Was ist Immersion bzw. ein Sprachbad?
Anders als beim herkömmlichen Sprachunterricht ist die Fremdsprache bei der Immersionsmethode nicht der Unterrichtsgegenstand.
Ähnlich wie beim Erwerb der Muttersprache lernen die Kinder im Kindergarten oder der Schule die Sprache intuitiv durch Zuhören und Nachahmen, das Verstehen erfolgt aus dem Kontext heraus. Vor allem zu Beginn spielen Gestik und Mimik eine große Rolle.
In der Schule unterrichten die Lehrerinnen und Lehrer die verschiedenen Fächer durchgehend in der Zielsprache. Und auch die Schülerinnen und Schüler werden ermutigt, sie aktiv zu nutzen, sei es bei Fragen, Antworten oder Interaktionen mit anderen Kindern. Das soll ein „Eintauchen“ in die neue Sprache ermöglichen.
Immersion schafft also ein Umfeld, in dem die Fremdsprache nicht isoliert, sondern als Kommunikationsmittel im Alltag des Gruppenraums bzw. Klassenzimmers verwendet wird. Das Ziel ist, dass die Kinder und Jugendlichen schnell ein Gefühl für die Sprache entwickeln und sie wie eine zweite Muttersprache anwenden.
Info
Das unterscheidet Immersion auch vom bilingualen Unterricht, bei dem zwei Sprachen abwechselnd genutzt werden. Auch Methoden wie Communicative Language Teaching (CLT) setzen auf die Verwendung der Fremdsprache, allerdings nicht so intensiv und kontinuierlich wie bei der Immersion.
Rolle der Lehrkraft
Als Lehrerinnen und Lehrer haben Sie im Immersionsunterricht die entscheidende Rolle eines Sprachvorbilds. Sie sprechen konsequent die Zielsprache und sorgen dafür, dass die Schülerinnen und Schüler die Sprache in allen Unterrichtsphasen hören und anwenden.
Sie vermitteln die Sprache aber nicht nur, sondern gestalten auch des immersive Umfeld: Das Lernsetting muss so gestaltet sein, dass Schülerinnen und Schüler möglichst viel in der Zielsprache agieren können:
- Beständige Anwendung der Zielsprache: Die Fremdsprache wird nicht nur im Fachunterricht genutzt, sondern auch bei alltäglichen Interaktionen, wie dem Begrüßen oder dem Erklären von organisatorischen Abläufen.
- Visuelle und gestische Unterstützung: Vor allem zu Beginn verstehen die Kinder noch sehr wenig von der neuen Sprache. Lehrkräfte setzen deshalb visuelle Hilfsmittel (Bilder, Diagramme) und Gesten ein, um den Inhalt zu verdeutlichen. Dies hilft den Schülerinnen und Schülern, neue Vokabeln und Strukturen durch den Kontext zu erfassen, ohne auf die Muttersprache zurückgreifen zu müssen.
- Feedback und Korrekturen in der Zielsprache: Lehrerinnen und Lehrer korrigieren die Sprachfehler der Lernenden nicht, indem sie in die Muttersprache wechseln, sondern durch sanfte Rückmeldungen in der Zielsprache. Dies ermöglicht den Kindern, die Fehler im Kontext zu verstehen und sich zu verbessern, ohne aus der immersiven Sprachumgebung herausgerissen zu werden.
- Spiele und Aktivitäten in der Zielsprache: Sprachspiele, Rollenspiele oder Gruppenaktivitäten in der Fremdsprache fördern das aktive Sprechen und Anwenden der Zielsprache. Diese spielerischen Ansätze nehmen die Angst vor Fehlern und verbinden das Sprechen in der Fremdsprache mit positiven Erlebnissen.
- Rituale in der Fremdsprache: Regelmäßige Rituale wie der gemeinsame Start in den Tag oder der Abschluss einer Unterrichtsstunde in der Zielsprache schaffen zusätzliche Sprachmomente und wiederkehrende Redewendungen, die den Kindern im Gedächtnis bleiben.
- Authentische Unterrichtsmaterialien: Lehrkräfte können Zeitungsartikel, Videos oder Audioaufnahmen in der Fremdsprache als authentische Lehrmittel nutzen. Diese Quellen helfen den Schülerinnen und Schülern, die Sprache im realen Kontext zu hören und anzuwenden, was den Lernprozess natürlicher und praxisbezogener gestaltet.
Info
Lehrkräfte sollten die Zielsprache auf muttersprachlichem Niveau beherrschen, um den Schülerinnen und Schülern den Zugang zur Zielsprache immersiv vermitteln zu können. Dabei verwenden sie verschiedene Strategien wie gestische Unterstützung oder den Einsatz einfacher Sprachstrukturen, um den Schülerinnen und Schülern das Verständnis zu erleichtern und den Lernprozess zu fördern.