Den Abschied vom Kindergarten mit den Kindern thematisieren
Die Verabschiedung der zukünftigen Schulkinder aus der Kindergartengruppe ist neben dem Eintritt in den Kindergarten eine der größten Veränderungen während der Zeit in Kindergarten und Kita. Der Schritt vom Kindergartenkind zum Schulkind ist für alle Beteiligten – also für die Vorschüler, die Eltern und die restlichen Kinder der Gruppe – ein Prozess, der durch die Erzieherinnen und Erzieher begleitet und unterstützt wird. Diese Transition – oder auch dieser Übergang – bedarf, gerade wenn seitens der Kinder oder auch Eltern Ängste und Bedenken vorhanden sind, einfühlsamer Kommunikation durch die pädagogischen Fachkräfte in Kindergarten und Schule.
Transition
Das Wort Transition kommt aus dem Lateinischen und beschreibt in der pädagogischen Praxis den Übergang oder Durchgang in ein Lebensereignis. Diese Ereignisse können der Eintritt in den Kindergarten, die Einschulung oder generell aufkommende neue Situationen sein, die eine Anpassung erfordern. Diese Übergänge rufen unterschiedliche emotionale Reaktionen hervor (Freude, Angst, Stress, Trauer). Für einen gelungenen Übergang sind ein offener Austausch und das Einordnen dieser Gefühle von enormer Wichtigkeit. (Quelle: https://www.herder.de/kiga-heute/fachbegriffe/transition/)
Wie sollten die unterschiedlichen Gruppen auf den Übergang von Kindergarten zu Schule vorbereitet werden?
Angehende Schulkinder: Die zukünftigen Schulkinder reagieren unterschiedlich auf die bevorstehende Änderung in ihrem Leben. Das Verlassen der gewohnten Umgebung in Kindergarten und Kita kann für einige Kinder eine emotionale Herausforderung darstellen. Daher ist sollte im Vorfeld vor allem die Selbstständigkeit gefördert werden. Auch eine Kooperation mit der örtlichen Grundschule kann hier förderlich sein. Der Kontakt der angehenden Schulkinder zu den Kooperationslehrern stellt eine gewisse Vertrautheit her, die den Übergang vom Kindergarten hin zur Schule erleichtert.
Mit Vorschulübungen wie dem richtige Halten des Stiftes, Zähl- und Konzentrationsübungen werden die erforderlichen Schulkompetenzen spielerisch erreicht.
Aber auch auf emotionaler Ebene ist eine Vorbereitung sinnvoll, um einen sanften Übergang hin zur Schule zu erreichen. Die offene Auseinandersetzung mit dem Thema Schule und das Abbauen von möglichen Ängsten gehören ebenso dazu, wie das Thematisieren des Abschieds und der Trauer, die alle Beteiligten empfinden können. Denn das reine Erlernen der notwendigen Kenntnisse und Fähigkeiten für den Besuch der Schule reicht nicht aus, wenn die emotionale Basis nicht stabil ist. Der Wechsel von Erzieherinnen und Erziehern als Bezugspersonen hin zu den Lehrerinnen und Lehrern der Schule stellt einen zentralen Teilaspekt der Transition dar.
Eltern: Auch die Eltern fiebern dem Schulbeginn ihrer Kinder oft mit gemischten Gefühlen entgegen. Hier können die pädagogischen Fachkräfte in Kindergarten und Kita ebenfalls unterstützen und Aufklärungsarbeit leisten. In den Kindertageseinrichtungen zeigen die Kinder in vielen Fällen andere Facetten und Kenntnisse, als dies zu Hause der Fall ist. Sorgen sich die Eltern also nun, ob ihr Kind bereit für die Herausforderungen des Schulalltags ist, kann in einem Entwicklungsgespräch schon über diese Bedenken gesprochen werden. Zum bevorstehenden Schulbeginn gehört auch eine Angst vor dem Loslassen und der neuen Selbstständigkeit der Kinder für viele Sorgeberechtigten dazu. Ein weiterer Punkt, der vielen Eltern Sorge bereitet, ist die neue Form der Verantwortung für Schulaufgaben, schulische Leistungen und ihre Rolle als Lernbegleiter außerhalb der Schule. Auch auf diese Rolle können Eltern durch Kooperationslehrerinnen und –lehrer vorbereitet werden. Oft sind die Bedenken im Vorfeld größer als die potenziellen Probleme, die später auftreten können. Der Kontakt zwischen Grundschule und Eltern kann also schon durch die Kindertageseinrichtung gefördert und unterstützt werden.
Jüngere Kinder in der Gruppe: Die Bald-Schulkinder haben für die kleineren Mitglieder der Gruppe eine Vorbildfunktion und viele altersübergreifende Freundschaften konnten sich bereits über Jahre entwickeln. Ein sanftes Heranführen und eine offene Kommunikation, die das Thema Abschied behandelt, sind also auch für die Kinder sinnvoll, die weiterhin in der Kindergartengruppe verbleiben.
Briefe zum Kindergartenabschied schreiben
Ein persönlicher, von Erzieherinnen und Erziehern verfasster Brief an die Kinder gehört im Kindergartenalltag bereits als Teil der Portfolioarbeit zu den regelmäßigen Aufgaben der pädagogischen Fachkräfte. Die Lerngeschichten werden als Brief an das Kind verfasst und umschreiben Lernprozesse und Erfolge auf einer emotionalen und persönlichen Ebene.
Das Schreiben eines Briefes, der den Abschied aus dem Kindergarten oder der Kita thematisiert, schließt also auf ganz natürliche Weise den Kreis der Portfolioarbeit. Ob dieser Brief in Form eines Gedichtes oder als Erinnerungsreise durch die Kindergartenjahre verfasst wird, unterliegt keinen festen Regeln. Der persönliche Bezug steht hier im Vordergrund, um das Vertrauensverhältnis und die Bindung zwischen Erzieherinnen oder Erziehern und den Kindern in den Fokus zu setzen.