Kinder beim Schreiben
Feedback
Aktualisiert: 19.11.2024

Schülerinnen und Schüler geben Lehrerinnen und Lehrern Feedback

Zu einer Bewertung des Unterrichts und der Lehrerpersönlichkeit durch Schülerinnen und Schüler gibt es unter Lehrerinnen und Lehrern unterschiedliche Haltungen. Während ein Teil regelmäßig Schülerfeedback einholt, haben andere Bedenken und lehnen diese Praxis ab. Hier zeigen wir die Vorteile und Herausforderungen auf geben Tipps für konstruktives Feedback in der Schule.
Bettina Kroker
Bettina Kroker
Online-Redakteurin
© Christian Schwier / Fotolia.com

Was spricht gegen Bewertungen durch Schülerinnen und Schüler?

In Bayern startete 2016 ein Pilotprojekt: Schülerinnen und Schüler dürfen dort an ausgewählten Schulen zweimal im Jahr den Unterricht der Referendarinnen und Referendare bewerten. (Quelle: SPIEGEL)

Im Vorfeld gab es zu dem Vorhaben auch zahlreiche kritische Stimmen. Folgende Befürchtungen wurden geäußert:

    • Überwachung:

      Eine Bewertung könnte in eine Überwachung der Lehrkräfte durch die Schulleitung münden. Besonders bei Referendarinnen und Referendaren, die u. a. durch die Schulleitung beurteilt werden, wäre es bedenklich, wenn Vorgesetzte die Schülermeinungen lesen dürften.

    • Unfaires/unqualifiziertes Schülerfeedback:

      Geben Schülerinnen und Schüler konstruktive Beurteilungen und Rückmeldungen ab, oder sind es eher Quatschantworten, beleidigende Rückmeldungen bzw. Bewertungen mit denen unbeliebten Lehrkräften eins ausgewischt werden soll?

    • Ablehnung von Noten für Lehrkräfte:

      Lehrerinnen und Lehrer wollen nicht von den Schülerinnen und Schülern benotet werden, wie es auf dem inzwischen deaktivierten Portal „Spickmich“ üblich war.

    • Druck:

      Schülerinnen und Schüler könnten die Möglichkeit nutzen, um ihre Lehrerinnen und Lehrer (besonders, wenn sich diese noch im Referendariat befinden) unter Druck zu setzen.

    • Lehrkräfte wollen sich beliebt machen:

      Eine weitere Folge könnte sein, dass Lehrerinnen und Lehrer den Schülerinnen und Schülern mehr durchgehen lassen, besser benoten oder weniger fordern, um besonders gute Bewertungen zu erhalten.

    • Zeitlicher Aufwand:

      Wer die Beurteilungen ernst nimmt, muss einiges an Zeit investieren, um sie auszuwerten.

    • Sowohl eine angewiesene wie auch eine freiwillige Bewertung haben Nachteile:

      Auf der einen Seite sorgt ein Zwang evtl. zu einer Ablehnung der Ergebnisse, auf der anderen Seite könnten sich bei einer freiwilligen Teilnahme die Lehrkräfte, denen ein Schülerfeedback besonders nützen würde, dem entziehen.

Welche Erfahrungen wurden mit der Beurteilung durch Schülerinnen und Schüler gemacht?

Viele der eben genannten Bedenken lassen sich durch zwei Vorgaben, die auch im bayerischen Modellversuch gemacht wurden, ausräumen:

  1. Die Schülerinnen und Schüler benoten ihre Lehrerinnen und Lehrer nicht, sondern beantworten von Wissenschaftlern entworfene Fragen, die ggf. von den Referendarinnen und Referendaren angepasst werden können. Das Feedback wird anonym zu den im Unterricht angewandten Methoden sowie der Vermittlung der Inhalte gegeben.
  2. Das Schülerfeedback wird nicht an beurteilende Lehrkräfte bzw. die Schulleitung gegeben oder öffentlich gemacht.

Vormals kritische Stimmen, z. B. seitens des bayerischen Philologenverbands, konnten v. a. durch diese Vorgaben überzeugt werden.

Lehrerin teilt Klassenarbeiten aus
Schülerfeedback kann ein sinnvolles Hilfsmittel für eine Verbesserung des Unterrichts sein. WavebreakMediaMicro – stock.adobe.com

Auch die Rückmeldungen der am Projekt beteiligten Schulen, insbesondere natürlich den Referendarinnen und Referendaren, waren überwiegend positiv:

    • Das Feedback der Schülerinnen und Schüler ist mit wenigen Ausnahmen konstruktiv, überlegt und fair.
    • Das Feedback bietet die Chance, die Unterrichtsqualität zu verbessern und sich selbst weiterzuentwickeln.
    • Schülerinnen und Schüler fühlen sich ernst genommen, was sich positiv auf ihre Lernmotivation und das Selbstwertgefühl auswirkt. Sie lernen eine reflektierte Meinung eigenverantwortlich zu formulieren.
    • Lehrkräfte verstehen ihre Schülerinnen und Schüler besser und berichten von für sie überraschenden Erkenntnissen, z. B. von Schülerinnen und Schülern, die sich strengere Lehrkräfte wünschen oder, dass introvertierte Schülerinnen und Schüler mehr gefordert werden sollen.
    • Es wird auf Aspekte aufmerksam gemacht, die sich mit wachsender Routine langsam eingeschlichen haben.
    • Möglich sind auch Hinweise auf bisher unerkannte Probleme.
    • Lehrerinnen und Lehrer berichten auch von viel Lob, das sonst v. a. von älteren Schülerinnen und Schülern eher selten geäußert wird :)
      Die Möglichkeit, zu erfahren, was besonders gut läuft, ist dabei ähnlich hilfreich wie Kritik und bestärkt Lehrkräfte in ihren Methoden.

Die Sache mit dem Zwang

Ein Punkt, der nach wie vor eher kritisch gesehen wird, ist die von oben diktierte Anordnung zur Einholung der Beurteilungen.

Die Befürchtung bleibt bestehen, dass die Lehrkräfte, die das Feedback nicht umsetzen wollen, es notgedrungen durchführen, aber die Erkenntnisse daraus nicht analysieren und umsetzen.

Zu diesem Ergebnis kam auch die Hattie-Studie: Hattie schloss aus den ihm zur Verfügung stehenden Daten, dass Feedbacks eines der effektivsten Faktoren für eine positive Schülerleistung sind. Ausschlaggebend dafür ist aber u. a., mit welcher Haltung die Lehrkraft dem Feedback begegnet: Nur wer der Meinung der Schülerinnen und Schüler offen gegenübersteht und auf deren Grundlage bereit für Veränderungen ist, kann einen Gewinn für seinen Unterricht aus den Rückmeldungen ziehen.

Wünschenswert wäre es sicherlich, dass sich eine Feedbackkultur auf freiwilliger Basis entwickelt. Denn nur, wer sich einen Überblick über den Ist-Zustand verschafft, weiß auch wo man ansetzen muss, um diesen zu verbessern.

Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler können dabei als Reflexionshilfe zur Verbesserung des Unterrichts und der Weiterentwicklung der Lehrerpersönlichkeit dienen.

Hier haben wir für Sie ein Arbeitsblatt mit Feedbackfragen für Ihre Schülerinnen und Schüler vorbereitet:

Was muss bei der Einholung von Feedbacks von Schülerinnen und Schülern beachtet werden?

Planung

In der Planungsphase sollten Sie für sich verschiedene Fragen beantworten:

    • Zu welchen Themenkomplexen meiner Unterrichtstätigkeit möchte ich Rückmeldungen erhalten?
    • Welchen Zeitraum sollen die Schülerinnen und Schüler dabei beachten?
    • Welche Feedback-Methode ist geeignet?
      In Bayern wird für den Modellversuch zur Erstellung einer Befragung das Infoportal mebis genutzt.
    • Wie bereite ich die Schülerinnen und Schüler vor?
    • Welche Regeln sollen vorab vereinbart werden?

Durchführung

Wichtig ist zunächst, dass auch Ihre Schülerinnen und Schüler sich auf das Feedback einlassen möchten. Die Haltung ist, wie eben schon genannt, wichtig.

Informieren Sie Ihre Klasse darüber,

    • was von erwartet wird, was Sinn und Ziel ist.
    • dass ihre persönliche Meinung gefragt ist, nicht nach der des Sitznachbarn oder das, was Sie aus Schülersicht vielleicht gern hören würden.
    • dass die Umfrage anonym ist.

Auswertung

    • Auszählen der Häufigkeiten der verschiedenen Antworten.
    • Gibt es auffällige Unterschiede zwischen Eigen- und der Außenwahrnehmung Ihrer Schülerinnen und Schüler?
    • Können Sie aus den Antworten sinnvolle Maßnahmen zur Verbesserung des Unterrichts ableiten?
    • Gibt es Antworten, die klärungsbedürftig sind?

Austausch über die Ergebnisse mit der Klasse

Nach der Auswertung ist es sinnvoll, die Ergebnisse, eventuelle Unklarheiten und mögliche aus der Umfrage resultierende Schlüsse und Maßnahmen zu besprechen. Sie zeigen den Schülerinnen und Schülern so, dass Sie ihr Feedback ernst nehmen und es Veränderungen bewirken kann.

    • Welche grundlegenden Erkenntnisse konnten Sie aus der Umfrage ziehen?
    • Was ist noch klärungsbedürftig?
    • Welche Schlüsse ziehen Sie und die Klasse aus den Ergebnissen?
    • Welche Veränderungen sollen angestrebt werden?
    • Welche Maßnahmen können Sie und Ihre Klasse unternehmen, um die kritisierten Punkte zu verbessern?
    • Vereinbarung, dass die Umsetzung der gemeinsamen Ziele zur Verbesserung des Unterrichts nach einer bestimmten Zeit überprüft wird.

2 Feedback-Methoden für Ihren Unterricht: 

Hier stellen wir Ihnen die Feedback-Methode „Sesseltanz“ vor.

Beim Sesseltanz erhalten Schülerinnen und Schüler von Mitschülerinnen und Mitschülern ein kurzes Feedback zu ihren Arbeitsergebnissen:

Die Blitzlichtmethode kann immer dann zum Einsatz kommen, wenn Sie eine kurze Meinungsäußerung von einer Schülergruppe haben möchten.

Nachdenkliche Schülerin
zum Beitrag
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LIGHTFIELD STUDIOS – stock.adobe.com

Weitere Feedback-Ideen hat Christoph auf dem YouTube-Kanal von Betzold:

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Wer schreibt hier?

Bettina Kroker
Online-Redakteurin
Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Anregungen: