Junge mit Tellimero-Wimmelbilder-Stift
DaZ
Fachunterricht: Deutsch
Veröffentlichung: 20.09.2022

Möglichkeiten des Einsatzes von Wimmelbildern im DaZ-Unterricht

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Vorteile Wimmelbilder haben und wie Sie die Bilder in Ihrem DaZ-Unterricht einsetzen können.
Barbara Reisacher
Barbara Reisacher
Gastautorin

1. Wimmelbilder bieten einen methodischen Mehrwert für Ihren Sprachunterricht  

Wimmelbilder sind Bilder, die sich ein Oberthema zum Inhalt machen und passend dazu viele Details und Geschehnisse, die gleichzeitig passieren, visualisieren. Es „wimmelt“ sozusagen nur so vor Szenen und Einzelheiten.  

Deswegen bieten Wimmelbilder einen methodischen Mehrwert für Ihren DaZ-Unterricht: 

  • Wimmelbilder sind vielseitig einsetzbar, da sie die unterschiedlichsten (Wortschatz-) Themen des Sprachunterrichts visualisieren: im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof, im Zoo, auf dem Bauernhof, auf der Baustelle, im Einkaufszentrum, auf dem Wochenmarkt, am Flughafen, im Park, im Supermarkt, am Bahnhof, im Rathaus, in der Apotheke oder auch in der Arztpraxis.  
  • Wimmelbilder sind lebensweltbezogen, schaffen vielseitige Gesprächsanlässe und schulen das freie Sprechen: Die auf dem Bild dargestellten Szenarien können im realen Leben der Schülerinnen und Schüler vorkommen (beispielsweise „am Bahnhof“ oder „in der Arztpraxis“). Durch eine methodisch und didaktisch gut aufbereitete Auseinandersetzung mit dem Wimmelbild, können Sie Ihre Lerner/innen anhand dieser Bilder auf alltägliche Situationen vorbereiten.  
  • Sie schulen die Wahrnehmung und Konzentration Ihrer Schülerinnen und Schüler, denn sie müssen das Bild intensiv betrachten, um die gesuchten Details finden zu können.  
  • Wimmelbilder sind unabhängig vom Alter und Sprachstand Ihrer Sprachenlerner/innen einsetzbar: es gibt Wimmelbilder für den Primarbereich, den Sekundarbereich und sogar für die Erwachsenenbildung. Mittlerweile ist das Angebot sehr breit gefächert.  
  • Wimmelbilder sind für alle Sprachenlerner und -lernerinnen jedes Sprachstandes „verständlich“, da sie meist ohne Text beziehungsweise mit eher wenig Text gestaltet sind: Wimmelbilder sprechen für sich. Sie müssen Ihren Schülern und Schülerinnen nicht zwingend einen schriftlichen Auftrag mit an die Hand geben, denn sobald ein solches Bild im Unterricht eingesetzt wird, wissen die Schülerinnen und Schüler, was zu tun ist. Erfahrungsgemäß lassen sich „Wimmelbild-Phasen“ im Unterricht sogar sehr gut ritualisieren.
  • Wimmelbilder sind ohne großen Vorbereitungsaufwand flexibel einsetzbar
    Tipp

    Mein Tipp an Sie: Halten Sie in Ihrem Klassenzimmer bzw. Gruppenraum einen Ordner mit zahlreichen Wimmelbildern zu den unterschiedlichsten Themen bereit. Wenn Sie beispielsweise merken, dass die Schülerinnen und Schüler eine kurze Verschnaufpause vom anstrengenden Grammatikunterricht brauchen, können Sie ganz spontan ein Bild als Energizer unter die Dokumentenkamera legen oder in Form eines großen Posters an die Tafel hängen. Sollten Sie Interesse an weiteren Energizern im Bereich Deutsch als Zweitsprache haben, schauen Sie in unseren Blog-Beitrag „DaZ-Energizer für Zwischendurch“.

  • Wimmelbilder bringen viel (Entdecker-) Spaß mit in Ihren Unterricht – die Kinder und Jugendlichen werden regelrecht zu „Wimmelbild-Detektiven“: Erfahrungsgemäß verbinden Sprachenlerner/innen Bilder mit einer Auflockerungsphase des Unterrichts. Gleich, welchen Auftrag Sie geben  – die Schülerinnen und Schüler haben Spaß, sobald sie sich mit einem Wimmelbild näher auseinandersetzen dürfen.  
  • Sie ermöglichen eine inhaltliche Auseinandersetzung mit einem aktuellen Wortschatz- oder Grammatikthema und die daran anschließende Weiterarbeit in Ihrem Sprachunterricht: Die vielseitigen Möglichkeiten zur Arbeit und Weiterarbeit mit Wimmelbildern werden im Folgenden näher betrachtet. 

2. Möglichkeiten der methodischen Auseinandersetzung mit Wimmelbildern 

Nachdem nun die zahlreichen positiven Aspekte von Wimmelbildern aufgezählt wurden, widmen wir uns konkreter der methodischen Auseinandersetzung mit ihnen. 

Wimmelbild Fantasieland
Wimmelbilder bieten vielseitige methodische Möglichkeiten für Ihren Unterricht.

Möglichkeit 1:

Sie benutzen das Wimmelbild, um Vorwissen abzufragen. Wenn Sie beispielsweise zu Beginn eines neuen Schuljahres eine ganz neue Sprachlerngruppe leiten sollen, können Sie mit nur einer Frage – „Was siehst du?“ – den ungefähren Sprachstand der Lerner/innen „abchecken“. Freilich ersetzt diese simple Vorgehensweise keinesfalls einen anerkannten Test zur Sprachstandserhebung, das wäre nur für Sie zur ersten groben Einschätzung.

Die Schülerinnen und Schüler werden auf diese Weise dazu aufgefordert, ihre bisher erlernten Deutschkenntnisse auf der grundlegendsten Ebene anzuwenden. Ein/e absolute/r Anfänger/in würde an dieser Stelle womöglich einfach nur sagen „Baum“ oder „die Frau“ – wohingegen ein/e etwas „weitere/r“ Lerner/in ganze Sätze formulieren würde „Ich sehe (das) Kind.“

Ein/e fortgeschrittene/r Sprachenlerner/in würde Ihre Frage vermutlich dann schon mit Sätzen, die mit komplexerer Grammatik (dem Dativ, dem Akkusativ, Präpositionen, richtig konjugierten Verben, unregelmäßigen Verben usw.)  gefüllt sind, beantworten. „Ich sehe einen Jungen. Er sitzt neben dem Baum auf der Picknickdecke. Er isst eine Banane.“   

Anmerkung: Wenn Sie Ihren Lernern und Lernerinnen die Frage „Was siehst du?“ stellen und den Fokus nicht nur auf den thematischen Wortschatz, sondern gleichermaßen auf eine grundlegende grammatikalische Richtigkeit legen, dann sollten Sie vorab den Akkusativ eingeführt und intensiviert haben. Das Fragewort „was“ braucht diesen mit seinen Artikeländerungen (der – den/ein – einen). 

Beispiel: Was siehst du? – Ich sehe den Hund. 

→ „der“ wird im Akkusativ zu „den“ – „ein“ wird zu „einen“ 

Möglichkeit 2:

Sie können Wimmelbilder zur Vertiefung eines Wortschatz-Themenfeldes einsetzen. Je nachdem, welches Thema Sie gerade behandeln, könnten Sie beispielsweise den Wortschatz zum Thema „Obst und Gemüse“ anhand eines Wimmelbildes „auf dem Wochenmarkt“ oder „im Supermarkt“ intensivieren. Die Schülerinnen und Schüler könnten dann zum Ausdruck bringen, welches Obst auf dem Wimmelbild-Wochenmarkt verkauft wird.

Je nach Sprachstand dürfen Sie gerne auch etwas detailliertere Fragen stellen: „Was kauft die Frau mit der grünen Jacke?“. Farben und gewisse Verben müssten dabei schon vorentlastet bzw. bereits eingeführt worden sein. Das Wunderbare an Wimmelbildern ist, dass Sie als Lehrperson die Beschäftigung mit ihnen selbst lenken und leiten können, indem Sie Ihre Fragen so stellen, dass Ihre Schülerinnen und Schüler Erfolgserlebnisse in ihrem individuellen Sprachlernprozess bekommen.  

Hinsichtlich des Wortschatzes können Sie mit Ihren Lerner/innen gemeinsam …

  • Ober- und Unterbegriffe zu einem bestimmten Themenfeld sammeln 
  • … neue, unbekannte Wörter mit Post-its auf dem Bild markieren (diese dann im Wörterbuch/in der App nachschauen)  
  • Mindmaps nach Themen und/oder Wortarten sortiert erstellen (z. B. Wimmelbild „Auf dem Bauernhof“ mit diesen Kategorien: Nomen (die Kuh, die Ziege), Verben (fressen, reiten, füttern, misten …), Gebäude (der Stall, das Haus) usw. 

Möglichkeit 3:

Wimmelbilder können einen beachtlichen Teil zur Auseinandersetzung und dem sicheren Umgang mit einem Wörterbuch beitragen. Teilen Sie Ihren Sprachlerner/innen ein farbig kopiertes Wimmelbild aus, auf dem Sie bereits vorab Gegenstände eingekreist haben. Geben Sie den klaren Auftrag, dass diese Wörter im zweisprachigen Wörterbuch nachgeschaut werden sollen, sodass diese dann im Vokabelheft/in der Wörtermappe/auf Karteikarten (je nachdem, was Sie in Ihrer Lerngruppe eingeführt haben) festgehalten werden können. 

  • Tipp 1: Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Schülerinnen und Schüler die eingekreisten Bilder nicht als Worte in ihrer Muttersprache suchen, sondern im deutschen Schulwörterbuch nachschlagen, um die Artikel herausfinden zu können. An dieser Stelle muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass der Artikel „die“ im Wörterbuch immer mit „f“ (Femininum) versehen ist, „der“ mit einem „m“ (Maskulinum) und „das“ mit einem „n“ (Neutrum). 
  • Tipp 2: Es müssen nicht immer nur Gegenstände sein, die eingekreist werden. Je nachdem, wie „weit“ Ihre Schülerinnen und Schüler sprachlich sind, können Sie beispielsweise auch Gesichter einkreisen – die Schülerinnen und Schüler können sich auf diese Weise mit Emotionen bzw. Gefühlen in Form von Adjektiven auseinandersetzen (weinendes Gesicht – traurig, lachendes Gesicht – fröhlich, grimmiges Gesicht – böse usw.)  
  • Tipp 3: Auch Verben können behandelt werden – kreisen Sie vorab kleine Szenen auf dem Wimmelbild ein. Ihre Sprachlerner/innen müssen die Situationen auf dem Bild zunächst verstehen, bevor sie das Verb im Wörterbuch nachschlagen. Mit diesen Verben kann dann je nach Sprachstand Ihrer Schülerinnen und Schüler weitergearbeitet werden, indem sie sie konjugieren, Sätze bilden und/oder die Verben beispielsweise in den Imperativ setzen sollen. 

Möglichkeit 4:

Eine andere Möglichkeit, wie Sie Ihr gewähltes Wimmelbild einsetzen, ist, dass Sie nicht nur fragen, was man sieht, sondern detailliertere Fragen zum Wimmelbild stellen. Diese Fragen können die Lerner und Lernerinnen jedoch nur richtig beantworten, wenn sie die richtige(n) Szene(n) im Bild finden (z. B. eine Bahnhofsuhr, ein Preisschild usw.). Diese Art von Auseinandersetzung schult also gleichermaßen die Konzentrationsfähigkeit Ihrer Schülerinnen und Schüler.  

Beispiele: 

  • Wimmelbild „Bahnhof“: Um wie viel Uhr fährt der Zug auf Gleis 4 ab?  
  • Wimmelbild „Arztpraxis“: Wie viele Patient/innen/Menschen sitzen im Wartezimmer? 
  • Wimmelbild „Supermarkt“: Was kostet 1 Kilogramm Äpfel? 
  • Wimmelbild „Baustelle“ oder „In der Stadt“: Wie viele Etagen hat das linke Hochhaus?
  • Wimmelbild „Flohmarkt“: Wie viele Kinder haben einen Teddybären bekommen? 

Möglichkeit 5:

Wimmelbilder können als Grundlage kreativen Schreibens bzw. Handelns dienlich sein. Die Sprachlerner/innen können auf diese Weise ihre Schreibkompetenz anbahnen und/oder verbessern. Unter Berücksichtigung des Sprachstands und der bisherigen Schreiberfahrungen Ihrer Schülerinnen und Schüler, können Sie die Schreibaufgabe so stellen, dass Frusterfahrungen bzw. Schreibhemmungen vermieden werden, denn Sie kennen Ihre Gruppe am besten.  

Aufgabenstellungen zum Wimmelbild könnten dabei so aussehen:   

  • Die Schülerinnen und Schüler sollen einen Dialog zu einer vorgegebenen oder selbst ausgewählten Szene des Bildes schreiben. 

    Anmerkung: Hierbei können Sie sehr gut differenzieren, indem Sie beispielsweise eine Szene des Bildes vorgeben und zusätzlich Satzanfänge/hilfreiche Wörter in einen Hilfekasten schreiben.   
  • Auf den selbst geschriebenen Dialog kann gut aufgebaut werden, indem die Situation des Wimmelbildes szenisch nachgespielt wird. Auch hier können Sie Differenzierungsmöglichkeiten anbieten – beispielsweise durch den Gebrauch von Spickzetteln. Ein Lerner/eine Lernerin, der/die sich im „freien Sprechen“ unsicher ist, soll seine/ihre aufgeschriebenen Sätze an die Hand bekommen und dadurch eine gewisse Sicherheit in der szenischen Darbietung erhalten. Vom Wimmelbild bis zum fertigen Dialog wird viel Zeit vergehen – bitte geben Sie den Schülerinnen und Schülern für diesen Prozess ausreichend davon. 
  • Ihre Sprachlerner/innen suchen sich selbst eine beliebige Szene im Bild aus und nutzen diese als Grundlage für eine kurze Geschichte. Um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, müssen die Schülerinnen und Schüler im Sprachlernprozess bereits weiter fortgeschritten sein.  

    Anmerkung: Eine weitere mögliche Aufgabenstellung wäre, dass sich die Schülerinnen und Schüler in die Gesamtsituation des Wimmelbildes einfühlen und eindenken sollen und beispielsweise einen Tagebucheintrag über ihren „Tag im Zoo“, über den „Ausflug zum Bauernhof“ oder über den „Nachmittag auf dem Flohmarkt“ aufschreiben.  
  • Die Schülerinnen und Schüler werden dadurch kreativ, dass sie für vorgegebene/eingekreiste Situationen Überschriften finden sollen.  
  • Kombinieren Sie die Arbeit mit dem Wimmelbild mit einer kreativen Kunstphase und gleichzeitig einer Wortschatzwiederholung (Thema Farben, Muster und Kleidung), indem Sie eine Art „Maldiktat“ mit den Kindern machen.

    Sie verbalisieren Ihre vorbereitete Musterlösung und Ihre Schülerinnen und Schüler malen das auf ihrem eigenen Wimmelbild so an, wie Sie es beschreiben. Am Ende wird kontrolliert, ob jeder dieselben Dinge mit der gleichen Farbe ausgemalt hat. Über mögliche Abweichungen wird gesprochen – Fehler sollen als Lernanstoß genutzt werden.  

Möglichkeit 6:

Eine weitere Art der spielerischen Auseinandersetzung mit Wimmelbildern ist die des Beschreibens einer Person oder Situation, welche die Schülerinnen und Schüler finden sollen.

Gemäß den beiden Spielen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ oder „Wer ist es?“, sollen Szenen oder Personen beschrieben werden, die es schnellstmöglich zu finden gilt. 

  • Tipp 1: Wenn Sie merken, dass Ihre Lernerinnen und Lerner sprachlich so weit sind, können Sie die Rolle des/der Beschreibenden nach und nach in die Hände Ihrer Schülerinnen und Schüler geben. 
  • Tipp 2: Wenn Sie den Schwierigkeitsgrad etwas erhöhen wollen, nehmen Sie ein detailreiches Wimmelbild, das viele Personen/Szenen beinhaltet.  

Möglichkeit 7:

Setzen Sie Wimmelbilder geschickt ein, um Präpositionen sprachlich anzuwenden und zu intensivieren. An dieser Stelle ist es wichtig, dass Sie mit Ihrer Lerngruppe den Akkusativ (wen/was/wohin?) beziehungsweise den Dativ (wem/wo?) vorab eingeführt und bereits ausreichend trainiert haben, denn einige Präpositionen (in, an, unter, vor, hinter, über, …) sind in beiden Fällen gleich, verlangen jedoch eine Anpassung der Artikel für die betreffenden Nomen.

Achten Sie gut darauf, nur Fragewörter zu benutzen, die vorab im Unterricht bereits behandelt wurden. Wenn Sie auf einmal eine Mischung aus „wohin“ und „wo“ machen, dann könnte es zu irreführenden Schwierigkeiten kommen, welche langfristig zu Unverständnis und Frust führen könnten. 

Beispiele: 

  • Akkusativ (wohin?): Das Mädchen geht in den Park.
  • Dativ (wo?): Der Mann ist in dem Park. 
  • Akkusativ (wohin?): Der Junge stellt sein Fahrrad vor das Haus. 
  • Dativ (wo?): Das Fahrrad steht vor dem Haus. 

3. Aus der Praxis – für die Praxis: Material für Ihren Sprachunterricht   

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Wer schreibt hier?

Ich heiße Barbara Reisacher und bin Lehrerin an einer Mittelschule im schönen Bayern. Mein studiertes Hauptfach an der Universität Augsburg war Deutsch als Zweitsprache. Während meines Referendariats durfte ich erste Erfahrungen in einer Übergangsklasse sammeln und das theoretisch Gelernte in der Praxis anwenden. Im Moment bin ich Klassenleitung einer Deutschklasse und bereite parallel die SchülerInnen der 9. Klasse auf ihre Abschlussprüfung im Fach DaZ vor. In meiner täglichen Arbeit habe ich also sowohl mit Sprachanfängern, als auch mit fortgeschrittenen Sprachenlernern zu tun.