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Schüler diskutieren

Langzeit-Projekt: Schülerfirma

Gründung einer Schülerfirma: Wirtschaftliche Zusammenhänge in der Praxis erleben und besser verstehen

Selbst als Unternehmer agieren und wirtschaftliche Zusammenhänge spielerisch und praxisnah kennenlernen – das bietet das Schulprojekt „Schülerfirma“

Erlebnis „Schülerfirma“

Schülerfirmen werden v. a. an weiterführenden Schulen ab der Sekundarstufe I gegründet. Es gibt vereinzelt aber auch Grundschüler, die schon als Unternehmer aktiv werden.

Je jünger die Schüler sind, umso mehr Unterstützung benötigen sie von den betreuenden Lehrerinnen und Lehrern. Spezielle Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Die Schüler erarbeiten sich das nötige Know-how im Rahmen des Projekts.

Besonders in der Gründungsphase sind die Jungunternehmerinnen und -unternehmer deshalb auf Hilfe und Tipps von Lehrerinnen und Lehrern angewiesen, die sie als Mentoren unterstützen. Damit das Projekt ein Erfolg wird, ist viel Engagement von allen Beteiligten nötig.

Die Schülerfirma – ein Langzeit-Projekt

Anders als die meisten anderen Schulprojekte ist die Dauer nicht auf Tage oder Wochen, sondern auf mehrere Monate angelegt. Oft wird das Projekt „Schülerfirma“ über ein gesamtes Schuljahr oder länger betrieben.

Schülerfirmen können Teil des Wirtschaftsunterrichts sein (oft in Kombination mit weiteren Fächern) oder werden als freiwillige Projekte und Neigungsangebote zusätzlich zum Unterricht angeboten. Mancherorts entstehen sie auch rein aus Schülerinitiative. Betreuende Lehrkräfte sind aber auch in diesem Fall wichtig. Sie übernehmen die pädagogische Begleitung, haben die rechtliche Seite im Blick und beaufsichtigen die Schüler.

Manche Schülerfirmen kommen so gut an, dass sie von nachfolgenden Schülergenerationen weitergeführt werden oder von den Schülern zu richtigen Unternehmen transformiert werden. Grundsätzlich haben Schülerfirmen natürlich aber v. a. einen pädagogischen Charakter und sollten eine pädagogische Zielsetzung verfolgen.

Bevor es losgehen kann

Um rechtlich abgesichert zu sein, sollte die Schülerfirma durch die Schulleitung als schulische Veranstaltung genehmigt werden. Es gibt aber auch die Möglichkeit, die Schülerfirma als Projekt externer Institutionen durchzuführen, wobei deren Versicherungs-Regelungen zu beachten sind. So abgesichert gelten für Schülerfirmen viele Vereinfachungen und Privilegien, was v. a. die rechtlichen Vorgaben, Steuern und Versicherungen betrifft.

Schüler diskutieren

Bevor es losgehen kann, müssen sich die Schüler mit einigen Fragen zu ihrem gepanten Firmenprojekt befassen.

Wichtig ist dabei, dass die Schülerfirma immer als solche erkennbar ist und mit ihren Produkten nicht in mit tatsächlich bestehenden Firmen in Konkurrenz tritt.

Darüber hinaus sollte bei minderjährigen Schülern das Einverständnis der Erziehungsberechtigten eingeholt werden.

Wie bei der Gründung und Umsetzung eines realen Unternehmens, müssen die Schüler verschiedene Punkte beachten. Hier nur einige Aspekte davon:

  • Welche Produkte oder Dienstleistungen soll die Schülerfirma anbieten?
    Bei den Überlegungen sollte der Aspekt der Nachhaltigkeit beachtet werden, d. h., werden die Produkte fair gehandelt und inwieweit kann eine Belastung der Umwelt minimiert werden? Bei Nahrungsmitteln können sich die Schüler auf gesunde Varianten spezialisieren. Im Prinzip ist dabei aber alles möglich: von Möbeln, Technik, selbst entwickelten Apps oder Büchern bis hin zu Dienstleistungen ist der Kreativität der Schüler keine Grenze gesetzt.
  • Welche Materialien und Räumlichkeiten werden zur Produktion und zum Vertrieb benötigt?
  • Wie soll die Firma heißen und wer gestaltet ein Logo?
  • Welches ist die passende Rechtsform für die Firma?
  • Welche Zielgruppe wird angesprochen? Sind ausreichend Kunden zu erwarten?
  • Wo soll das Produkt verkauft werden? Nur an der Schule oder online?
  • Wie viel Startkapital ist nötig und wie wird es gewonnen?
  • Was muss bei der Preisgestaltung beachtet werden?
  • Was passiert mit den Einnahmen? Viele Schülerfirmen entscheiden sich, die Gewinne zu spenden.
  • Wie viele Angestellte braucht die Firma und wer macht was?
  • Was sind die Aufgaben von Einkauf und Produktion?
  • Wer kümmert sich um die Buchhaltung und behält die Einnahmen und Ausgaben im Blick?
  • Wie kann das Produkt beworben werden?
  • Wie kann das Produkt verbessert werden?
  • Am Ende eines Kalender- oder Schuljahres sowie zum Ende des Projekts sollte ein Bericht angefertigt werden, der Informationen, wie z. B. Gewinne, erreichte Ziele und sonstige Entwicklungen der Schülerfirma, dokumentiert und auswertet. Hier sollten die Schüler ihre Arbeit reflektieren und zeigen, welche Lernerfolge sie erzielt haben.

Sehr ausführlich und gelungen umreißt die Online-Broschüre „Firmensitz 9b. In zehn Schritten zur Schülerfirma“ alle wichtigen Punkte, die bei der Gründung einer Schülerfirma beachtet werden sollten.

Nach Projektende können die Schüler eine Urkunde oder einen Zeugniseintrag erhalten, die ihnen die Mitwirkung an der Schülerfirma bestätigt.

Ziele einer Schülerfirma

Trotz des Zeit- und Arbeitsaufwands lohnt sich die Gründung einer Schülerfirma. Hier zeigen wir warum:

Das Projekt „Schülerfirma“ bietet als handlungsorientierte Methode einige Vorteile:

Die Schüler

  • lernen Verantwortung zu übernehmen.
  • verwirklichen ihre eigenen Ideen und können ihre Kreativität ausleben.
  • handeln selbstständig und lernen aktiv.
  • bleiben bei ihren Unternehmungen innerhalb einer sicheren Umgebung.
  • lernen wirtschaftliche Zusammenhänge kennen und verstehen und erwerben wirtschaftliches Grundwissen.
  • reflektieren Gesetzmäßigkeiten einer auf Wettbewerb ausgerichteten Wirtschaft.
  • betrachten diese neben wirtschaftlichen auch unter sozialen und ökologischen Aspekten.
  • lernen das Arbeitsleben und Arbeitsprozesse kennen.
  • trainieren problemlösendes Denken anhand authentischer Situationen.
  • lernen durch den Praxisbezug und die Anwendung besonders nachhaltig.
  • üben sich in Teamfähigkeit und lernen sachlich zu kommunizieren.

Infoquellen

Wenn Sie mit Ihren Schülern nun eine Schülerfirma gründen möchten, erhalten Sie hier weitere Informationen:

  • Das Portal „Unternehmergeist in die Schulen“ bietet u. a. eine Übersicht über die verschiedenen Initiativen, die Schüler bei der Umsetzung von Wirtschaftsprojekten unterstützen.
  • Das „Fachnetzwerk Schülerfirmen“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bietet viele Infos rund um das Thema „Schülerfirma“. Außerdem bietet das Fachnetzwerk eine individuelle Beratung, Unterstützung für Lehrkräfte und die Möglichkeit, sich mit anderen Schülerfirmen zu vernetzen.
  • Die Institut der deutschen Wirtschaft Köln JUNIOR gGmbH bietet Programme für Schüler verschiedenen Alters.
  • Neben einem Angebot an Materialien ermöglicht die NaSch-Community (Netzwerk für Nachhaltige Schülerfirmen) Schülern von den Erfahrungen anderer Schülerfirmen zu profitieren und in den Austausch mit diesen zu treten.
  • Der Bundes-Schülerfirmen-Contest ist ein jährlich ausgeloster Wettbewerb. Hier können sich Schülerfirmen mit einem Firmen-Profil anmelden. Mittels eines Online-Votings werden die Gewinner ermittelt.

 

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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