Mögliche Ursachen für aggressives Verhalten
Kindergarten und Kita bieten vielfältige Konfliktpotenziale für Kinder. Oft sind die Kinder zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum mit mehreren Gleichaltrigen in einem Raum. Auch die Regeln in der Kindertageseinrichtung unterscheiden sich von denen, mit denen die Kinder in ihrem Zuhause konfrontiert werden. Trotz allem zeigen nicht alle Kleinkinder aggressive Verhaltensweisen wie physische oder verbale Übergriffe. Dies hängt - wie bei Erwachsenen auch - mit dem Temperament der einzelnen Kinder zusammen. Auch der Umgang der Familienmitglieder untereinander kann durch die Vorbildfunktion zu konfrontationsgeladenen Verhalten bei Kindern führen.
Spezifische Gründe für Aggressionen bei Kleinkindern lassen sich nach Gabriele Haug-Schnabel wie folgt auflisten:
- Verteidigung (einer Person oder eines Spielzeugs)
- Angst (Ausweg aus einer bedrohlichen Situation)
- Soziale Exploration (Versuch der Einschüchterung eines Anderen)
- Frustration (unerfüllte Bedürfnisse)
- Nachgeahmte Aggression
- Gruppenverteidigung (gegen eine andere Gruppe oder gegen Außenseiter)
- Spielerische Aggression
Entwicklungsphase oder Verhaltensauffälligkeit?
Eine Frage, die Eltern und Fachkräfte in Kindergarten und Kita umtreibt, lautet in einigen Fällen - gerade wenn sich das aggressive Verhalten des Kindes über einen längeren Zeitraum hinzieht:
Handelt es sich um eine reguläre Entwicklungsphase oder steckt eine Verhaltensauffälligkeit hinter den aggressiven Übergriffen?
Die Erzieherin beziehungsweise der Erzieher in Kindergarten und Kita kann an dieser Stelle wichtige Erkenntnisse sammeln, die eine Aufklärung der Situation herbeiführen können.
Durch gezielte Beobachtung - die nicht nur auf schwierigen Situationen beruht - können pädagogische Fachkräfte Einschätzungen zum Entwicklungsstand der Kinder und zu den Ursachen des unerwünschten Verhaltens geben. Wichtig ist hier, dass diese Beobachtungen und Aufzeichnungen durch 2 Fachkräfte durchgeführt werden, um ein möglichst neutrales Bild zu erhalten. Durch die Verwendung von Beobachtungsbögen und der damit einhergehenden Skalierung der Entwicklungsbereiche des Kindes lassen sich verlässliche Aussagen über mögliche Förderbereiche treffen. Zusätzlich zur gezielten Beobachtung sind Elterngespräche wichtig, um das Kind und seine emotionale Ausgangslage besser zu verstehen.
Elterngespräche, die sich mit schwierigen Themen wie auffälligem Verhalten beschäftigen, sind für alle Beteiligten nicht leicht. Für Erzieherinnen und Erzieher gilt auch hier, das Gespräch auf Augenhöhe zu führen und problematische Situationen neutral und nicht wertend zu schildern. Der Fokus der Elterngespräche sollte auf dem Potenzial der Kinder und den entsprechenden Hilfestellungen liegen, die gemeinsam erarbeitet werden können.