Welche Funktionen erfüllt die Lehrerfrage?
Gut gestellte Fragen können im Unterricht die unterschiedlichsten Funktionen erfüllen:
- Wissen vermitteln
- Denkanstöße geben
- zum Nachdenken provozieren
- Zusammenhänge deutlich machen
- die Aufmerksamkeit und Motivation erhöhen
- die Unterrichtsbeteiligung anregen
- das Unterrichtsgespräch im Fluss halten
- den Unterricht lenken
- Lernprozesse präzisieren
- Leistungen von Schülern und Lernfortschritte prüfen
- Vorkenntnisse feststellen
- Gelerntes abfragen und rekapitulieren
- Unterrichtseinstiege gestalten
- Impulse geben
Also kurz gesagt: Lehrerfragen sollen das Lernen fördern.
Nicht jede Lehrerfrage ist eine gute Frage
Die Lehrerfrage hat aber durchaus auch Kritiker, die genau diese lernfördernde Wirkung infrage stellen. Unter bestimmten Umständen kann der Unterricht, insbesondere der fragend-entwickelnde Unterricht, durch zu viele Fragen etwas zäh werden. Oder die Fragen geben keinen Freiraum, um eigene Gedanken zu formulieren. Hier einige Beispiele, die es zu vermeiden gilt:
-
Suggestive Fragen:
Will man eine Lösung aus einem Schülerinnen und Schüler durch geschicktes Fragen herauskitzeln, ist die Gefahr groß, nur noch Suggestivfragen („Denkst du nicht auch, dass …?“) zu stellen. Da diese Fragetechnik sehr einengend und sogar manipulierend sein kann, werden die Schülerinnen und Schüler in der Regel antworten, wie Sie es Ihnen praktisch vorgegeben haben.
Die grauen Zellen bleiben dabei weitestgehend inaktiv. Schlimmstenfalls vermitteln Sie den Schülern so das Gefühl, auf diese Art zu fragen, weil Sie sie für nicht intelligent genug halten.
-
Fragenketten:
Mehrere aufeinanderfolgende Fragen schrecken Schülerinnen und Schüler ab. Es fällt ihnen (und nicht nur ihnen) schwer, sich alles zu merken und abzuarbeiten. Besser darauf verzichten oder die Fragen für alle sichtbar, z. B. an der Tafel, notieren.
-
Fragenvariationen:
Manchmal stellt man eine Frage und merkt schon währenddessen, dass sie den Punkt nicht genau trifft oder zu unklar formuliert ist. Das Mittel der Wahl ist es dann häufig, eine leicht veränderte Formulierung der Frage nachzuschieben. Und ggf. noch eine. Die Schülerinnen und Schüler sind durch einen solchen Fragenregen aber eher verwirrt, als dass ihnen die Antwort klarer wird.
Um präzise zu formulieren, kann es anfangs helfen, sich die wichtigsten Fragen der Stunde vorab zu notieren.
-
Echo-Fragen:
Das als Frage umformulierte Echo einer Schülerantwort erklingt besonders gern, wenn die gegebene Antwort falsch war („Der Frosch ist also ein Reptil?“). Als Lehrerin oder Lehrer möchte man den Schüler/die Schülerin oder auch die Klasse dadurch auf den Fehler aufmerksam machen. Da den Schülerinnen und Schülern bei einer Echo-Frage sowieso klar ist, dass mit der Antwort etwas nicht stimmt, kann man eigentlich gleich darauf verzichten. Besser nachhaken („Wie kommst du zu deiner Entscheidung?“).
-
„Ratet mal, woran ich denke“-Fragen:
Versuchen Sie keine Fragen zu stellen, auf die es viele mögliche Antworten gibt, Sie aber nur eine Bestimmte hören möchten. Für die Schüler ist es frustrierend, eine eigentlich korrekte Antwort zu geben, die nicht richtig honoriert wird, weil es eben nicht genau die ist, die Sie suchen. Besonders zäh und zeitraubend wird es, wenn daraufhin ein Nachbohren nach der „richtigen“ Lösung folgt.
-
Ironische Scheinfragen:
sind im Unterricht fehl am Platz („Und du glaubst, das war gut?“).
-
Angst vor der Stille:
Ist die Frage gestellt und es schnellen nicht sofort Schülerhände nach oben, wächst die Unruhe: War die Frage zu schwer, zu leicht, nicht verständlich formuliert?
Der Drang eine Frage oder Erläuterung hinterherzuschieben wird schnell groß. Ohne es selbst wirklich zu merken, lässt man den Schülerinnen und Schülern oft nur zwei Sekunden Zeit, um über eine Antwort nachzudenken. Für manche Schülerinnen und Schüler ist das einfach zu kurz. Sie müssen erst die Angst überwinden, evtl. etwas Falsches zu sagen oder benötigen einfach etwas Zeit zum Nachdenken. Also besonders bei Denkaufgaben Ruhe bewahren und keine Angst vor ein paar Sekunden Stille :)
Es gibt sicher auch Frage-Talente, aber im Grunde gilt, wie bei jedem Handwerk: Je mehr Erfahrungen Sie sammeln, umso besser klappt es auch mit der passenden Fragetechnik.