8. Teambuilding
Ein neuer Schüler oder eine neue Schülerin in der Klasse zu sein, kann schwierig sein. Anfänglich besteht oft ein großes Interesse der anderen Schülerinnen und Schüler, das jedoch nach zwei bis drei Wochen dann schnell wieder abflacht. Diese anfängliche Neugierde können Pädagoginnen und Pädagogen gut nutzen, um die Eingliederung in den Klassenverband zu erleichtern.
Durch Teambuildingaufgaben lernen sich die Schülerinnen und Schüler besser kennen und es stärkt ihren Zusammenhalt. Bei geflüchteten Kindern empfehlen sich besonders in der Anfangsphase nonverbale Spiele. So entsteht kein zusätzlicher Stress oder gar Scham durch die geringe Sprachkenntnis.
Es eignen sich zum Beispiel alle Spiele, bei denen die Schülerinnen und Schüler in Gruppen etwas bauen müssen. Also den höchsten Turm mit Spaghetti, Faden, einem Marshmallow und Klebeband zum Beispiel. Aber auch eine stabile Brücke aus Papier und Klebeband, über welche dann ein schwerer Gegenstand rollen muss, eignen sich gut. Alles, was dazu beiträgt, dass die Schüler und Schülerinnen Gemeinsamkeiten entdecken und was das Kennenlernen beschleunigt, ist förderlich.
9. Sicherheit geben
Geflüchtete Kinder benötigen vordergründig eines: Sicherheit. Sicherheit ist ein Grundbedürfnis, das mit großer Wahrscheinlichkeit zutiefst durch die gemachten Erfahrungen und die komplett neue Situation, in der sie sich nun befinden, erschüttert wurde.
Daher sollte es zum wichtigsten Ziel erklärt werden, geflüchteten Schülern und Schülerinnen Sicherheit zu vermitteln. Das gelingt natürlich einerseits durch alle genannten Tipps und andererseits durch Vertrauen.
Es ist daher von Vorteil, wenn es ein oder mehrere Vertrauenspersonen für die Schüler und Schülerinnen gibt. Das kann aus der Lehrerschaft sein, ein Sozialarbeiter/eine Sozialarbeiterin in der Schule und auch Klassenkolleg/innen (durch die Auswahl eigens zuständiger Kinder zum Beispiel). Am besten natürlich: es gibt mehrere Anlaufstellen. Denn nicht immer ist jede Person verfügbar und nicht alle Themen wollen Schüler und Schülerinnen mit dem Lehrer/der Lehrerin besprechen oder mit Gleichaltrigen.
10. Am Wissensstand ansetzen
Das Ansetzen am aktuellen Wissensstand einer geflüchteten Schülerin oder eines Schülers ist nicht nur relevant für den weiteren Lernerfolg, sondern mindert auch den Stress und fördert so das Sicherheitsgefühl und das Wohlbefinden generell.
Je praxisbezogener der Lehrstoff vermittelt werden kann, desto motivierter werden die meisten Schülerinnen und Schüler sein, sich in das Thema zu vertiefen. Trotz der widrigen Umstände durch die neue Umgebung und neue Kultur, können so die Lehrkräfte die Kinder motivieren und stärken.
11. Soziale Regeln erklären und einüben
Auch, wenn sich die Kinder in einem Alter befinden, in dem sie wahrscheinlich schon die meisten sozialen Regeln kennen, ist es trotzdem sinnvoll, sie in konkreten Situationen dabei zu unterstützen. Zum einen wissen wir nicht, wie es in ihrer bisherigen Klasse und ihrem Umfeld gehandhabt wurde, und zum anderen erleichtert es den Kindern das soziale Miteinander.
Durch Traumatisierung kann es ihnen schwerfallen, die eigenen Emotionen zu kontrollieren, daher benötigen sie in dieser Zeit oft auch mehr Unterstützung dahingehend.
Wie drückt man Ärger noch aus, was kann ich gegen Frust tun? Das sind unter anderem Probleme, die gemeinsam aufgearbeitet werden können. Hilfe beim emotionalen Ausdrücken und das gezielte Erklären und Üben der üblichen sozialen Regeln fördert die Eingliederung und das Einleben im Klassenverband.
12. Emotionen zulassen
Wie schon erwähnt, fällt es geflüchteten Kindern, durch ihre beängstigenden Erlebnisse, oftmals schwer, ihre Gefühle angepasst zu zeigen. Zusätzlich können auch bestimmte Reize unerwartet starke Angstreaktionen auslösen. Hier ist es wichtig, den Kindern die Emotionen nicht abzusprechen und sie zuzulassen.
Verständnis zeigen, ernst nehmen und sie bei der Bewältigung ihrer Emotionen unterstützen, hilft geflüchteten Kindern bei der Aufarbeitung und fördert so auch das soziale Miteinander. Den Klassenkolleg/innen sollten Sie auch erklären, warum das vermutlich so ist und wie sie dem Schüler/der Schülerin helfen können.
Trösten, beistehen, Hilfe holen, gemeinsam tief durchatmen, gemeinsam zählen zum Beruhigen und andere Beruhigungsmethoden anwenden. Das hilft, den Stress und die Angst zu mindern und fördert gleichzeitig das „Wir-Gefühl“.
13. Anstrengungen anerkennen
Auch geflüchtete Kinder benötigen Erfolgserlebnisse. Und das gilt für alle Altersstufen. Für das Wohlbefinden und daher auch für die Eingliederung ist es deshalb hilfreich, wenn alle Schüler und Schülerinnen der Klasse regelmäßig Anerkennung und Feedback zu ihren Leistungen erhalten.
Es ist schon klar, dass das natürlich auch über Noten und andere Beurteilungsmethoden geschieht. Aber auch Anerkennung für die Anstrengung ist wichtig. Denn, auch wenn die Noten vielleicht nicht gut sind, kann es sein, dass sich der Schüler oder die Schülerin trotzdem angestrengt hat, um den Lehrstoff zu bewältigen.
Das trifft auch auf das soziale Miteinander zu. Wenn sich neue Kinder in der Klasse angestrengt haben, sich zurechtzufinden. Aber z. B. auch, wenn die Schüler und Schülerinnen den neuen Kindern helfen, sich einzugliedern. Lob und Anerkennung für die Anstrengung ist vom Erreichen des Ziels unabhängig. Es hebt die Motivation und fördert somit das Interesse an der Eingliederung und hebt den Selbstwert und das Selbstvertrauen. Alles sehr wichtige Faktoren für ein gelungenes Miteinander.
Resümee
Geflüchtete Kinder in einer Regelklasse zu integrieren, bedarf viel Einfühlungsvermögen und bedeutet natürlich auch zusätzliche Arbeit und Anstrengung. Die Eingliederung sollte daher auch von einem Team aus Lehrkräften, Sozialarbeiter/innen, Schulpsycholog/innen, den Eltern und anderen zur Verfügung stehenden Personen begleitet werden.
So gelingt es den Neuankömmlingen leichter, sich rasch zurechtzufinden, Vertrauen zu schöpfen und ein neues Sicherheitsgefühl aufzubauen. Nur so kann es den Kindern gelingen, allmählich in einen geordneten und regelmäßigen Tagesablauf zurückzufinden. Die Schule und speziell Lehrerinnen und Lehrer, sind ein wichtiger Baustein, um geflüchteten Kindern einen sicheren und kindgerechten Alltag wieder zu ermöglichen.