Beispiel-Route für die Loci-Methode
Schülerförderung
Veröffentlichung: 08.06.2023

Mnemotechnik: Lernen mit der Loci-Methode

Die Einübung von Kompetenzen spielt im Unterricht eine immer größere Rolle. Dennoch müssen sich die Schülerinnen und Schüler auch Fakten, Daten, Vokabeln oder Formeln merken, um ihre Lernziele erreichen zu können. Eine der effektivsten Lerntechniken, um sich Informationen nachhaltig einzuprägen, ist die Loci-Methode, die auch als Routen-Methode bekannt ist.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Was ist die Loci-Methode?

Die Loci-Methode ist eine Mnemotechnik bzw. Merktechnik, die sich das räumliche Erinnerungsvermögen zunutze macht. Die zu merkenden Begriffe werden mit Orten (lat. loci) auf einer Route, z. B. durch die eigene Wohnung, verknüpft. Mit der Methode ist es möglich, sich eine Reihenfolge von Informationen zu merken.

Welchen Vorteil haben Mnemotechniken für den Unterricht?

Unserem Gehirn fällt es schwer, sich schnell mehrere unzusammenhängende Begriffe oder Zahlen zu merken. Durch die Verknüpfung mit Bildern und Orten wird es leichter. Mit Mnemotechniken, wie der Loci-Methode, können Kinder lernen, wie sie sich Sachverhalte leichter, schneller und nachhaltiger merken können.

Der Start ist oft holprig und es wird zunächst mehr Zeit benötigt, um sich Informationen zu merken. Je mehr Übungen die Kinder aber machen und die Technik verinnerlichen, desto sicherer und schneller können sie ihre Gedächtnisleistung steigern. 

Sie können bereits in der Grundschule damit beginnen, die Methode mit einer kleinen Anzahl von Begriffen einzuführen. 

Vorteile der Loci-Methode:

  • Kein Merkzettel mehr nötig, der in Tests ohnehin nicht erlaubt wäre.
  • Geübte Personen können sich Sachverhalte schneller merken.
  • Wer die Routen wiederholt, lernt die Inhalte nachhaltig.
  • Einmal verinnerlicht, ist die Methode leicht und überall einsetzbar
  • Beim Erstellen der Routen wird der Lernstoff strukturiert.

Wie funktioniert die Loci-Methode?

Informationen in 5 Schritten merken:

  1. Assoziationen finden

    Zunächst ist es hilfreich, Assoziationen zu den Informationen zu finden, die man sich merken möchte. Gute Assoziationen klingen so ähnlich wie das eigentliche Wort, sehen ähnlich aus oder verknüpfen es mit persönlichen Erinnerungen und Emotionen.
  2. Ort für die Route festlegen

    Der Ort für die Route kann ein Zimmer in der eigenen Wohnung, ein Ort aus einer Serie oder einem Computerspiel, der Schulweg oder der eigene Körper sein. Auch zeitliche Routen, wie Wochentage oder Monate, sind möglich. Wichtig ist, dass man mit dem Ort gut vertraut ist und Details kennt, die als Ankerpunkte fungieren können.
  3. Ankerpunkte wählen

    Welche Punkte auf der Route sind besonders einprägsam? In einem Zimmer können das beispielsweise ein Schrank, eine Kommode, ein Bett und ein Spiegel sein. Auf dem Schulweg ein großer Baum, die Bäckerei, der Zebrastreifen und ein auffälliges Haus. Die Punkte sollten in der Reihenfolge gemerkt werden, in der man sie passiert. 
  4. Orte mit Assoziationen verknüpfen

    Nun müssen die Assoziationen mit den Routenpunkten verbunden werden. Unser Gehirn kann sich absurde Bilder besonders gut merken. Es schadet also nicht, wenn auf dem Weg ein Elefant auf dem Klo sitzt und ein Fahrrad in der Bäckerei ein Brot kauft. 
  5. Wiederholen

    Um alles möglichst gut zu verinnerlichen, sind Wiederholungen in langsam größer werdenden Abständen sinnvoll (wie bei der „Spaced Repetition-Methode“).
Info

Gedächtnispalast

Die Loci-Methode ist die Basis für den Gedächtnispalast, einer weiteren Mnemotechnik, die vielen aus der Serie „Sherlock“ bekannt ist, in der der Detektiv die Technik nutzt, um seine Fälle zu lösen. Beide Techniken beruhen darauf, Informationen mit Orten zu verknüpfen.

Anders als bei der Loci-Methode handelt es sich aber nicht um reale Orte, an denen die Informationen entlang einer Route abgelegt werden. Jeder kann seinen eigenen individuellen Gedächtnisplast errichten. Den Räumen ordnet man den Lernstoff thematisch zu. Es können beliebig viele Räume angebaut werden, wodurch der Platz im Gedächtnispalast unbegrenzt ist. 

Beispiel für das Merken von Lernstoff mit der Loci-Methode

In unserem Beispiel wollen wir uns die 9 Bundeskanzlerinnen und -kanzler der Bundesrepublik Deutschland merken. 

Die Gedankenbilder sind immer individuell. Unsere Beispiele funktionieren nicht für alle. Jeder sollte seine eigenen Assoziationen finden.

  1. Zuerst suchen wir passende Assoziationen:

    Adenauer: Klingt so ähnlich wie „Flowerpower“. Wir stellen uns für das Assoziationsbild einen Hippie mit buntem Blumenshirt vor :D
    Erhard: Für Erhard merken wir uns „erhärtet“ und denken z. B. an eine Jacke, die hart wie Stein wird.
    Kiesinger: Unser Bild ist eine Gruppe, die auf einem Kieshaufen steht und ein Lied singt.
    Brandt: Hier stellen wir uns heißen Sand vor.
    Schmidt: Hier einen Mann, der ein Pferd beschlägt.
    Kohl: Das ist einfach: einen Blumenkohl.
    Schröder: Und hier Schroeder, der pianospielende Junge aus Peanuts.
    Merkel: Bei Merkel denken wir an „sternhell“ und stellen uns van Goghs Bild „Sternennacht“ vor.
    Scholz: Für Scholz merken wir uns eine kleine Figur aus Holz.
  2. Als Ort wählen wir das Wohnzimmer.

  3. Nun brauchen wir neun Ankerpunkte:

    Tür, Stehlampe, Wohnzimmertisch, Sofa, Bild, Kaminofen, Regal, Fernseher, Sessel.
  4. Diese verknüpfen wir mit den Assoziationen:

    Station 1: In der Wohnzimmertür begrüßt mich ein Hippie mit Blumenshirt. (Flowerpower-Adenauer)
    Station 2: Ich betrete das Zimmer und werfe meine Jacke über die Stehlampe. Die Jacke wird sofort hart wie Stein. (erhärtet-Erhard)
    Station 3: Auf dem Wohnzimmertisch steht eine Sängergruppe auf einem Kieshaufen. (Kies-Sänger-Kiesinger)
    Station 4: Ich setze mich auf das Sofa und bemerke den heißen Sand. (Sand-Brandt)
    Station 5: Über mir an der Wand hängt ein Bild, auf dem ein Hufschmied zu sehen ist.  (Schmied-Schmidt)
    Station 6: Ich gehe weiter zum Kaminofen und sehe, dass darin ein Blumenkohl liegt. (Blumenkohl-Kohl)
    Station 7: Im Regal sehe ich die Figur des pianospielenden Schroeders. (Schroeder-Schröder)
    Station 8: Im Fernseher ist gerade eine Dokumentation über van Goghs Bild „Sternennacht“ zu sehen. (sternhell-Merkel)
    Station 9: Und zuletzt fällt mir die Figur aus Holz in den Blick, die den aktuellen Bundeskanzler zeigt. (Holz-Scholz)
  5. Jetzt nur noch alles in wachsenden Abständen wiederholen.

Loci Methode: Beispiel
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