Denken Sie daran: Sie "sind" keine Lehrerin oder kein Lehrer, sie arbeiten nur als Lehrkraft! Spätestens, wenn Sie die Schultür hinter sich ins Schloss fallen lassen, sollten Sie wieder Ehemann oder -frau, Lebenspartnerin oder -partner, Vater oder Mutter, Sohn oder Tochter sein – und nicht länger "Herr x oder Frau y", die Lehrkraft! Lassen Sie Ihr Lehrer-Alter-Ego in der Schule! Niemand wird es Ihnen verübeln, wenn Sie freundlich, aber bestimmt, eine nachvollziehbare Grenzlinie ziehen, sobald Ihr Kraftkontingent für den Schultag aufgebraucht ist. Das gilt für Schülerinnen und Schüler ebenso wie für Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Schulleitung. Sagen Sie nicht "Nein!", sagen Sie "Nein, aber ..." und bieten Sie ganz konstruktiv eine akzeptable Alternative! Nur ein Unmensch – dem Sie ohnehin nicht zu viel Zeit in Ihrem Leben einräumen sollten – wird eine solch offene und dem Gegenüber zugewandte Reaktion nicht zu schätzen wissen.
Nehmen wir an, eine Schülerin oder ein Schüler möchte sich nach der 6. Stunde eine Note erklären lassen, die Sie erteilt haben. Das sollten Sie nur spontan tun, wenn Sie es wirklich wollen, weil es dadurch für Sie ein Problem löst: Sie haben das Thema vom Tisch und es passt Ihnen gerade zeitlich. Ansonsten antworten Sie professionell-distanziert: "Ich nehme mir gerne Zeit für dich und dein Anliegen, doch heute wird das leider nichts mehr. Wir können jetzt auf jeden Fall noch kurz einen Termin für die nächsten Tage absprechen, der uns beiden passt. Dann haben wir alle Zeit, die wir brauchen, und können alles in Ruhe besprechen."
Dadurch verschaffen Sie sich Nachdenkzeit (falls Sie sich angegriffen fühlen oder den Sachverhalt der Klassenarbeit nicht mehr ganz parat haben) und nehmen der Situation in jedem Fall die Emotionalität, die sonst vielleicht zu einem hitzigen Wortgefecht zwischen Lehrkraft und Schülerin bzw. Schüler geführt hätte, das Ihnen am Ende die innere Ruhe nimmt und verhindert, dass Sie von der Schule abschalten.
Tipp 2 für unzufriedene Lehrkräfte: Akzeptieren Sie das Unabänderliche und verändern Sie das Inakzeptable!
Kennen Sie das "Gelassenheitsgebet" der Anonymen Alkoholiker? Verkürzt geht das in etwa so: "Gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden!" Ein fantastischer Leitsatz für jede Lehrkraft!
In der Schule – und das heißt in den meisten Fällen, im Beamtentum – gibt es auf Grund der starken Hierarchieorientierung und der recht konservativen Ausrichtung des Lehrerberufs etliche Umstände, die einen zur Verzweiflung treiben können: Von nicht immer transparenten dienstlichen Beurteilungen über eine mangelhafte Medienausstattung an der Schule bis hin zur vermeintlichen Inkompetenz anderer Kolleginnen oder Kollegen oder zum rüpelhaften Verhalten einzelner Schülerinnen und Schüler – die geneigte Lehrkraft hat tagtäglich Dutzende Anlässe, um sich tief in eine Negativspirale zu vergraben. Sie selbst treffen die Entscheidung, ob Sie sich nervlich aufreiben wollen oder ob Sie Ihre (begrenzte) Energie lieber an einer Stelle investieren, an der sie sinnvoll eingesetzt ist – letzteres wäre dann die Empfehlung von Lehrer|Schüler.
Was Sie ändern können, das sind in erster Linie Sie selbst und Ihr eigenes Verhalten. Besonders, wenn es Dinge gibt, die Ihnen an die Substanz gehen und die für Sie untragbar sind, dann müssen Sie regelrecht handeln – dazu sind Sie sich selbst und Ihrer Lehrergesundheit gegenüber verpflichtet. Es hat sich noch nie bewährt, als Lehrkraft Unangenehmes "herunterzuschlucken" und Belastendes aussitzen zu wollen. Nicht umsonst sind depressive Verstimmungen und Burnout in den letzten Jahren regelrechte "Volkskrankheiten" unter Lehrerinnen und Lehrern geworden.
Wenn Sie sich also beispielsweise über Ihre Schulleitung ärgern, dann fordern Sie ein Personalgespräch ein! Nutzen Sie das Instrument des Personalrats – auch, wenn dieser an Ihrer Schule ein "zahnloser Tiger" sein sollte! Allein das Signal zu setzen, dass Sie sich Ihrer Rechte als Lehrerin oder Lehrer bewusst sind und dass Sie die Initiative ergreifen, wird Ihr Gegenüber aufhorchen lassen.
Ärgern Sie sich über einzelne Schülerinnen und Schüler? Bitten Sie die Eltern in die Schule und nehmen Sie sich eine Kollegin oder einen Kollegen, der oder dem Sie vertrauen, als seelische und moralische Unterstützung sowie als Zeugin oder Zeuge für den Ernstfall mit zum Konfliktgespräch hinzu! Das Instrument der kollegialen Fallberatung wird unter Lehrerinnen und Lehrern in Deutschland viel zu selten genutzt, obwohl es sich doch perfekt zur Beibehaltung der Psychohygiene im Lehrerberuf eignen würde.
Tipp 3 für mehr Spaß am Lehrerberuf: Nehmen Sie Ihr Lehrerschicksal aktiv in die Hand und nutzen Sie Gestaltungsfreiräume!
Ja, das Gefühl von Unzufriedenheit im Lehrerberuf ist – ein Stück weit – auch eine Frage der eigenen Einstellung als Lehrerin oder Lehrer! Der Lehrerberuf hat aus der Sicht von Lehrer|Schüler einen großen Vorteil, doch manche alteingesessenen Lehrkräfte sehen nach etlichen Dienstjahren in ihrer Verstimmung häufig den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. In kaum einem Beruf kann man – trotz aller notwendigen Vorgaben und Regelungen – so ungehemmt kreativ und selbstbestimmt arbeiten wie in der Profession der Lehrerin oder des Lehrers. Nutzen Sie dieses Potenzial für mehr Berufszufriedenheit im Lehrerjob!
Machen Sie die Unterrichtsvorbereitung und Korrektur zu Ihrem Steckenpferd und sehen Sie beides nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance, sich als gewiefte, moderne, gerechte und von ihren Fächern begeisterte Lehrkraft zu profilieren – so viel Freude am Beruf ist ansteckend und wird auch an den Schülerinnen und Schülern nicht spurlos vorbeigehen! Nutzen Sie Belohnungssysteme, um die Qualität Ihres Unterrichts zu steigern und beeindrucken Sie Ihre Kolleginnen und Kollegen mit Ihrem unkonventionellen Esprit – strahlen Sie aus, dass Sie sich immer wieder für den Lehrerberuf entscheiden würden! Notfalls: Fake it till you make it!