Schwierigkeiten bei der Vermittlung:
Wie wichtig das Mittel der Visualisierung gerade im Fach Mathematik mit seinen meist abstrakten Inhalten ist, wurde längst erkannt. Im Grundschulbereich gibt es inzwischen zahlreiche
Mathematik-Lehrmittel, die den Lernstoff veranschaulichen. Ein Problem hier besteht darin, dass das Fach auch auf Grundschulniveau fachdidaktisches und fachliches Wissen erfordert, inzwischen aber häufig fachfremd unterrichtet wird.
In den höheren Klassen sind Visualisierungen und Antworten auf die Frage „Wozu brauche ich das später?“ dagegen noch immer rar. Digitale Möglichkeiten springen hier in die Bresche, werden aber noch selten genutzt. Auch die Anknüpfung an die Realität durch Alltagsbezüge kann das Verständnis fördern.
Mathelehrerinnen und -lehrer, die ja meist gemeinsam mit Fachmathematikern ausgebildet werden, fällt es nicht immer leicht, den Stoff verständlich, anschaulich und lebendig aufzubereiten. Die Gefahr besteht dann, dass Schüler zwar lernen, Formeln und Lösungswege auswendig zu lernen, aber ohne die Hintergründe zu verstehen.
Klar muss aber auch sein, dass die Voraussetzungen für eine optimale Vermittlung längst nicht immer gegeben sind. Kurz gesagt: Es sind meist zu viele Schüler und zu wenig Zeit.
Schlechte Erfahrungen:
Auch Mathelehrerinnen und -lehrer können unbewusst die Angst vor ihrem Fach begünstigen.
Eine Situation, die für viele Schüler unangenehm ist, ist z. B. das Vorrechnen an der Tafel. Ein ironischer Spruch in dieser Situation, der für Gelächter bei den Mitschülern sorgt, kann dazu führen, dass sich der Schüler an der Tafel bloßgestellt fühlt. Solche und ähnliche Ereignisse können eine Abneigung gegen den Matheunterricht begründen. Schon kleine Blamagen vor den Mitschülern oder Kränkungen durch einen Lehrer können die Basis für eine Matheangst legen.
Einer meiner Mathelehrer hat die Reihe der Schüler, die an die Tafel mussten, immer unterbrochen, wenn schwache Schüler an der Reihe gewesen wären. Vielleicht war das nett gemeint (oder er wollte den Unterricht nicht für längere Erläuterungen unterbrechen), aber angekommen ist, dass man von vornherein als nicht gut genug abgestempelt wurde. Motivierend war das nicht.
Manchmal sind sich Lehrerinnen und Lehrer nicht ausreichend über den Einfluss, den sie auf Schüler haben, bewusst (mein Musiklehrer in der 5. Klasse verleidete mir nachhaltig das Singen, indem er allen Schülern, die im Vorsingen vor der Klasse schlechter als eine Drei waren, das Mitsingen einiger Lieder mit der übrigen Klasse verbot). Es ist deswegen wichtig, das eigene Handeln und den Einsatz von ironischen Bemerkungen immer wieder kritisch zu hinterfragen.
Panik schürt Panik:
Je mehr Angst die nächste Mathestunde oder Klassenarbeit auslöst, umso schlechter sind wir dazu in der Lage, gute Leistungen zu erbringen. Der durch die Situation ausgelöste Stress blockiert das Gehirn und das Lösen der Aufgaben wird praktisch unmöglich. Unruhige Nächte vor Prüfungen verstärken die dadurch schlechten Erfolgsaussichten zudem. Blackouts bei den einfachsten Fragen sind eine Folge und die Panik vor der nächsten Arbeit wird umso größer.
Wie können Sie Schülern mit Mathe-Ängsten helfen?
Stellen Sie fest, dass in Ihren Klassen auch einige Schüler mit Angst vor Ihrem Fach und speziell den Prüfungen sitzen, können Sie ihnen helfen, diese möglichst klein zu halten.
Was steckt hinter schlechten Mathe-Noten:
Ist einer Ihrer Schüler in Mathe schlecht, kann es helfen, das Gespräch zu suchen und nach dem Grund für die schlechten Leistungen zu fragen. Hat er vielleicht gerade ganz andere Probleme, kann er das Tempo der Vermittlung nicht mithalten oder schleppt er schon länger eine Matheangst mit sich herum? Mit dem Wissen, was hinter den schlechten Noten steckt, können Lösungen erarbeitet werden.
Mathe-Wissen nacharbeiten:
Da die Panik vor einem Fach häufig dazu führt, dass sich Schüler möglichst wenig damit befassen wollen, sind sie mit dem Unterrichtsstoff meist im Rückstand. Anders als bei manchen anderen Fächern, kann man beim nächsten Thema in Mathe nicht einfach einen Neustart hinlegen. Die verpasste Basis muss nachgeholt werden.
Zielführend ist deshalb eine individuelle Förderung der betroffenen Schüler. Als Lehrkraft können Sie das unterstützen, aber, bei größerem Nachholbedarf, nicht alleine parallel zum Unterricht leisten.
Gemeinsam mit den Eltern und dem Schüler können Sie über Nachhilfe-Optionen sprechen.
Am besten soll nach einer
Studie, die von Wissenschaftlern der Stanford University 2015 veröffentlicht wurde, individuell abgestimmter Einzelunterricht gegen Matheängste helfen. Gehirnscans bestätigten, dass der Förderunterricht nicht nur die Leistungen verbesserte, sondern auch die Ängste minderte.