Was ist sprachsensibler Fachunterricht?
Sprachliche Bildung sollte nicht nur im Fach Deutsch beziehungsweise Deutsch als Zweitsprache (DaZ) stattfinden. Auch in anderen Unterrichtsfächern (bspw. Geografie, Natur und Technik usw.) sollten sich unsere Schülerinnen und Schüler ganz bewusst mit der Fachsprache auseinandersetzen, damit sie dem Unterrichtsgeschehen folgen können.
In einem sprachsensiblen Fachunterricht werden demnach fachsprachliche Kompetenzen vermittelt, die wichtig sind, um den Unterrichtsgegenstand des Faches zu verstehen, zu reflektieren und anzuwenden.
Ein Unterricht, der sprachsensibel ist, stellt also ganz bewusst die Sprache in den Fokus, sodass unseren Sprachlernerinnen und -lernern fachliches Lernen leichter fällt, denn oftmals scheitert es gerade in Sachfächern nicht am nötigen Fach-, sondern am mangelnden Sprachverständnis.
Was genau macht die Fachsprache so schwierig?
Damit Sie Ihren Fachunterricht sprachsensibel gestalten und anbieten können, empfehle ich Ihnen, sich vorab mit der sprachlichen Komplexität der Fachsprache zu beschäftigen. Es geht nämlich nicht nur darum, dass der Fachwortschatz schwieriger ist als der Alltagswortschatz, zusätzlich gibt es noch zahlreiche weitere sprachliche Merkmale, die zwar auch Teil der Allgemeinsprache sind, in Fachtexten aber besonders häufig auftreten.
Dazu zählen unter anderem diese:
- Fremdwörter und Abstrakta
- Nominalisierungen (z. B. beim Einfrieren, beim Erhitzen, beim Auspressen)
- Gebrauch von Genitiven (z. B. der Schnabel des Vogels, der Stängel der Blume, Feinde des Schmetterlings)
- Adjektive, die nicht oft im Alltag gebraucht werden (z. B. ätzend)
- Komposita (z. B. Federkleid, Ameisenhügel)
- Häufiger Gebrauch von Passivformen
- Imperativformen (z. B. stellt euch vor, bedenke)
- Wörter, die logische Verknüpfungen signalisieren (z. B. demnach, folglich)
- Verschachtelte Satzstrukturen, die das Verständnis enorm erschweren
- Wörter mit mehreren Bedeutungen (z. B. brennen: die Glühbirne brennt, Alkohol brennen, Kalkbrennen, Brennstäbe)
- Fachtexte sind meist unpersönliche Texte
- Verwendung unterschiedlichster Darstellungsformen (z. B. Formeln, Tabellen, Grafiken)
Methoden für einen gelingenden sprachsensiblen Fachunterricht
Grundsätzlich gilt, dass sprachsensibler Unterricht gewinnbringender und effektiver ist, wenn Sie den Sprachstand Ihrer Lerner und Lernerinnen kennen. Sie können selbst Tests zur Diagnose des Sprachstands durchführen oder womöglich kann Ihnen die Klassenleitung Ihrer DaZ-Lerngruppe Auskunft geben.
Die Auswahl des Textes für Ihren Fachunterricht
Im Fachunterricht wird meist mit Informationstexten gearbeitet. Dabei gibt es bereits vorgefertigte Texte (beispielsweise von Lehrwerken oder anderen DaZ-Fachbüchern), an denen wir Lehrkräfte uns gerne orientieren – was auch absolut in Ordnung ist. Wie man so schön sagt, muss „das Rad nicht immer neu erfunden werden“.
Passt dieser Text jedoch nicht zum aktuellen Sprachstand Ihrer Sprachlernerinnen und -lerner, besteht für Sie jederzeit die Möglichkeit, den Text anzupassen. Achten Sie beim Einsatz von Fachtexten also auf die Passgenauigkeit.
Damit gemeint ist Folgendes:
- Eine verhältnismäßige Länge des Textes – nicht zu lang und nicht zu kurz, sodass eine Über- oder Unterforderung vermieden werden kann.
- Achten Sie darauf, dass keine überflüssigen Informationen im Text enthalten sind, die ihn nur unnötig lang machen – geben Sie Ihren Sprachenlernern wirklich nur die wichtigsten Informationen an die Hand.
- Einheitlicher Gebrauch von Fachbegriffen – die vorentlasteten Wörter sollten sich 1:1 im Text wiederfinden.
- Zielführend sind Beispiele, an denen der Sachverhalt gut zu erkennen ist. Je nachdem, um welche Thematik es sich handelt, sind ein bis zwei Beispiele absolut ausreichend.
- Vergessen Sie auch nicht das Alter Ihrer Lerngruppe – nicht jeder Text eignet sich für jede Altersstufe.
- Zudem sind eine klare Struktur und ein erkennbarer roter Faden angenehmer für die Lerner.