7 häufige Missverständnisse
- „Hochbegabte Kinder haben immer gute Noten.“
Hochbegabte Schülerinnen und Schüler sind schulisch nicht zwingend erfolgreich, da Unterforderung oder fehlende Motivation den Lernerfolg beeinträchtigen können.
- „Hochbegabung zeigt sich nur in kognitiven Fächern.“
Hochbegabung kann sich auch in kreativen, sozialen oder musischen Fähigkeiten äußern.
- „Hochbegabte Kinder brauchen keine Unterstützung.“
Ohne gezielte Förderung können Frustration, Langeweile und soziale Probleme entstehen.
- „Hochbegabung ist leicht erkennbar.“
Sie wird oft übersehen, besonders bei Kindern, die sich an den Unterricht anpassen oder unauffällig bleiben.
- „Hochbegabte Kinder sind sozial unangepasst oder Einzelgänger.“
Zwar gibt es hochbegabte Kinder, die Schwierigkeiten im sozialen Umgang haben, aber viele sind gut integriert und verfügen über ausgeprägte soziale Kompetenzen.
- „Jungen sind häufiger hochbegabt als Mädchen.“
Hochbegabung ist geschlechtsunabhängig. Mädchen fallen jedoch oft weniger auf, da sie sich stärker an Erwartungen anpassen und ihre Fähigkeiten weniger zeigen. Eine Studie der Universitäten Tübingen, Maastricht und Jena, die 2023 veröffentlicht wurde, zeigte, dass Lehrkräfte bei Jungen mit eineinhalbmal höherer Wahrscheinlichkeit eine Hochbegabung vermuteten als bei genauso begabten Mädchen. Zudem wurden Kinder aus bildungsnahen Familien bei gleichen Fähigkeiten besser eingeschätzt.
- „Hochbegabung bedeutet Perfektion in allen Bereichen.“
Hochbegabte Kinder haben oft Stärken in bestimmten Bereichen und durchschnittliche oder sogar schwache Leistungen in anderen.
Bei Hinweisen auf Hochbegabung: Welche Maßnahmen können Lehrerinnen und Lehrer ergreifen?
Wenn Sie aufgrund von Beobachtungen bei einem Kind eine Hochbegabung vermuten, können Sie diese für nun folgende Gespräche zunächst dokumentieren.
Gespräche mit dem Schüler/der Schülerin:
In einem offenen Gespräch können Sie das Kind ermutigen, seine Perspektive zu teilen. Fragen Sie, wie seine Wahrnehmung ist, ob es sich manchmal unterfordert oder gelangweilt fühlt, welche Vorlieben es hat und ob es etwas gibt, dass es frustriert.
Austausch mit den Eltern:
In einem Gespräch mit den Eltern, können Sie die Beobachtungen aus der Schule teilen und nach den Erfahrungen und der Einschätzung der Erziehungsberechtigten fragen. In dem Gespräch können Sie auch über mögliche weitere diagnostische Schritte und Fördermöglichkeiten sprechen.
Hinzuziehen von Fachleuten:
Oft sind Schulpsychologinnen und Schulpsychologen die ersten Ansprechpersonen. Eine genau Diagnostik kann über schulpsychologische Beratungsstellen oder durch niedergelassene Kinder- und Jugendpsychologinnen und -psychologen erfolgen. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch Intelligenztests, den Beobachtungen von Eltern und Lehrkräften, Gesprächen mit dem Kind und evtl. ergänzenden Tests zu Kreativität, emotionaler Intelligenz und sozialen Kompetenzen.
Tipp
Weitere Beratungsangebote:
Die „Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e. V.“ bietet Beratung in Form von Gesprächen, Differenzierungsvorschlägen, Fortbildungen und Listen mit geeigneten Materialien und Literatur für Lehrerinnen und Lehrer an.
Die Karg-Stiftung bietet Projekte, Qualifizierungsmöglichkeiten und Informationsmaterialien für Lehrkräfte an. Mit der Initiative Karg Campus stellt die Stiftung Angebote zur Schulentwicklung in Bezug auf Begabtenförderung vor.
Individuelle Fördermaßnahmen:
Nach der Feststellung einer Hochbegabung sollte gemeinsam mit den anderen Beteiligten ein individueller Förderplan erstellt werden.
Fördermaßnahmen können folgende Punkte enthalten:
- Enrichment-Angebote: zusätzliche Aufgaben, wie die Übernahme einer Tutorinnen- bzw. Tutorenrolle, Referate, Wettbewerbe oder Workshops, evtl. in Zusammenarbeit mit externen Anbietern
- Innere Differenzierung: komplexere Fragestellungen und vertiefende Aufgaben
- Äußere Differenzierung: AGs, zusätzliche Kurse, Teilnahme am Unterricht höherer Klassen
- Projekte außerhalb der Schule: Durch längere, themenbezogene Arbeit können die Kinder ihre Kreativität und Problemlösekompetenz ausleben und dabei Verantwortung für ihren Lernprozess übernehmen.
Wichtig ist auch, das Angebot in Bezug auf den Lernfortschritt und das Wohlbefinden des Kindes in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.
Allgemein ist es für hochbegabte Schülerinnen und Schüler hilfreich, Entscheidungsfreiräume zu haben. Angebote für selbstgesteuertes Lernen, bei dem alle Kinder selbst entscheiden können, wie sie sich einem Thema nähern und welche Aufgaben sie machen, nehmen hochbegabten Kindern das Gefühl, anders zu sein. Auch Projektarbeit, Werkstattlernen oder Freiarbeit sind weitere geeignete Methoden.
Weitere Möglichkeiten:
- Einige Bundesländer haben an ausgewählten Schulen auch Hochbegabtenklassen eingerichtet, in denen die Kinder eine gezielte Förderung erhalten.
- Auch Spezialschulen für Hochbegabte können eine Option sein.
- In Hessen und Baden-Württemberg gibt es mit den Hector Kinderakademien eine Begabtenförderung im Grundschulbereich für den MINT-Komplex.
- Eine weitere Möglichkeit ist das Überspringen von Klassenstufen.
- Das Internationale Centrum für Begabungsforschung (ICBF) bietet mit der Qualifizierung ECHA Diploma of Advanced Studies „Specialist in Gifted Education and Talent Development“ eine Weiterbildung für Lehrkräfte an, die ihre Kompetenz in Bezug auf Hochbegabtenförderung erweitern möchten.
- Auch die Landesinstitute Lehrerfortbildung bieten immer wieder Kurse für Begabtenförderung an.
Weitere Informationen und Quellen