Ab welchem Alter können die Kinder mit den Übungen beginnen?
Es gibt bereits Bewegungsangebote zum Yoga für Babys mit ihren Müttern, für Kinder ab 6 Monaten, Toddler-Yoga für Kleinkinder, Kinderyoga in Kitas für die zwei- bis vierjährigen und für die Vorschüler.
Die gesetzlichen Krankenkassen bezuschussen Yoga für Kinder ab 6 Jahren zwei Mal im Kalenderjahr als Präventionsmaßnahme, durchgeführt von ausgebildeten Yogalehrern unter bestimmten Voraussetzungen.
Was kann Yoga für die Kinder bewirken?
Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Elemente des Yogas bei Kindern besonders gut auf die Entspannung, Konzentration und die motorischen Fähigkeiten wirken, eine bessere Körperhaltung bedingen und die Fähigkeit, das Gleichgewicht zu halten.
Die Übungen helfen, die Grob- und Feinmotorik der Kinder und ihre Koordinationsfähigkeit zu verbessern. Sie lernen, sich zu entspannen und ihre Emotionen zu kontrollieren.
Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Schlafprobleme, die bereits auftreten können, nehmen ab. Das Immunsystem wird gestärkt, die Durchblutung verbessert, es gibt positive Wirkungen auf Atmung und Lungen, Stoffwechsel und Verdauung.
Beim Yoga lernen die Kinder, ihre Körperempfindungen und Gefühle wahrzunehmen und auszudrücken. Das können sie auch bei den anderen Kindern beobachten. Im Kinderyoga mit allen Sinnen im Hier und Jetzt und bei sich zu sein und sich selbst zu fühlen, anstatt in ein bewertendes Miteinander zu gehen, ist das höchste Ziel.
Welche Vorteile können regelmäßige Kinderyogaeinheiten für den Unterricht haben?
Ich konnte einen großen Unterschied in den Yogastunden zwischen Kita-Kindern und den Schulkindern ab der ersten Klasse beobachten: Durch das lange Sitzen und Lernen sind einige Grundschüler in den Yoga AGs unruhiger, hibbeliger und manchmal auch unaufmerksamer als Kita-Kinder. In den Kitas sind zeitlich lange Phasen des freien Spiels, der Bewegung und Entspannung im Tagesablauf integriert, das fällt im Schulalltag plötzlich weg.
Yoga bietet Kindern einen idealen Ausgleich zu Stress, Bewegungsmangel und Kopflastigkeit, was im Schulalltag öfters auftritt. Nach Entspannung kann man sich bekanntlich besser konzentrieren.
Neben der Förderung auf körperlicher Ebene, wirkt Yoga auch auf geistiger Ebene. Das Zusammenspiel beider Gehirnhälften, Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und geduldige Ausdauer beim Lösen von schwereren Aufgaben werden durch Yoga verbessert.
Da in der Zukunft immer mehr Computer und die künstliche Intelligenz Aufgaben übernehmen werden, müssen ganz spezifische menschliche Fähigkeiten erhalten bleiben, um dann noch konkurrenzfähig zu sein – das sind Empathie und Kreativität. Beides wird durch Kinderyoga gefördert.
Übrigens entspannen die Lehrer bei den Yoga- und Achtsamkeitsübungen gleich mit.
Können die Übungen mit der gesamten Klasse gemacht werden oder sind kleinere Gruppen besser geeignet?
Einige Elemente des Yogas, wie z. B. Standpositionen, eingebettet in Lieder und Spiele, Atemübungen, geleitete Meditationen und Entspannungssequenzen mithilfe von autogenem Training, progressiver Muskelentspannung und kleinen Massagen, können als auflockernde Rhythmisierung von drei bis zehn Minuten im Klassenverband in die Unterrichtsstunde einfließen, um diese aufzulockern.
Als wöchentliche Kinderyoga AG empfiehlt sich, dass die Gruppengröße 15 Kinder nicht übersteigt. So eine AG ist meistens 45 Minuten lang.
Was benötigt man, um die Übungen durchzuführen?
Prinzipiell kann man große Teile des Yogarepertoires sofort und überall ohne Hilfsmittel durchführen: Im Klassenraum auf dem Sitzplatz oder stehend neben dem Tisch, draußen in Wartepausen – den Körper hat man ja immer dabei.
Wenn man Yoga mit Kindern als geschlossene Unterrichtseinheit durchführt, braucht man einen sauberen Raum, der nicht allzu viele Ablenkungsmöglichkeiten birgt.
Yogamatten sind zunächst noch nicht erforderlich. Hauptsache ist, jedes Kind hat einen Sitzplatz auf dem Boden, der durch eine Art Matte oder eine andere Sitzgelegenheit markiert wird. Der Boden rundherum wird auch genutzt.
Schön ist eine Art liebevoll gestaltete Mitte als Ankerpunkt, um die man mit den Kindern in Kreisform angeordnet sitzt. Frontalunterricht wird vermieden und eine kreative Gruppendynamik kann entstehen.
Zusätzlich empfiehlt sich noch der Einsatz von Yogakartensets, sodass die Kinder eine visuelle und kindgerechte Vorstellung über die Yogapositionen bekommen.
Besonders sinnvoll ist der zusätzliche Einsatz von yogischen Klanginstrumenten. Die Benutzung von Klangschalen, Kalimbas und Shantis ist für Erwachsene sehr leicht erlernbar. Die Klangschwingungen harmonisieren die Kinderkörper eindrucksvoll schnell, sodass Unterricht in yogischer Stimmung über die Yogazeit hinausgehen wird.
Zusatzmaterialien, wie Kissen, Decken, Blöcke und Gurte, wie man es aus dem Erwachsenenyogaunterricht kennt, sind für Kinderyogakurse eher nicht erforderlich.