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Rituale im Unterricht
Schüler nehmen Rituale besser an, wenn sie bei der Einführung aktiv beteiligt werden, Quelle: Betzold

Rituale im Unterricht

Tipps zu Einführung und Einsatzmöglichkeiten von Ritualen in der Schule

Rituale spielen im Unterricht eine große Rolle:

  • Sie strukturieren und gliedern den Unterricht,
  • geben den Schülern Sicherheit, Orientierung und Halt,
  • wirken sich positiv auf das Miteinander in der Klassengemeinschaft aus
  • und können auch den einzelnen Schüler stärken.

Ein gutes Team: Regeln und Rituale

Regeln erfüllen in einer Klasse häufig ähnliche Ziele: Sie sollen Grenzen und Konsequenzen aufzeigen und dadurch einen störungsfreien Unterricht gewährleisten sowie den Umgang miteinander regeln.

Während Regeln rational begründet sind, am besten gemeinsam ausgehandelt und festgeschrieben werden, wirken Rituale durch ihre Symbolkraft und haben häufig Aufforderungscharakter.

Die beiden Ansätze ergänzen sich somit ideal!
Das erklärt, warum so viele Lehrerinnen und Lehrer eine manchmal mühsame Einführungsphase in Kauf nehmen – mittel- und langfristig erleichtern Rituale und Regeln das Lehren und Lernen immens, verringern Unterrichtsstörungen und Lärm und sparen dadurch wertvolle Unterrichtszeit!

Rituale im Unterricht zielgerichtet einsetzen

Manche Handlungen haben sich vielleicht im Unterrichtsablauf ritualisiert, ohne dass Sie dies bewusst bezweckt haben. Allerdings können zielgerichtet eingesetzte Rituale ihre Wirkung noch besser entfalten. Nur so ist gewährleistet, dass alle Beteiligten den Ablauf verinnerlicht haben und sich über den Sinn hinter dem Symbol im Klaren sind.

Auch passt nicht jedes Ritual zu jeder Klasse und Unterrichtssituation. Das Alter der Schüler muss genauso beachtet werden wie die spezifische Lernsituation und die individuelle Zusammensetzung einer Klasse mit deren Vorlieben.
Zum Glück sind Rituale so variantenreich und bieten unglaublich viele Einsatzmöglichkeiten.

Besonders wichtig sind Rituale in der Grundschule für frisch eingeschulte Kinder. Sie geben Halt und Struktur und erleichtern so den nicht immer einfachen Übergang vom Kindergarten zur Schule.

Für die Einführung und Festigung von neuen Ritualen ist es ideal, wenn Sie häufig in der Klasse sind. Aber vielleicht überzeugen Sie auch den Klassenlehrer von den Vorteilen und arbeiten gemeinsam an der Umsetzung.
Ohnehin ist es sinnvoll, Kolleginnen und Kollegen über allgemein nutzbare, nicht fachspezifische Klassenrituale zu informieren – je häufiger sie eingesetzt werden, umso schneller verinnerlichen die Schüler die Rituale und alle profitieren von den Vorteilen!

Rituale im Unterricht

Rituale können im Unterricht wichtige Funktionen einnehmen, Quelle: Betzold

Tipps für die Einführung von Ritualen

Wie bei der Einführung von Regeln sollten Sie Ihre Schüler am Entstehungsprozess eines neuen Rituals beteiligen. Besprechen Sie das Ziel, das durch das Ritual erreicht werden soll und welche Handlungen sich gut zur Verdeutlichung eignen würden.
Sammeln Sie z. B. Ideen für ein Ruhezeichen und wählen Sie gemeinsam ein Zeichen aus, das auch Ihre Schüler super finden. So steigern Sie die Akzeptanz. Den Schülern muss klar sein, wann das Ritual zum Einsatz kommt. Beispiele und ein paar Übungsdurchgänge helfen den Ablauf zu verinnerlichen.

Gefahren beim Einsatz von Ritualen

Rituale sollten nie unkritisch übernommen werden. Rituale haben die Macht zu manipulieren, herabzuwürdigen und auszugrenzen. In der Vergangenheit wurden Sie deshalb zur Disziplinierung und Bestrafung genutzt: Die Sitzordnung orientierte sich an den Leistungen der Schüler und im 18. Jahrhundert war es verbreitet, dass Kinder, die Fragen nicht beantworten konnten, eine Kappe mit Eselsohren tragen mussten. In der NS-Zeit begann jede Schulstunde mit dem Hitlergruß – ein Ritual instrumentalisiert zur Einstimmung auf politische Ideologien.

In den 1960er und 1970er Jahren fand deshalb eine Abkehr von Ritualen im Unterricht statt. Heute gehen Rituale eher von den Bedürfnissen der Schüler aus.

Dennoch lauern auch hier Gefahren: Wenn Rituale „erstarren“ und zwanghaft werden, sind sie nicht mehr als eine leere Hülle ohne Sinn. Das passiert, wenn Schüler nicht mehr mitdenken, sondern nur noch abspulen: Ein Beispiel sind lange Begrüßungsformeln wie „Einen wunderschönen guten Morgen Frau/Herr XY. Schön Sie zu sehen. Wie geht es Ihnen?“, die nur noch heruntergeleiert werden, ohne dass die Worte noch eine Bedeutung haben. Rituale sollten deshalb veränderbar und anpassungsfähig bleiben.

Einsatzmöglichkeiten im Schulalltag

  • Stundeneröffnungsrituale: Das Begrüßungsritual – und sei es nur das gegenseitige „Guten Morgen“-Wünschen – ist ein Zeichen für das Ende der Pause und den Beginn der neuen Schulstunde. Es signalisiert den Schülern, dass nun von ihnen erwartet wird, die Konzentration auf Sie und den Unterricht zu wenden und private Gespräche einzustellen.
    Im Fremdsprachenunterricht bietet es sich natürlich an, sich in der jeweiligen Sprache zu begrüßen, während Grundschüler gerne ein Begrüßungslied singen. Das Aufstehen bei der Begrüßung empfinden viele heute als spießig oder zu militärisch, andere schwören auf den aufrüttelnden Effekt und Bewegung schadet ohnehin nie 🙂
  • Wochenanfangsrituale: Die Schüler haben sich zwei Tage nicht gesehen und schon gibt es unglaublich viel zu erzählen. Um den Austausch in geregelte Bahnen zu bringen,  können Sie einen Montagmorgenkreis für Schüler der Klassen eins bis vier einführen. Hier dürfen die Kinder von den Wochenenderlebnissen erzählen und Sie können z. B. den Wochenplan kurz durchsprechen.
    Oder Sie signalisieren den Wechsel von Wochenende und Schulzeit durch die Vergabe der Klassendienste für die Woche.
  • Ruhezeichen: Lärm ist ein Problem, das Ihnen sicher täglich mehrfach begegnet. Für alle, die das ständige Ermahnen leid sind, ist ein Ruhezeichen eine zeit- und stimmschonende Alternative. Je nach Ihren eigenen Vorlieben können akustische Signale mit Tischglocken, Klangschalen, Zimbeln oder Klangstäben erzeugt werden. Handzeichen, wie der sehr verbreitete „Schweigefuchs“, werden nicht gleich von allen bemerkt, haben aber den Vorteil, dass sie auch von Schülern eingesetzt werden können. Das Handzeichen ist das Signal für alle, es ebenfalls auszuführen und leise zu werden.
    Rituale im Unterricht

    Akustische Ruhesignale oder Handzeichen sind eine zeit- und stimmschonende Alternative zum mündlichen Ermahnen, Quelle: Betzold

  • Symbolkarten: Sie können in Ihrer Klasse Symbolbilder für die unterschiedlichen Sozialformen und Handlungen einführen. Die Kinder wissen so sofort, was von ihnen erwartet wird und können sich ohne lange Erläuterungen, z. B.  für Gruppenarbeitsphasen, Steh- oder Stuhlkreise, organisieren.
  • Ende einer Arbeitsphase: Geht eine Phase der Gruppen-, Partner- oder Stillarbeit zu Ende, können Sie Ihren Schülern durch eine vorher abgesprochene Melodie signalisieren, dass sie die Arbeit nun beenden, die Materialien leise aufräumen und an den eignen Platz zurückkehren sollen. Das sanfte ausklingen lassen der Arbeitsphase vermeidet Lärm und spart Zeit.
  • Bewegungs- und Entspannungspausen: Bemerken Sie, dass die Schüler große Probleme haben ruhig und konzentriert zu bleiben, können Sie eine kurze Bewegungspause einführen. Besonders gut eignen sich in solchen Situationen Aktivierungsspiele oder Entspannungsübungen.
    Rituale im Unterricht

    Aktivierungsspiele können die Rolle eines Motivationsrituals einnehmen, Quelle: Betzold

  • Wochenausgangsrituale: Unterrichtszeit ist meist knapp bemessen, dennoch lohnt sich die Gründung eines Klassenrats. Hier ist Raum für die Klärung von Konflikten, Anliegen, Anregungen und Lob.  Komprimiert wird hier vieles geklärt, das sonst während des Unterrichts gelöst werden müsste.
    Als Klassenlehrerin bzw. Klassenlehrer können Sie eine feste Stunde für den Klassenrat reservieren – gut geeignet ist der Klassenrat z. B. als Wochenausgangsritual. So können alle Probleme vor dem Wochenende geklärt werden. Die Themen werden vorher gesammelt und einem Schüler übergeben, der als Gesprächsführer bestimmt wurde. Zwei weitere Schüler sind für das Protokoll und die Beachtung der Regeln zuständig. Ein Klassenrat trägt zu einem positiven Klassenklima bei. Nebenbei trainieren die Schüler ihr Kommunikations- und Diskussionsverhalten.
  • Feste und besondere Tage:  Ein Geburtstagritual ist besonders für jüngere Schüler ein persönliches Highlight im Schuljahr. Bestandteil können z. B. Lieder, das Vorlesen kurzer Geschichten, ein Spiel nach Wunsch des Geburtstagskinds oder Geburtstagspost von den Mitschülern sein.
    Rituale im Unterricht

    Teil des Geburtstagsrituals kann z.B. ein Liederwunsch sein, Quelle: Betzold

    Den jahreszeitlichen Ablauf können Feiertage, Klassen- und Schulfeste strukturieren. Sie tragen zur Identifizierung mit der Schule bei und die gemeinsamen Aktionen stärken die Klassengemeinschaft.
    Zur Advents- und Weihnachtszeit kann beispielsweise das Klassenzimmer dekoriert werden, die Kinder „Wichteln“ und Lese-, Lieder oder Spiele-Adventskalender verkürzen die Zeit bis zu den Ferien.

 

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

2 Kommentar

  1. Euer Betzold Blog-Team

    Dankeschön 🙂

    Über die Jahre hat sich bei uns ein Netzwerk aus Lehrerinnen und Lehrern verschiedener Schularten und Fachrichtungen, größtenteils aus der Region, aber auch über Deutschland verteilt, entwickelt, mit denen wir immer wieder Schulthemen durchsprechen und Input aus der Praxis holen.

  2. Sehr geehrte Frau Kroker,

    ich finde Ihren Artikel sehr gelungen, frage mich allerdings auf welchen Quellen er beruht. Wäre es möglich auch diese zu benennen oder beruht der Artikel rein auf eigenen Erfahrungen.

    Beste Grüße

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