Erzieherin plant Gespräch an ihrem Schreibtisch mit dem Betzold Kiga-Planer
Organisation
Alltag
Aktualisiert: 15.03.2024

Gute Entwicklungsgespräche in Kindergarten und Kita führen

Als fester Bestandteil einer guten Bildungs- und Erziehungspartnerschaft findet das Entwicklungsgespräch mindestens einmal pro Jahr zwischen Erziehern und Eltern bzw. Sorgeberechtigten statt. Ein wertfreier Austausch zur Entwicklung des Kindes in der Tageseinrichtung und zu Hause steht hier im Vordergrund. Ziel ist ein positives Gespräch aller Bezugspersonen und die Gewährleistung der bestmöglichen Förderung für das Kind.
Janine Landwermann
Janine Landwermann
Online-Redakteurin

Was sind Entwicklungsgespräche in Kindergarten und Kita?

Entwicklungsgespräche sind circa 1-stündige Gespräche, die im Rahmen einer erfolgreichen Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit den Sorgeberechtigten der Kinder durchgeführt werden.

Erzieherinnen und Erzieher sammeln im Vorfeld Beobachtungen und Erkenntnisse zur Entwicklung des Kindes. Diese Beobachtungen werden dann in einem Gespräch auf Augenhöhe geteilt.

Was können Inhalte sein?

Stellen Sie Ihre Arbeit und Ihre Methoden vor und geben Sie den Eltern Einblick in Beobachtungsverfahren (z. B. Entwicklungstabelle nach Beller), Stationen der Sprachentwicklung und Meilensteine im Bereich des Sozialverhaltens. Erfragen Sie außerdem Beobachtungen, die die Eltern zu Hause machen. Der Sinn von Entwicklungsgesprächen ist in erster Linie der gezielte Austausch zum Kind – dazu gehören auch Talente, Besonderheiten, Stärken und andere individuelle Themen. Eine reine Leistungsbewertung ist nicht sinnvoll oder zielführend im Sinne des Kindeswohls.

Wie oft werden Entwicklungsgespräche durchgeführt?

In der Regel sind Entwicklungsgespräche einmal im Jahr Teil der Elternarbeit. Üblicherweise werden sie vor großen Ereignissen, wie zum Beispiel dem Geburtstag des Kindes, eingeplant. Sie sind ein Teil der Bildungspläne der Bundesländer und sind wichtiges Hilfsmittel zur Identifikation des Förderbedarfs einzelner Entwicklungsfelder.

Wo finden diese statt?

In der Regel werden Entwicklungsgespräche in der Tageseinrichtung durchgeführt. Ein Hausbesuch ist aber, nach Absprache aller Beteiligten, ebenfalls möglich. Für einige Eltern hat die gewohnte Umgebung des eigenen Zuhauses einen positiven Einfluss auf den Gesprächsverlauf und erleichtert den Austausch.

Erzieher und Elternteil im Gespräch an einem Tisch

Entwicklungsgespräche vorbereiten

Für eine gute Vorbereitung zum Termin empfehlen wir Ihnen:

    • Laden Sie alle Sorgeberechtigten ein. Gehen Sie, wenn möglich, auf Terminwünsche der Eltern ein.
    • Fragen Sie die Erwartungen der Eltern an das Gespräch ab. (Was möchten die Eltern in diesem Gespräch über Entwicklung des Kindes und Alltag in der Einrichtung erfahren?)
    • Sammeln Sie Beobachtungen und Dokumentationen des betreffenden Kindes und stellen Sie diese zusammen.
    • Erstellen Sie einen Gesprächsleitfaden, der den Ablauf des Entwicklungsgesprächs regelt.
    • Sprechen Sie auch mit dem Kind über den Termin und erklären Sie, warum Mama und Papa in den Kindergarten kommen.
    • Am Tag des Termins sollte ein gut gelüfteter, aufgeräumter und störungsfreier Raum zur Verfügung stehen.

Gerade für Berufsanfänger kann das Führen von Entwicklungsgesprächen schwierig sein.
Um die erste Nervosität zu umgehen, bietet es sich an, bei erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu hospitieren. Diese Unterstützung liefert schon bald das notwendige Selbstbewusstsein, um in Gesprächssituationen eine natürliche Kompetenz auszustrahlen. Auch schwierige Gespräche können zuvor gemeinsam geübt werden, um mögliche Lösungen zu erarbeiten.

Entwicklungsgespräche während der Corona-Pandemie

Die Schließung von Kindertageseinrichtungen während der Corona-Pandemie stellt Erzieherinnen und Erzieher vor Herausforderungen, die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft aufrechtzuerhalten. Vor allem die – für die Entwicklung und Förderung der Kinder – wichtigen Entwicklungsgespräche in Kindergarten und Kita lassen sich unter Pandemiebedingungen nicht mehr vor Ort in Kindergarten oder Kita durchführen. Wie begegnet man als pädagogische Fachkraft also dieser Situation? In vielen Einrichtungen wird das Führen der Entwicklungsgespräche – bedingt durch die Kontaktbeschränkungen – telefonisch durchgeführt. Es gibt einige Maßnahmen, die seitens Kindergarten und Kita durchgeführt werden können, um das Vertrauensverhältnis, auf dem die Bildungs- und Erziehungspartnerschaft beruht – zu stärken und aufrechtzuerhalten:

    • Nutzen Sie die schließungsfreie Zeit, um die Beobachtungsbögen der Kinder auf den aktuellen Stand zu bringen.
    • Halten Sie in der Schließungszeit regelmäßigen telefonischen Kontakt zu den Familien.
    • Bieten Sie Lernanlässe und bekannte Reime und Spiele aus dem Kindergarten per E-Mail oder Brief an. Ideen hierzu finden sich in unserem Beitrag „Familienbriefe und Kita-Schließungen - Kindergarten to go“.
    • Führen Sie das Entwicklungsgespräch telefonisch oder per Video-Call durch. 

Der optimale Gesprächsablauf

    • Beginnen Sie das Gespräch mit einer kurzen Begrüßung und ein wenig Small-Talk. Dies lockert die Stimmung auf und schafft eine neutrale Basis für die drauf folgenden Gesprächsinhalte.
    • Stellen Sie Ihren Gesprächsleitfaden vor. Fragen Sie mögliche Erwartungen oder Änderungswünsche zum Gesprächsablauf bei den Eltern ab.
      Wichtig für den Verlauf des Austauschs ist der wertschätzende und kompetenzorientierte Umgang mit pädagogischen Themen. Das Gespräch darf kein Monolog Ihrer Beobachtungen sein.
    • Beziehen Sie die Eltern ein und ermuntern Sie den Austausch über die Stärken und Interessen des Kindes.
    • Unterstützen Sie Ihre Berichte mit Portfolio-Arbeiten oder Beobachtungsbögen.
    • Sprechen Sie Förderbereiche sensibel an und warten Sie die Reaktion der Eltern ab, bevor Sie mögliche Unterstützungen gemeinsam erarbeiten.
    • Gegen Ende des Termins bietet es sich an, eine Zusammenfassung zu erarbeiten. Schreiben Sie gemeinsam die Kernpunkte des Gesprächs auf und vereinbaren Sie gemeinsame Ziele, an denen in der Einrichtung und in der Familie gearbeitet wird.
    • Ein herzlicher Dank für das Gespräch steht natürlich am Ende des Termins.

Umgang mit schwierigen Themen

Auch bei einem perfekt vorbereiteten Gespräch kann es zu Konfliktsituationen kommen.

Gespräche über Kinder sind für alle Beteiligten natürlich eine emotionale Angelegenheit.
Sprechen Sie Themen mit Konfliktpotenzial daher neutral und mit Hilfe der Sandwich-Taktik an (Positive Beobachtung – aktuelle Herausforderungen – Positive Beobachtung). Trotzdem können durch Missverständnisse oder nicht übereinstimmende Erwartungen an das Gespräch Situationen entstehen, die entschärft werden sollten. Wichtig in angespannten Momenten im Gespräch ist es, aktives Zuhören zu praktizieren.

Nehmen Sie Ihren Gesprächspartner und seine Themen ernst.
Haken Sie nach und geben Sie Angesprochenes kurz in eigenen Worten wieder, um zu signalisieren, dass Sie an einer Lösung interessiert sind. Zeigen Sie Verständnis und vermeiden Sie abwehrende oder wertende Formulierungen („Da haben Sie mich falsch verstanden …“, „Sie haben mir nicht zugehört …“). Gehen Sie einfühlsam auf Ihren Gesprächspartner ein und lassen Sie den Dialog nicht abbrechen. Durch das Zeigen von Verständnis erleichtern Sie es dem Anderen, ein wenig abzukühlen und sich auf eine gemeinsame Lösung der offenen Fragen einzulassen.

Sollten Ihre Versuche keinen Erfolg haben, brechen Sie den Termin höflich aber bestimmt ab und vereinbaren Sie zeitnah einen Folgetermin.

Reflexion und Dokumentation

Im Nachgang des Gesprächs ist es wichtig, Ableitungen für zukünftige Entwicklungsgespräche zu erarbeiten. Stellen Sie den Eltern ein Protokoll mit den vereinbarten Zielen zur Verfügung. Bewerten Sie außerdem für sich selbst, was in dem Termin gut war und welche Punkte Sie optimieren können. Eine Vorlage zur Erstellung eines Gesprächsprotokolls bieten wir Ihnen hier zum Download an.

„Wenn wir die Bildungspartnerschaft mit den Eltern ernst nehmen, müssen wir Eltern fragen, ihnen zuhören und nicht einfach Ratschläge erteilen“
Pia-Theresia Franke, Das Berufseinsteiger-Buch für Erzieherinnen, DON BOSCO Medien GmbH

Quellen:

Gespräch zwischen Eltern und Erzieher
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Wer schreibt hier?

Janine Landwermann
Online-Redakteurin
Erinnern Sie sich noch an den Namen „Ihrer“ Erzieherin aus dem Kindergarten? Ich erinnere mich noch sehr gut an Frau Müller und die endlose Geduld, mit der sie uns Kinder damals im turbulenten Erzieher-Alltag gebändigt, motiviert, begleitet und unterstützt hat. Seit 2013 recherchiere ich bei Betzold in Ellwangen für Sie und Frau Müller Wissenswertes und Hilfreiches aus den Bereichen Pädagogik, Bildung und Organisation. 
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