Auch wenn die Störungen in Ihrer Klasse eher in die Kategorie „Plausch unter Sitznachbarn“ fallen, kosten sie doch Zeit, Kraft, Konzentration und Motivation. Sie sind einer der großen Belastungsfaktoren im Lehrerberuf und haben negativen Einfluss auf die Lehrergesundheit.
Was verursacht Unterrichtsstörungen?
Meist gehen Unterrichtsstörungen von den Schülern aus – aber nicht immer: Auch die unmittelbare Umwelt (Baulärm, Hitze …) und selbst Lehrerinnen und Lehrer können den Unterricht stören (ungerechtes Verhalten, fehlende Einbeziehung der Schüler, schlechte Vorbereitung, Inkonsequenz …).
Das Alter der Schüler, Schulart und Lage der Schule spielen beim Auftreten von Unterrichtsstörungen genauso eine Rolle, wie Sie selbst als Lehrerinnen und Lehrer. Ihre Einstellung, Auftreten und Kompetenz als Leiter und „Manager“ der Klasse. Nun wollen wir damit aber nicht andeuten, dass Unterrichtsstörungen auf einen Mangel an den eben genannten Eigenschaften hindeuten!
Unterricht ist störanfällig und das ist nicht verwunderlich: Ein Schultag ist lang, es werden komplexe Inhalte vermittelt, die Klassen sind groß, weder die Schüler noch Sie können dabei ununterbrochen motiviert und konzentriert bleiben.
Störungen sind nicht immer zu vermeiden! Sie brauchen deshalb Strategien wie Sie mit ihnen umgehen sowie die Intensität und Häufigkeit reduzieren können.
Gelingt es nicht, die Unterrichtsstörungen schnell zu beheben oder stören einzelne Schüler besonders häufig, sollten Sie der Ursache auf den Grund gehen. Ist der Schüler körperlich nicht in der Lage lange stillzusitzen und sich ruhig zu verhalten oder stecken Umwelteinflüsse (Probleme in der Familie oder mit Freunden/Mitschülern/Lehrern, Erziehungsstil der Eltern, zu hohe Erwartungen) dahinter.
Auch eine Über- bzw. Unterforderung im Schulunterricht kann Kinder zu Störenfrieden werden lassen. Bei Schülern im entsprechenden Alter wirkt sich natürlich auch die Pubertät auf das Verhalten aus – zu Ihrem Leidwesen und dem der Eltern selten positiv …
Classroom Management: Lehrer als Manager der Klasse
Aktuell kommt niemand, der sich mit Fragen zur Qualität des Schulunterrichts befasst, an einem Mann vorbei: John Hattie. Der neuseeländische Bildungsforscher wertete riesige Datenmengen aus rund 800 Metaanalysen aus und kommt (wir komprimieren die Ergebnisse nun sehr stark) zu dem Schluss: Auf die Lehrer kommt es an!
Im Sinne eines besseren Unterrichts fordert er Pädagoginnen und Pädagogen dazu auf, sich immer wieder in die Perspektive der Schüler hineinzudenken. Ein Gedanke, der bereits 1977 durch Peter-Fritz Hallberg formuliert wurde: „Könnten wir die Störung als Mitteilung des Schülers entschlüsseln, sprich verstehen, so könnten wir eine adäquate Antwort geben.“ Wo „Hineindenken“ nicht weiterhilft, bleibt immer noch das offene Gespräch, um den als Störungen verschlüsselten Mitteilungen auf den Grund zu gehen.
Seinen Erfolg verdankt Hattie auch der Auflistung von Faktoren, die einen unterschiedlich großen Effekt auf die Qualität des Unterrichts haben. Weit oben auf dieser Liste ist das „Classroom Management“, die Klassenführung, zu finden. Aber was verstehen wir unter einem guten Classroom Mangement?
Zunächst einmal wird ein geeigneter „Manager“ benötigt und das sind Sie! Ihr Handeln soll sicherstellen, dass ein lernwirksamer und strukturierter Unterrichtsablauf an dem Schüler partizipieren, gewährleistet ist. Das Vermeiden und Unterbinden von Unterrichtsstörungen ist ein zentraler Teil dieser Aufgabe.
Was tun bei Unterrichtsstörungen?
Sollte es während des Unterrichts zu Störungen kommen, müssen Sie entsprechend handeln, damit die Aufmerksamkeit der Schüler nicht nachlässt. Sie können aber auch proaktive Maßnahmen treffen, die Ihnen helfen Unterrichtsstörungen im Vorfeld zu vermeiden. Wir haben Ihnen einige Tipps zusammengestellt, wie Sie Störungen vermeiden und wie Sie auf diese reagieren können.