Tod einer Lehrkraft
Wenn eine Lehrerin oder ein Lehrer stirbt, sollten die Schülerinnen und Schüler zeitnah, offen und verständlich informiert werden.
Auch in dieser Situation sollten Sie der Klasse Zeit geben, die Information auf ihre Art zu verarbeiten. Wenn die Klasse dazu bereit ist, können Sie eine Gesprächsrunde anbieten. Fragen Sie z.B., was die Schülerinnen und Schüler beschäftigt, ob sie Fragen haben, wie gut sie die verstorbene Person gekannt haben, welche Gedanken sie nun beschäftigen.
Wenn die Klasse der Lehrkraft sehr nahestand, bieten sich auch hier einige der oben genannten Abschiedsrituale für den Umgang mit der Trauer an. Vielleicht möchten sie z. B. ein Erinnerungsbuch für die Familie gestalten oder sich in ein Kondolenzbuch eintragen.
Vergessen Sie bei aller Fürsorge für Ihre Schülerinnen und Schüler sich selbst nicht. Auch Sie trauern und müssen den Todesfall verarbeiten. Sprechen Sie, um sich zu entlasten, z. B. mit Kolleginnen und Kollegen, wie das Gespräch mit der Klasse gelaufen ist, wie Sie sich fühlen und welche Gedanken Sie haben.
Präventive Behandlung der Themen Tod und Trauer in der Schule
Die Kinder lernen durch die Beschäftigung mit dem Thema,
- dass Sterben und Tod zum Leben dazugehören und wir alle irgendwann damit in Kontakt kommen.
- offen und ohne Tabus über den Tod zu sprechen.
- ihre eigenen Erfahrungen mit dem Tod zu reflektieren.
Sollte es zu einem Todesfall in der Schulgemeinschaft kommen, hilft es den Schülerinnen und Schülern, sich bereits einmal mit der Frage nach dem Tod auseinandergesetzt zu haben.
Um eventuelle Bedenken seitens der Eltern ernst zu nehmen, sollten Sie sie transparent über die geplanten Inhalte informieren.
Wie die Themen Sterben und Trauer im Unterricht thematisiert werden können, hängt natürlich vom Alter der Kinder ab. Auch Grundschulkinder beschäftigen sich mit dem Tod und haben viele Fragen. Wichtig ist natürlich auch eine gute eigene Vorbereitung. Geeignete Materialien für die Sekundarstufe finden Sie z. B. bei der DGUV. Sie können sich aber auch Unterstützung von außen suchen. Eine Möglichkeit dazu bieten die Projekte „Hospiz macht Schule“ und „Hospiz macht Schule weiter“ über die ich mit meiner Kollegin Petra Harsch-Mohr sprechen möchte:
Liebe Petra, du hast an dem von der Bundes-Hospiz-Akademie koordinierten Projekt „Hospiz macht Schule weiter“ mitgewirkt. Kannst du uns erzählen, was es damit auf sich hat?
„Hospiz macht Schule weiter“ ist ein Projekt, das sich an Haupt- und Ehrenamtliche in der Hospiz- und Palliativarbeit wendet, mit dem Ziel, Schulen und Berufsschulen dabei zu unterstützen, ein eigenes Kriseninterventionsteam vor Ort zu etablieren. Das Projekt eröffnet für Schulen also die Möglichkeit einer Präventionsarbeit für den Umgang mit Sterben, Tod und Trauer. Es wird bundesweit durchgeführt und auf die Schulen kommen keine Kosten zu.
Ist das Projekt auch für Grundschulen geeignet?
Das Projekt gibt es auch für Grundschulen. Dort heißt es „Hospiz macht Schule“. Hier wird speziell auf Kinder bis etwa 10/11 Jahren eingegangen. Das Projekt „Hospiz macht Schule weiter“ richtet sich an weiterführende Schulen und Berufsschulen.
Die Zielsetzung bei „Hospiz macht Schule weiter“ ist v. a. die Einsetzung eines Kriseninterventionsteams, während es an der Grundschule mehr um das Sensibilisieren für die Themen Verlust, Trauer und Tod geht.
An wen wende ich mich, wenn ich das Projekt durchführen möchte?
Hauptansprechpartner sind die ambulanten Hospizdienste für die weiterführenden Schulen oder der Kinderhospizdienst für die Grundschulen.
Gehen wir von „Hospiz macht Schule weiter“ aus. Wie läuft das Projekt ab?
Das Projekt ist auf ein Jahr mit etwa acht bis zehn Terminen angelegt, zu denen der „Hospiz macht Schule weiter“-Koordinator an die Schule kommt.
Der erste Teil ist eine Lehrerfortbildung als Tagesveranstaltung. Hier wird das Thema Trauer allgemein und speziell auf Jugendliche bezogen, betrachtet und wie sich Trauer auswirken kann. Es wird besprochen, wie das bestehende Krisenteam der Schule, das ja jede Schule für Krisensituationen vorhalten muss, aufgestellt ist und wo die Schule vielleicht noch Unterstützung benötigt. Gemeinsam wird eine individuell auf die Schule abgestimmte Konzeption entwickelt.
Im zweiten Teil wird für die Eltern ein Infoabend angeboten, um vorzustellen, was mit den Schülerinnen und Schülern geplant ist. Die Eltern mit ins Boot zu holen ist wichtig. Bleiben Bedenken unbesprochen, kommt man mit den Kindern oft schwieriger ins Thema.
Im nächsten Schritt wird eine Arbeitsgruppe mit Lehrerinnen und Lehrern installiert, die sich bereit erklären, mit diesem Thema zu arbeiten. Obwohl es zum Leben gehört, sind Sterben und Tod sensible Themen und nicht jeder möchte sich damit auseinandersetzen.
Erst dann geht es an das eigentliche Schülerprojekt. Das Projekt läuft vormittags über eine ganze Woche. Die ersten drei Tage findet es ohne Lehrerinnen und Lehrer statt. Man hat festgestellt, dass die Kinder und Jugendlichen offener reden, wenn die Lehrkraft, die sie ja benotet, nicht dabei ist. Am ersten Tag geht es v. a. darum, was die Schülerinnen und Schüler schon wissen und welche Erfahrungen sie mit Sterben und Tod haben. Unbewusst sehen sie über das Fernsehen, Zeitungen, PC-Spiele oder das Internet bis zu 100 Tode pro Tag. Sie werden also so nebenbei ständig mit dem Tod konfrontiert. Das Projekt soll dieses einseitige Bild, das Kinder und Jugendliche von Tod und Sterben haben, aufbrechen, mehr an die eigene Welt andocken und sie dafür sensibilisieren.
Man kann das Projekt aber eigentlich nicht auf Sterben und Tod reduzieren. Es geht im Prinzip um das ganze Thema „Verlusterfahrungen“ und ist damit eine Vorbereitung auf das Leben, zu dem Verlust und Trauer dazugehören. Kinder erleben das z. B. beim Tod eines Haustiers oder wenn sich die Eltern trennen. Auch die Trennung von Freunden in der Corona-Zeit ist ein Verlustprozess.
An den Grundschulen läuft das Projekt kürzer und auch nicht den gesamten Vormittag, weil die Aufmerksamkeitsspanne eine andere ist. Auch inhaltlich gibt es natürlich Unterschiede. Während es mit den Älteren mehr in die Tiefe geht und auch Selbsterfahrungsübungen durchgeführt werden, ist es an der Grundschule mehr ein Heranführen an das Thema.
Wann wird das Projekt üblicherweise durchgeführt?
Das Thema „Tod“ ist meist im Religions- bzw. Ethikunterricht der 9. Klassen verankert. Oft kommen Schulen deshalb zu diesem Anlass auf den Hospizdienst zu. Oder Schulleitungen fragen aufgrund eigener Betroffenheit durch einen Trauerfall danach. Das Projekt kann nur eine Person durchführen, die die Qualifizierung gemacht hat. Hat ein Hospizdienst vor Ort kein geeignetes Personal, wird oftmals mit den Nachbarhospizdiensten kooperiert, damit das Projekt gleich starten kann.
Warum ist es aus deiner Sicht wichtig, sich auch in der Schule mit den Themen Sterben und Trauer auseinanderzusetzen?
Kinder und Jugendliche verbringen heute fast mehr Zeit in der Schule als zuhause. Schulen können deshalb einen wertvollen, präventiven Beitrag zu diesem Lebensthema leisten. Denn man kann, egal in welchem Alter, ja nicht ausschließen, dass sie Verlusterfahrungen machen. Hier besteht die Möglichkeit, die Themen Tod und Sterben zu enttabuisieren, was für die Verarbeitung wichtig ist. Schülerinnen und Schüler gehen auch viel unverkrampfter mit dem Thema um und sind daran auch sehr interessiert.
Für jede Schule, die sich mit Trauer und Tod auseinandersetzt, ist es ein Mehrwert. Kommt es im Umfeld der Schülerinnen und Schüler zu einem Trauerfall, müssen sie irgendwann wieder an die Schule. Geschulte Lehrerinnen und Lehrer können die Kinder dann besser auffangen.
Über Petra Harsch-Mohr