Schülerin lernt Grammatik an der Tafel
Fachunterricht: Deutsch
Aktualisiert: 22.11.2022

Grammatik lernen ergibt Sinn!

Für viele Schülerinnen und Schüler zählen die Grammatikeinheiten im Deutschunterricht nicht gerade zu den liebsten Unterrichtsstunden. Warum so viele Schülerinnen und Schüler Probleme beim Lernen und Anwenden von Grammatikregeln haben und warum Grammatik lernen sinnvoll ist, erfahren Sie hier.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin

Für viele Schülerinnen und Schüler zählen die Grammatikeinheiten im Deutschunterricht nicht gerade zu den liebsten Unterrichtsstunden.

Warum haben viele Schüler Probleme beim Lernen und Anwenden von Grammatikregeln?

1. Die Sinnfrage:

Einen Hinweis auf den Grund dafür liefert schon die Häufigkeit, mit der Schülerinnen und Schüler die Frage nach dem Sinn des Grammatiklernens stellen. Und die ist nicht mal komplett abwegig: Warum sollen sie für etwas, das sie ihrer Ansicht nach schon ziemlich gut beherrschen – nämlich ihre Muttersprache – komplizierte Regeln und noch mehr Ausnahmen lernen? Was hilft es ihnen, beispielsweise zu wissen, welches Satzglied man im Heft als Prädikat markieren darf? Wie der Satz richtig lauten muss, ist dem Schüler/der Schülerin in der Regel ja auch ohne dieses Wissen klar.

2. Mangel an Einheitlichkeit:

Erschwerend hinzu kommt, dass die grammatikalischen Fachbegriffe in der Grundschule erst mit deutschen, später aber mit lateinischen Bezeichnungen belegt werden.


Verwirrung stiften aber nicht allein Bezeichnungen: Farbliche Zuordnungen sollen den Schülern das Arbeiten mit Wortarten und Satzgliedern erleichtern. Da es aber keine allgemeingültigen Vorgaben für die Wahl der Farben gibt, kann ein Wechsel des Lehrbuchs oder der Lehrkraft dazu führen, dass die vertrauten Zuordnungen von einem Schuljahr auf das andere nicht mehr gelten.

3. Vereinfachungen:

Um die Grammatik in der Grundschule altersgerecht zu vermitteln, werden die Regeln vereinfacht dargestellt. Diese Vereinfachungen decken aber häufig nicht alle Aspekte ab, die die deutsche Grammatik mit sich bringt.

In den höheren Klassen kann das dazu führen, dass die Grundschul-Regeln sich als unzureichend oder sogar unlogisch erweisen. Für viele Schülerinnen und Schüler ist es dann nicht einfach, die einprägsamen Regeln wieder aus dem Kopf zu bekommen.

Ein Beispiel: Werden Verben als „Tun-Wörter“ bezeichnet, bemerken oft schon Grundschulkinder, dass sie nicht immer dafür stehen, dass jemand etwas „tut“. So können Verben auch Vorgänge oder Zustände beschreiben (z. B. „Es regnet“). Schwierig ist auch, dass bei dieser Definition Dinge etwas aktiv „tun“ können (z. B. bei „Der Boden knarzt“).

Eine didaktische Reduktion ist im Falle der Vermittlung von Grammatikwissen in der Grundschule unumgänglich. Genauso wichtig ist es wiederum, dadurch eine solide Basis zu schaffen, auf der weiter aufgebaut werden kann, ohne dass sich unlogische Aspekte ergeben.

4. Trockener Stoff:

Bei der Vermittlung des Grammatikstoffs haben Lehrerinnen und Lehrer es nicht einfach, mitreißende Stunden zu zaubern. Grammatikunterricht gilt als starr und ziemlich trocken. Ein großer Teil der Lehrbücher zur Grammatik regt wenig dazu an, diese Ansicht zu überdenken.

Zum Glück gibt es inzwischen doch einige Unterrichtsmaterialien, die Grammatik lebendiger präsentieren. Es wird dabei immer mehr auch auf entdeckendes Lernen gesetzt. Ein weiteres Hilfsmittel stellen Lehrmittel dar, die es erleichtern, Grammatikregeln anschaulich zu vermitteln.

Kurz gesagt: Für viele Schülerinnen und Schüler zeigt sich der Grammatikunterricht eher als Belastung, denn als Hilfestellung zu einem besseren Sprachverständnis. Etwas zu lernen, nur um es gelernt zu haben, also sozusagen Lernen als Selbstzweck, ist unbefriedigend. Das trifft auf Grammatik genauso zu wie auf jedes andere Lerngebiet. Wenn Sie Ihren Schülern aber zeigen können, dass es durchaus sinnvoll ist, Grammatik zu lernen, geben Sie ihnen die Möglichkeit, Lernmotivation zu entwickeln. :)

Der Magische Zylinder hilft beim Grammatik lernen:

Junge arbeitet mit dem Magischen Zylinder

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Warum Grammatik lernen sinnvoll ist

Jeder, der Latein lernt oder gelernt hat, kann die Frage nach dem Sinn des Grammatiklernens leicht beantworten: Nur wer die Grammatikregeln beherrscht, kann lateinische Sätze korrekt übersetzen. Vokabeln zu lernen allein hilft dagegen wenig. Viele Schülerinnen und Schüler oder sogar Studentinnen und Studenten verstehen die Grammatikregeln erst, wenn sie Latein lernen. Also zu einem Zeitpunkt, an dem es wirklich Sinn macht, Grammatik zu pauken.

Ein Schlüssel, um die Schülerinnen und Schüler mehr fürs Grammatiklernen zu motivieren, liegt darin, ihnen die „Sinnfrage“ zu beantworten:

1. Sprachen leichter lernen:

Grammatik ist gewissermaßen das Betriebssystem einer jeden Sprache. Wer sich die Mühe macht, sich damit auseinanderzusetzen, entdeckt die Logik und Struktur in der Sprache (und die liebenswürdigen Ausnahmefälle und -regeln).

Hat man diesen Einsatz einmal erbracht, ist das Wissen auf andere Sprachen anwendbar. Unterschiede und Ähnlichkeiten treten hervor und erleichtern es, Gesetzmäßigkeiten zu entdecken und die Sprache zu lernen. Umgekehrt würden wir ohne die Kenntnisse der Grammatik einer Fremdsprache ähnlich witzig klingen wie die automatische Übersetzung durch ein Computerprogramm. Nur ist es weit weniger lustig, wenn nicht wir über die Computerübersetzung, sondern z. B. ein Muttersprachler im Ausland über uns lacht.

Jetzt könnte ein findiger Schüler fragen, warum er denn die deutsche Grammatik, die er doch intuitiv richtig anwende, lernen solle. Die der Fremdsprache wäre demnach doch ausreichend.

Diese Antwort sollte einleuchten: Weil es um einiges einfacher ist, die Grammatik der eigenen als die einer fremden Sprache zu lernen.

Schüler lernt Grammatik mit magnetischen Symbolen
Hat man sich die Grammatik einer Sprache erschlossen, kann das Wissen auf andere Sprachen angewendet werden, Quelle: Betzold

2. Zeichensetzung:

Die Kommasetzung ist bei Schülerinnen und Schülern noch so ein eher unbeliebtes Thema. Viele Lehrerinnen und Lehrer machen sich aufgrund der Fülle an falsch oder gar nicht gesetzten Kommas außerhalb des Faches Deutsch schon gar nicht mehr die Mühe, diese Fehler zu korrigieren. Das liegt hauptsächlich daran, dass die meisten Schülerinnen und Schüler Kommas nach Gefühl setzen. Nur trügt sie ihr Gefühl leider sehr häufig. Deswegen gibt es Kommaregeln. Problematischer Weise beruhen diese wiederum auf den Grammatikregeln

3. Rechtschreibung:

Auch hinter so manchem Rechtschreibfehler steckt ein mangelndes grammatikalisches Verständnis. Gern genommene Beispiele sind die Verwechslung von „das“ und „dass“ oder die Groß- bzw. Kleinschreibung von Wörtern. Besonders schwer fällt das den Schülerinnen und Schülern bei substantivierten Verben oder Adjektiven.

4. Textanalyse:

Um Gedichte, Sachtexte oder Romane zu interpretieren (was im Fach Deutsch ja nicht ganz selten vorkommt), ist nicht nur eine inhaltliche Betrachtung nötig. Für eine gute Bewertung ist auch eine gewisse Kenntnis der Grammatik wichtig. Treten z. B. bestimmte Wortarten gehäuft auf? Gibt es Auffälligkeiten im Satzbau? Ohne Grammatikkenntnisse können solche Besonderheiten nicht erkannt und noch weniger analysiert werden.

Sich in der Muttersprache, in Fremdsprachen sowie auch schriftlich korrekt auszudrücken, wird jedem Schüler und jeder Schülerin während seiner schulischen und beruflichen Laufbahn helfen. Wir hoffen, dass sie in den genannten Argumenten fürs Grammatiklernen eine Motivation entdecken, sich mit Grammatikregeln zu befassen :)

Neben der Verknüpfung des Grammatiklernens mit einem Sinn kann sich aber auch auf der Vermittlungsebene noch einiges tun. Das Klischee des zähen, trockenen Grammatikunterrichts sollte durch einen lebendigeren, selbstentdeckenden Ansatz ersetzt werden.

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Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: