führen.
  • Feedback und Verbesserungen: Eltern, die eine Hospitation durchführen, können wertvolles Feedback liefern. Dies kann den Kindergartenleitungen und dem Team helfen, Stärken zu erkennen und Verbesserungspotenziale zu identifizieren.
  • Stärkung des Gemeinschaftsgefühls: Die Einbindung der Eltern durch Hospitationen kann das Gemeinschaftsgefühl in der Einrichtung stärken. Eltern könnten eine größere Wertschätzung für die Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher entwickeln und sich aktiver in das Kindergartenleben einbringen.

Herausforderungen und Grenzen der Elternhospitation:

Nicht alle Eltern haben Interesse an einer Hospitation. Außerdem könnten andere Sorgeberechtigte Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre ihrer Kinder haben. Gerade diese Punkte sollten im Vorfeld einer geplanten Hospitation sensibel behandelt werden. Außerdem ist es von großer Bedeutung, den rechtlichen und datenschutzrechtlichen Rahmen zu respektieren und klare Regeln für Hospitationen festzulegen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Checkliste für die Hospitation von Sorgeberechtigten

Wenn Eltern in einem Kindergarten oder einer Kita hospitieren möchten, müssen verschiedene Aspekte beachtet werden, um die Privatsphäre der Kinder, den Datenschutz und das Wohl der gesamten Einrichtung zu gewährleisten.

  1. Datenschutz und Privatsphäre: Es ist unerlässlich, die Datenschutzrechte aller beteiligten Personen zu wahren, insbesondere die der Kinder und Erzieher. Die Hospitierenden werden verpflichtet, sensible Informationen über Kinder oder andere Eltern vertraulich zu behandeln.
  2. Zustimmung der Kinder und Erzieher:innen: Die Kinder und das Team sollten ebenfalls in den Prozess einbezogen werden. Im Vorfeld wird geklärt, ob die Kinder sich mit der Anwesenheit ihrer eigenen Eltern während der Hospitation wohl fühlen und ob Erzieherinnen und Erzieher damit einverstanden sind, dass Hospitierende ihre Arbeit beobachten.
  3. Begleitpersonen und Zeitrahmen: Es ist ratsam, dass die Hospitierenden während der Hospitation eine verantwortliche Begleitperson haben. Diese Begleitperson sollte den Hospitierenden mit den Regeln und Abläufen vertraut machen und sicherstellen, dass alle erforderlichen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Zudem sollte der Zeitrahmen für die Hospitation klar vereinbart werden. In der Regel dauert eine Elternhospitation einen Tag.
  4. Fokus und Beobachtungszweck: Die Hospitierenden sollten offen in den Alltag ihrer Kinder gehen. Eine Wertung der pädagogischen Arbeit sollte nicht erfolgen. Fragen und Anmerkungen zur Arbeit der Erzieherinnen und Erzieher sollten im Nachgang in einem persönlichen Gespräch erörtert werden.
  5. Versicherungsschutz: Werden durch Hospitierende Schäden verursacht, werden diese durch deren private Haftpflichtversicherung gedeckt. Ebenfalls ist zu beachten, dass die gesetzliche Unfallversicherung für eine Hospitation nicht greift, da hier kein Beschäftigungsverhältnis ausgeübt wird.
  6. Freiwilligkeit: Die Teilnahme an einer Hospitation sollte grundsätzlich freiwillig sein. Weder Eltern noch Erzieher sollten zu einer Hospitation gezwungen werden, und sie haben das Recht, ihre Zustimmung jederzeit zurückzuziehen.

Die Einhaltung dieser Aspekte ist entscheidend, um die Sicherheit und das Wohl der Kinder sowie die Integrität der pädagogischen Arbeit in der Kindertagesstätte oder dem Kindergarten zu gewährleisten. Durch eine klare Kommunikation und Vereinbarung im Vorfeld können Hospitationen von Eltern eine positive und bereichernde Erfahrung für alle Beteiligten sein.

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Wer schreibt hier?

Janine Landwermann
Online-Redakteurin
Erinnern Sie sich noch an den Namen „Ihrer“ Erzieherin aus dem Kindergarten? Ich erinnere mich noch sehr gut an Frau Müller und die endlose Geduld, mit der sie uns Kinder damals im turbulenten Erzieher-Alltag gebändigt, motiviert, begleitet und unterstützt hat. Seit 2013 recherchiere ich bei Betzold in Ellwangen für Sie und Frau Müller Wissenswertes und Hilfreiches aus den Bereichen Pädagogik, Bildung und Organisation. 
Sie haben Feedback, Fragen oder Anmerkungen? Dann schreiben Sie mich einfach direkt an: blog@betzold.de