Parkourorientierter Sportunterricht
Alles, was Sie brauchen, ist in jeder standardmäßig ausgestatteten Sporthalle vorhanden. Die Geräte werden nur etwas anders, fast vergleichbar mit einer Art Zirkeltraining, angeordnet.
Bevor es aber mit einem kompletten Lauf losgehen kann, müssen sich die Schülerinnen und Schüler erstmal mit den verschiedenen Parkour-Techniken vertraut machen. Dafür sollten Sie eine Doppelstunde einplanen. Es bietet sich an, die Klasse in Gruppen zu etwa fünf Schülerinnen und Schülern aufzuteilen. Jede Gruppe erarbeitet sich eine andere Technik. Es gibt verschiedene Sprünge (Katzensprung, Dash, Lazy, Reverse, Präzi), Techniken, um sich durch eine Lücke hindurchzuschwingen oder sich von einem Gegenstand abzustoßen (Tic Tac) und natürlich muss das Landen und Abrollen geübt werden.
Sicherheit geht vor!
Wie genau Ihr Parkur aussehen soll, ist Ihnen und Ihren Schülerinnen und Schülern überlassen. Nur sicher muss es sein: Die Geräte müssen stabil stehen und sind mit Turn- und Weichbodenmatten gesichert. Die Sicherheit ist ein wichtiger Aspekt beim Parkour.
Allerdings besteht das größte Sicherheitsrisiko weniger im gesicherten Umfeld der Sporthalle, sondern draußen. Den Schülerinnen und Schülern muss klar sein, dass außerhalb der Halle, ohne Matten, andere Regeln gelten und die Übungen dort nicht eins zu eins umgesetzt werden dürfen. Da sie die Sprünge, Balacierübungen und Co. beim Parkour in einem abgesicherten Umfeld üben können, fällt ihnen die Einschätzung von Risiken mit der Zeit leichter.
Inzwischen haben auch einige Schulklassen Videos von parkourorientiertem Sportunterricht auf YouTube veröffentlicht. Hier können Sie sich Varianten des Geräteaufbaus abschauen.
Vor jedem Parkour-Training ist Aufwärmen angesagt! Neben den üblichen Lauf-, Dehn- und Mobilisationsübungen können Sie spezielle Parkour-Aufwärmspiele und -übungen integrieren.
Vom Anfänger zum Könner
Aufgewärmt und mit den wichtigsten Basistechniken vertraut, kann jeder entsprechend seiner Möglichkeiten schnell loslegen. Dabei geht es am Anfang weniger darum, die beeindruckendsten Manöver zu zeigen, sondern um die Entwicklung einer guten Selbsteinschätzung und Körperkontrolle.
Und diese entwickeln sich erst mit zunehmender Praxis und einer langsamen Steigerung des Schwierigkeitslevels. Auch der Körper selbst muss sich erst auf die neuen Bewegungen einstellen.
Beim Parkour müssen sich die Traceure, wie die Parkour-Läufer auch bezeichnet werden, auf ihre Rumpf-, Arm- und Beinmuskulatur verlassen können. Durch das Training werden auch Koordination und Balance sowie die allgemeine Beweglichkeit gefördert. Denn nur wenn die Hindernisse schnell, flüssig und v.a. sicher überwunden werden, entfaltet der Sport seine gesamte kunstvolle Wirkung.
Für Ihre Schülerinnen und Schüler bringt dieser Sport aber noch mehr als Kraft, Kondition und Körpergefühl: Jeder kann Parkour auf seinem eigenen Schwierigkeitslevel betreiben und seine individuellen Stärken durch kreative Ideen bei der Bewältigung der Hindernisse zum Einsatz bringen.
Auch wer vielleicht kein perfektes Handstandabrollen mit gestreckten Zehenspitzen schafft, kann hier glänzen, Erfolgserlebnisse sammeln und sein Selbstbewusstsein stärken.
Info
Parkour hat seit seiner Entstehung in den 1980er Jahren in den Pariser Vororten viele Anhänger gefunden. Für interessierte Sportlehrerinnen und –lehrer hat das den Vorteil, dass es in vielen Orten die Möglichkeit gibt, sich von den Profis fortbilden zu lassen. Bestimmt gibt es auch in Ihrer Nähe geeignete Angebote. Sollte das aber nicht der Fall sein, finden Sie inzwischen auch im Buchhandel speziell für den Sportunterricht ausgelegte Parkour-Übungsbücher.
Dann noch viel Spaß beim kunstvollen Rennen, Springen und Klettern!
Weiterführende Links:
DGUV: Parkour
Andreas und Anna Ruby: Parkour im Schulsport – kreativ und sicher
Sportunterricht.ch: Le Parkour im Schulsport
UKH: Mit Parkour im Sportunterricht die Bewegungskompetenz steigern