Ablauf einer kollegialen Fallberatung
Der Ablauf folgt in der Regel einem strukturierten Schema. Dadurch ist es möglich, den Fall effizient und zielorientiert zu besprechen.
Ein typischer Beratungsprozess gliedert sich in mehrere Phasen und beinhaltet eine klare Rollenverteilung. Dies gewährleistet, dass der Fokus auf dem Fall bleibt und konstruktive Lösungsansätze entwickelt werden können. Je nach Modell ist eine Unterteilung in 6 bis 10 Phasen üblich. Die Dauer einer Fallberatung beträgt je nach Modell in der Regel 45 bis 90 Minuten.
Als Beispiel für einen möglichen Ablauf skizzieren wir die kollegiale Fallberatung nach Kim-Oliver Tietze, die in 6 Schritte gegliedert ist.
Phase 1: Casting/Rollenverteilung
Damit die kollegiale Fallberatung strukturiert abläuft, gibt es klar definierte Rollen, die in der ersten Phase zugewiesen werden:
- Fallgeber/Fallgeberin: die Person, die den Fall einbringt und um Unterstützung bittet
- Beratungsteam: die Kolleginnen und Kollegen, die den Fallgeber mit Fragen und Lösungsansätzen unterstützen
- Moderator/Moderatorin: eine Person, die den Prozess leitet und sicherstellt, dass die Phasen und Zeiten eingehalten werden Der Moderator greift nur lenkend ein und sorgt für einen respektvollen und wertschätzenden Austausch.
Phase 2: Spontanbericht
Der Fallgeber/die Fallgeberin stellt das zu behandelnde Problem oder die Herausforderung ohne Vorbereitung kurz aus eigener Sicht dar. Dabei wird der Hintergrund erläutert, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Wichtig ist, dass die Situation für die anderen Teilnehmenden klar verständlich wird. Die moderierende Person und das Beratungsteam können Verständnisfragen stellen.
Phase 3: Schlüsselfrage
Mit der Schlüsselfrage formuliert der Fallgeber/die Fallgeberin das zentrale Anliegen. Welches Ziel erhofft man sich mit der Fallberatung zu erreichen? Die moderierende Person und die Beraterinnen und Berater können bei der Formulierung der Schlüsselfrage unterstützen. Wie die Schlüsselfrage final formuliert wird, entscheidet der oder die Fallgebende.
Phase 4: Methodenwahl
In dieser Phase wählt der Fallgeber/die Fallgeberin gemeinsam mit dem Beratungsteam die Methode aus, die er bzw. sie für den weiteren Beratungsprozess anwenden möchte. Der Moderator bzw. die Moderatorin kann diesen Vorgang unterstützen und Vorschläge einbringen.
Je nach Situation und Problemstellung können verschiedene Methoden hilfreich sein.
Info
Beispiele für Methoden der kollegialen Fallberatung:
- Brainstorming: Welche Lösungsansätze könnte es geben? Alle Teilnehmenden nennen spontan ihre Vorschläge, ohne sie sofort zu bewerten.
- Das Reflecting Team: In einer kleinen Gruppe spricht das Beratungsteam über den Fall und mögliche Lösungen, während der Fallgeber nur zuhört und nicht eingreift. Dadurch kann er eine distanzierte Perspektive auf die Situation gewinnen und von den Überlegungen der anderen profitieren, ohne direkt involviert zu sein. Nachdem das Reflecting Team seine Diskussion beendet hat, gibt der Fallgeber Feedback und entscheidet, welche Ideen er aufgreifen möchte.
- Perspektivwechsel: Die Beratenden versetzen sich in die Rollen der am Fall Beteiligten. Das hilft dem Fallgeber/der Fallgeberin, das Problem aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten und möglicherweise neue Handlungsansätze zu erkennen.
- Hypothesenbildung: Die Berater formulieren mögliche Hypothesen über die Ursachen des Problems oder über potenzielle Lösungen. Diese Hypothesen werden dann gemeinsam reflektiert und auf ihre Plausibilität und Umsetzbarkeit überprüft. Ziel ist es, tieferliegende Ursachen zu identifizieren und darauf basierend Lösungsansätze zu entwickeln.
- Kollegiales Rollenspiel: Die Beraterinnen und Berater simulieren eine realistische Interaktion, die den Kern des Problems widerspiegelt. Der Fallgeber/die Fallgeberin kann dabei unterschiedliche Reaktionen und Handlungsstrategien testen, um zu sehen, welche Ansätze am besten funktionieren könnten.
Phase 5: Beratung
Nun beginnt die eigentliche Beratungsphase, in der die gewählte Methode angewendet wird. Das Beratungsteam macht Lösungsvorschläge, gibt Denkanstöße oder stellt alternative Perspektiven vor. Die moderierende Person achtet dabei auf den Zeitrahmen, den Bezug zur Schlüsselfrage und die gewählte Methode. Der oder die Ratsuchende nimmt in dieser Phase eine zuhörende Rolle ein. Die Lösungsvorschläge sollten notiert werden.
Phase 6: Abschluss
Der Fallgeber/die Fallgeberin resümiert und reflektiert die erhaltenen Lösungsvorschläge und entscheidet, welche Ansätze hilfreich sein könnten. Er bzw. sie formuliert konkrete nächste Schritte, die er bzw. sie umsetzen möchte. Abschließend bedankt der oder die Fallgebende sich bei der Gruppe.
Mögliche Vorteile
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Persönliche und berufliche Entlastung
Lehrerinnen und Lehrer sind durch die kollegiale Fallberatung in schwierigen Fällen nicht auf sich allein gestellt und können die Schule entspannter verlassen. Damit ist die kollegiale Fallberatung auch wichtig für den Erhalt der Lehrergesundheit.
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Gemeinsame Problemlösung durch Perspektivenvielfalt
Die beteiligten Kolleginnen und Kollegen bringen unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen ein, was oft neue Lösungsansätze eröffnet.
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Förderung von Teamarbeit und Vertrauen im Kollegium
Lehrkräfte profitieren so nicht nur von konkreten Ratschlägen, sondern auch von einem verbesserten Gemeinschaftsgefühl. Die Zusammenarbeit im Team wird gestärkt.
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Reflexion des eigenen Handelns
Denk- und Verhaltensmuster werden bewusst hinterfragt, was zu persönlichem und beruflichem Wachstum führen kann.