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Veröffentlichung: 08.01.2026

Der Unterrichtsbesuch im Referendariat: Tipps, Ablauf und häufige Fehler

Unterrichtsbesuche (UB) sind ein ebenso fester wie mit Stress verbundener Teil des Referendariats. Aber wie so oft gilt: Gut vorbereitet, ist alles halb so schlimm! Und: Mit jedem Besuch wird es ein Stück leichter. Hier haben wir Tipps vorbereitet, eine Checkliste für den Unterrichtsbesuch und schauen, welche typischen Fehler Sie wie vermeiden können.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Tipps: Unterrichtsbesuch vorbereiten

  • Gutes Zeitmanagement

    Auch ohne die Unterrichtsbesuche ist die Zeit im Referendariat oft knapp. Damit die Planung des Unterrichtsbesuchs nicht in Nachtschichten und Überlastung endet, ist ein gutes Zeitmanagement extrem wichtig. 

    Der wichtigste Punkt: rechtzeitig beginnen! Sie sollten zwei bis drei Wochen vorher starten, bei Lehrproben ist meist noch deutlich mehr Zeit nötig. 

    Ebenso entscheidend sind die Priorisierung der Aufgaben in dieser Zeit und eine gute Organisation. Es kann helfen, sich eine To-do-Liste mit allen für den UB anstehenden Aufgaben zu erstellen und feste Zeiten dafür in den Kalender einzutragen. Planen Sie hier auch feste Pausen ein, die kommen sonst meistens viel zu kurz!
  • Rechtzeitig über den Besuch informieren

    Informieren Sie sowohl die Klasse als auch die Schulleitung und Ihre Mentorinnen und Mentoren rechtzeitig über den geplanten Unterrichtsbesuch. So hat jeder genug Zeit, sich darauf einzustellen, und mögliche organisatorische Fragen lassen sich im Vorfeld klären.
  • Ein gutes Thema wählen

    Im Idealfall finden Sie ein Thema, das Sie und die Schülerinnen und Schüler gleichermaßen interessiert und bei dem Sie sich sicher fühlen. Es sollte in der Stunde gut behandelbar sein und die Möglichkeit bieten, leicht verschiedene Methoden und Sozialformen einzusetzen. 
  • Was mögen die Ausbilderinnen und Ausbilder? 

    Dieser Punkt sollte eigentlich keine große Rolle spielen. Viele Berichte zeigen jedoch, dass es von Vorteil sein kann, die Vorlieben der Seminarleiterinnen und Seminarleiter zu kennen und sich in den Unterrichtsbesuchen und Lehrproben ein bisschen danach auszurichten
  • Schülerinnen und Schüler einbinden

    Schülerinnen und Schüler können beim Unterrichtsbesuch wichtige Verbündete sein. Erläutern Sie ihnen vorab, warum diese Stunde für Sie besonders ist, und dass sie durch ihr Mitmachen einen großen Beitrag zum Gelingen leisten können. So entsteht ein Gefühl von Gemeinschaft und Verantwortung. Vielleicht möchten Sie auch gemeinsam überlegen, wie die Klasse die Gäste begrüßen möchte.
  • Methoden üben, die zum Einsatz kommen sollen

    Damit die Schülerinnen und Schüler auch genau wissen, was sie zu tun haben, sollten Sie die Methoden vorab gut trainieren. Dabei sammeln Sie auch Erfahrungen, wie lange die Klasse dafür benötigt und was mögliche Stolpersteine sind.
  • Selbstständiges Lernen 

    Phasen, in denen Ihre Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten, haben mehrere Vorteile: Die Kinder trainieren, eigenständig zu lernen und Probleme zu lösen – viele Ausbilderinnen und Ausbilder sehen das gerne und es kann Ihnen während des Unterrichtsbesuchs ein bisschen Zeit zum Durchschnaufen geben. Gleichzeitig können Sie beobachten, wie gut Ihre Lernenden mit Materialien, Methoden oder Arbeitsaufträgen zurechtkommen – ein Pluspunkt für die spätere Reflexion.
  • „Spicker“ vorbereiten

    Skizzieren Sie das Tafelbild vorab und fotografieren bzw. speichern Sie es ab und drucken es aus. Dasselbe bietet sich auch für die Verlaufsplanung an. Während der Stunde können Sie so immer wieder einen Blick darauf werfen und sind so sicher, keinen Punkt zu vergessen.
  • Feedback zu Materialien und Planung einholen

    Lassen Sie Ihre Planung und die vorbereiteten Materialien von Ihrer Mentorin oder Ihrem Mentor durchsehen. So erhalten Sie wertvolle Hinweise zur inhaltlichen Struktur, zur Methodenauswahl und zum Einsatz der Materialien. Sinnvoll ist es auch, eine weitere Person die Materialien auf Rechtschreibung und Zeichensetzung prüfen zu lassen.
  • Kopien und Materialien vorbereiten

    Kopierer streiken immer in den ungünstigsten Momenten. Deshalb unbedingt alle Arbeitsblätter schon einen Tag vorher kopieren und die Materialien bereitstellen.
  • Gute Rahmenbedingungen schaffen

    • Wissen alle, wo der UB stattfindet? Ggf. Wegweiser anbringen oder einen Treffpunkt ausmachen. 
    • Funktioniert die Technik?
    • Sind der Raum und die Tafel sauber?
    • Passt die Sitzordnung?
    • Muss etwas aufgebaut oder vorbereitet werden (z. B. Experimente, Stationen)?
    • Haben Sie die Materialien griffbereit?
    • Ist der Platz für die Gäste im Klassenzimmer vorbereitet?
    • Haben Sie ein „Bitte nicht stören“-Schild parat, das Sie vor dem UB an der Tür anbringen?
    • Stehen für die Nachbesprechung ein Raum, Kaffee, Getränke und Kekse bereit? 
    • Da schlechte Luft ein Konzentrationskiller ist, noch ein bisschen durchlüften. Fertig :)
  • Nicht verrückt machen 

    Klar können die Unterrichtsbesuche in die Gesamtbewertung miteinfließen, aber im Grunde sind es Coachings, bei denen man die Möglichkeit hat, zu zeigen, was man kann, sich selbst zu reflektieren und professionelles Feedback zu erhalten, um sich zu verbessern. Außerdem bieten sie eine gute Gelegenheit, vor der Lehrprobe zu testen, ob man dafür gut gerüstet ist.

    Tipp

    Kurze Atemübung

    Wenn die Nervosität vor der Stunde groß ist, können Sie mit der 4-7-8-Atmung ruhiger werden:
    • 4 Sekunden durch die Nase einatmen
    • 7 Sekunden die Luft anhalten
    • 8 Sekunden lang mit einem pustenden Geräusch durch den Mund ausatmen
  • Gäste ausblenden

    Vor dem Beginn der Stunde schadet ein bisschen Small Talk mit Ihren Ausbilderinnen und Ausbildern nicht, aber sobald die Stunde beginnt und die Gäste kurz offiziell begrüßt wurden, sollte Ihr Fokus komplett auf den Schülerinnen und Schülern liegen. Versuchen Sie, die Gäste so gut wie möglich auszublenden.
  • Auf die Reflexion vorbereiten

    Die Reflexion ist ein zentraler Bestandteil der Nachbesprechung nach einem Unterrichtsbesuch. Hilfreich ist es, sich bereits vorab eine Struktur zu überlegen und jeden Punkt der Planung begründen zu können. 

    Eine bewährte Möglichkeit ist die ZIMT-Methode: ZIMT steht für Ziele, Inhalt, Methode und Time. Sie ist ein guter Leitfaden und hilft Ihnen, die Reflexion Schritt für Schritt durchzuführen und alle wichtigen Punkte systematisch zu besprechen. Besonders bei Nervosität sorgt diese Vorgehensweise dafür, dass nichts Wichtiges vergessen wird.

Typische Fehler und wie man sie vermeidet

Auch mit bester Vorbereitung läuft nicht immer alles perfekt, das ist völlig normal. Viele Referendarinnen und Referendare machen bei Unterrichtsbesuchen ähnliche Fehler. Wenn Sie diese Punkte im Blick behalten, können Sie sie leicht vermeiden:

1. Zu viel Inhalt einplanen

Weniger ist hier mehr: Häufig wird versucht, in einer Stunde möglichst viel unterzubringen. So fehlt häufig die Zeit für die Sicherung, was von den Evaluierenden negativ bewertet wird. Konzentrieren Sie sich lieber auf ein klar umrissenes Thema mit nachvollziehbaren Lernzielen. So bleibt genug Zeit für Vertiefung und Schüleraktivität.

Tipp

Plan B parat haben

Sollte doch der seltene Fall eintreten, dass Zeit übrig ist, sollten Sie immer einen Plan B vorbereitet haben. Zum Beispiel eine kurze Vertiefungsaufgabe, eine passende Wiederholungsfrage oder ein kurzes Spiel. So bleiben Sie handlungsfähig und wirken gut vorbereitet, selbst wenn der Ablauf einmal anders verläuft als geplant.

2. Selbstkritik während des Unterrichts

Wenn Sie sich während der Stunde ständig fragen, wie Ihr Unterricht gerade wirkt, verlieren Sie schnell den Blick für das Wesentliche. Bleiben Sie bei der Klasse, reagieren Sie auf Ihre Schülerinnen und Schüler. Reflexion kommt danach.

3. Unklare Zielsetzung oder fehlende Struktur

Ein roter Faden ist entscheidend. Achten Sie darauf, dass Ihr Unterrichtsentwurf klar aufgebaut ist und die Lernziele für alle Beteiligten nachvollziehbar sind.

4. Fehlender Blick für Reaktionen der Schülerinnen und Schüler

Auch wenn Sie einen Plan haben: Beobachten Sie Ihre Schülerinnen und Schüler genau. Wenn etwas nicht funktioniert, passen Sie den Ablauf flexibel an. Spontane Anpassungen zeigen, dass Sie professionell auf die Lerngruppe reagieren können.

5. Von der Methode aus planen

Wählen Sie Ihre Methoden gezielt so, dass sie das Erreichen des Lernziels unterstützen. Überlegen Sie, welche Sozialform und Arbeitsweise am besten dazu passt – nicht jede Methode eignet sich für jedes Ziel.

6. Zeit aus den Augen verlieren

Behalten Sie während der Stunde die Uhr im Blick und machen Sie sich bereits im Vorfeld für jede Phase klare Zeitmarker. So verhindern Sie, dass wichtige Elemente wie Erarbeitung oder Sicherung zu kurz kommen und sorgen für einen strukturierten, gut getakteten Ablauf. Wenn es keine Wanduhr im Zimmer gibt, können Sie eine Uhr auf das Pult stellen, um nicht ständig einen Blick auf die Armbanduhr werfen zu müssen.

FAQ: Der Unterrichtsbesuch im Referendariat

Was ist ein Unterrichtsbesuch?

Ein Unterrichtsbesuch (UB) ist eine geplante Unterrichtsstunde, bei der Ausbildende den Unterricht beobachten. Anschließend reflektieren und bewerten sie ihn gemeinsam mit der Lehrkraft.

Wer nimmt an einem Unterrichtsbesuch teil?

Neben der Referendarin/dem Referendar sind  in der Regel die Fachseminarleitung, die Mentorin/der Mentor und evtl. Personen der Schulleitung und der Fachleitung dabei.

Wie oft finden Unterrichtsbesuche statt?

Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Üblicherweise finden pro Fach 3 bis 5 Unterrichtsbesuche statt. 

Was ist das Ziel eines Unterrichtsbesuchs?

UB dienen der professionellen Weiterentwicklung. Durch das fachliche und pädagogische Feedback der Personen, die den Unterricht beobachten, sowie der eigenen kritischen Reflexion, erhalten Sie die Möglichkeit, Ihre Unterrichtskompetenz mit Blick auf Didaktik, Methodik und Pädagogik zu verbessern. 

Wie läuft ein UB ab?

  • Vorbereitung: Thema finden, Recherche, Zielsetzung festlegen, Stundenverlaufsplan und Unterrichtsentwurf erstellen, Materialien vorbereiten.
  • Durchführung: Halten der vorbereiteten Stunde. Diese wird beobachtet und bewertet.
  • Nachbesprechung: Reflexion und Feedbackgespräch – was lief gut, wo gibt es Entwicklungspotenzial?

Was wird beobachtet?

Im Zentrum der Beobachtung und Bewertung stehen häufig folgende Punkte: 

  • Klassenführung (auch im Hinblick auf den Umgang mit Unterrichtsstörungen)
  • Unterrichtsklima
  • Motivierung
  • Struktur
  • Zielorientierung
  • individuelle Unterstützung der Lernenden
  • selbstständiges Lernen
  • Unterrichtsformen
  • Lernerfolgssicherung

Dieser Beitrag soll Ihnen helfen, einen guten Unterrichtsentwurf zu schreiben. Wir gehen Schritt für Schritt durch die Gliederung eines gelungenen Entwurfs und geben praxisnahe Tipps, damit Sie sich beim Planen Ihrer Stunden sicherer fühlen.
Hier möchten wir Ihnen Tipps und Strategien an die Hand geben, wie Sie Ihre Unterrichtsvorbereitung optimieren können und einen erfolgreichen Start ins Lehrerleben schaffen.
Die Lehrproben sind im Referendariat Stress-Höhepunkte, die wir nicht herunterspielen wollen, aber durch ein paar Tipps hoffentlich etwas erleichtern können.
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Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: