Stufe 2: Was aus deiner Sicht passiert ist
Auf der zweiten Stufe sollen die Kinder versuchen, sich in ihr Gegenüber hineinzuversetzen. Dazu wiederholen sie, was das andere Kind gesagt hat. Wurde etwas nicht verstanden oder vergessen, darf das Kind nachfragen, so dass beide Sichtweisen möglichst komplett wiedergegeben werden und die Kinder verstehen, wie der andere den Streit erlebt und sich dabei gefühlt hat. So soll das Verständnis füreinander gefördert werden. Danach steigen beide Kinder auf die dritte Stufe.
Das Erzählen in „Ich-Botschaften“, die Schilderung der eigenen Gefühlslage, das aktive Zuhören und auch das Finden von Lösungsmöglichkeiten müssen die Kinder üben, um es selbst anwenden zu können. Einige Durchgänge mit gestellten Situationen sind deshalb nötig.
Stufe 3: Wie können wir das Problem lösen?
Gemeinsam suchen die Kinder nach Möglichkeiten, den Konflikt beizulegen. Sie können dabei ihre Wünsche und Bedürfnisse äußern, aber auch, was sie selbst zu tun bereit sind, um den Streit zu beenden. Nicht immer werden alle Wünsche realisierbar sein, evtl. müssen Kompromisse gefunden werden. Der Moderator und außenstehende Kinder können, wenn nötig, helfen.
Ist eine Lösung gefunden, fragt der Moderator nach, ob beide Kinder damit einverstanden sind. Ist das der Fall, steigen sie auf die letzte Stufe und stehen sich direkt gegenüber.
Stufe 4: Wir vertragen uns
Die vierte Stufe dient der Verinnerlichung der gefundenen Lösung zur Versöhnung: Beide Kinder wiederholen nacheinander, was sie auf der dritten Stufe vereinbart haben und geben ihr Einverständnis und Versprechen, sich daran zu halten, z. B. durch ein vereinbartes Zeichen wie einen Handschlag oder eine Umarmung (in Corona-Zeiten besser auf Ellbogen- bzw. Fuß-Checks ausweichen).
Alle weiteren Anwesenden sollen die Kinder bei der Einhaltung der Vereinbarung unterstützen und sie ggf. daran erinnern.
Brigitte Zwenger-Balink schreibt in ihrem Buch, in dem sie das Konzept der Friedenstreppe vorstellt, dass das Projekt sehr vielen Schülerinnen und Schülern geholfen hat, dass es aber auch komplexe Fälle gab, bei denen diese Methode und die Möglichkeiten Grenzen hatte und auf andere Konfliktlösungsmöglichkeiten zurückgegriffen werden musste.
Quellen:
- Brigitte Zwenger-Balink: Komm, wir finden eine Lösung! Training zur Gewaltprävention in den Schulklassen 1 - 6, Ernst Reinhardt Verlag.
- „Komm, wir finden eine Lösung!“ wird auch als Präventionsprojekt gegen Mobbing und Gewalt an Schulen durch den Kinderschutzbund München angeboten.