Typische Fehler und wie man sie vermeidet
Auch mit bester Vorbereitung läuft nicht immer alles perfekt, das ist völlig normal. Viele Referendarinnen und Referendare machen bei Unterrichtsbesuchen ähnliche Fehler. Wenn Sie diese Punkte im Blick behalten, können Sie sie leicht vermeiden:
1. Zu viel Inhalt einplanen
Weniger ist hier mehr: Häufig wird versucht, in einer Stunde möglichst viel unterzubringen. So fehlt häufig die Zeit für die Sicherung, was von den Evaluierenden negativ bewertet wird. Konzentrieren Sie sich lieber auf ein klar umrissenes Thema mit nachvollziehbaren Lernzielen. So bleibt genug Zeit für Vertiefung und Schüleraktivität.
Tipp
Plan B parat haben
Sollte doch der seltene Fall eintreten, dass Zeit übrig ist, sollten Sie immer einen Plan B vorbereitet haben. Zum Beispiel eine kurze Vertiefungsaufgabe, eine passende Wiederholungsfrage oder ein kurzes Spiel. So bleiben Sie handlungsfähig und wirken gut vorbereitet, selbst wenn der Ablauf einmal anders verläuft als geplant.
2. Selbstkritik während des Unterrichts
Wenn Sie sich während der Stunde ständig fragen, wie Ihr Unterricht gerade wirkt, verlieren Sie schnell den Blick für das Wesentliche. Bleiben Sie bei der Klasse, reagieren Sie auf Ihre Schülerinnen und Schüler. Reflexion kommt danach.
3. Unklare Zielsetzung oder fehlende Struktur
Ein roter Faden ist entscheidend. Achten Sie darauf, dass Ihr Unterrichtsentwurf klar aufgebaut ist und die Lernziele für alle Beteiligten nachvollziehbar sind.
4. Fehlender Blick für Reaktionen der Schülerinnen und Schüler
Auch wenn Sie einen Plan haben: Beobachten Sie Ihre Schülerinnen und Schüler genau. Wenn etwas nicht funktioniert, passen Sie den Ablauf flexibel an. Spontane Anpassungen zeigen, dass Sie professionell auf die Lerngruppe reagieren können.
5. Von der Methode aus planen
Wählen Sie Ihre Methoden gezielt so, dass sie das Erreichen des Lernziels unterstützen. Überlegen Sie, welche Sozialform und Arbeitsweise am besten dazu passt – nicht jede Methode eignet sich für jedes Ziel.
6. Zeit aus den Augen verlieren
Behalten Sie während der Stunde die Uhr im Blick und machen Sie sich bereits im Vorfeld für jede Phase klare Zeitmarker. So verhindern Sie, dass wichtige Elemente wie Erarbeitung oder Sicherung zu kurz kommen und sorgen für einen strukturierten, gut getakteten Ablauf. Wenn es keine Wanduhr im Zimmer gibt, können Sie eine Uhr auf das Pult stellen, um nicht ständig einen Blick auf die Armbanduhr werfen zu müssen.
FAQ: Der Unterrichtsbesuch im Referendariat
Was ist ein Unterrichtsbesuch?
Ein Unterrichtsbesuch (UB) ist eine geplante Unterrichtsstunde, bei der Ausbildende den Unterricht beobachten. Anschließend reflektieren und bewerten sie ihn gemeinsam mit der Lehrkraft.
Wer nimmt an einem Unterrichtsbesuch teil?
Neben der Referendarin/dem Referendar sind in der Regel die Fachseminarleitung, die Mentorin/der Mentor und evtl. Personen der Schulleitung und der Fachleitung dabei.
Wie oft finden Unterrichtsbesuche statt?
Das ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Üblicherweise finden pro Fach 3 bis 5 Unterrichtsbesuche statt.
Was ist das Ziel eines Unterrichtsbesuchs?
UB dienen der professionellen Weiterentwicklung. Durch das fachliche und pädagogische Feedback der Personen, die den Unterricht beobachten, sowie der eigenen kritischen Reflexion, erhalten Sie die Möglichkeit, Ihre Unterrichtskompetenz mit Blick auf Didaktik, Methodik und Pädagogik zu verbessern.
Wie läuft ein UB ab?
- Vorbereitung: Thema finden, Recherche, Zielsetzung festlegen, Stundenverlaufsplan und Unterrichtsentwurf erstellen, Materialien vorbereiten.
- Durchführung: Halten der vorbereiteten Stunde. Diese wird beobachtet und bewertet.
- Nachbesprechung: Reflexion und Feedbackgespräch – was lief gut, wo gibt es Entwicklungspotenzial?
Was wird beobachtet?
Im Zentrum der Beobachtung und Bewertung stehen häufig folgende Punkte:
- Klassenführung (auch im Hinblick auf den Umgang mit Unterrichtsstörungen)
- Unterrichtsklima
- Motivierung
- Struktur
- Zielorientierung
- individuelle Unterstützung der Lernenden
- selbstständiges Lernen
- Unterrichtsformen
- Lernerfolgssicherung