Worte sind Fenster …
Marshall B. Rosenberg ist der Gründer der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) und hat Folgendes gesagt:
“Worte können Fenster sein oder Mauern.”
Was er damit sagen wollte ist, dass Worte entweder einladend, freundlich und offen sein können, oder auch wie Mauern, die verletzen, die hart sind und an die das Gegenüber sich stößt. Bei einer gewaltvollen Sprache denken wir zuerst mal an Beleidigungen, Schimpfwörter oder Beschimpfungen. Doch auch “alltagsübliche” und vermeintlich “normale” Aussagen, wie beispielsweise die oben genannten, können verletzend sein, heftige Gefühle oder Gegenwillen auslösen.
Hört ein Kind solche Sätze, fördert das nicht die Motivation. Denn kaum ein Kind springt nach so einem Satz auf, lächelt und kommt zur Einsicht, dass es sich “bessern” muss. Eine typische Reaktion auf solche Sätze beim Kind ist Schmollen, auf Durchzug stellen, in den Gegenwillen gehen oder sogar frech zurückmeckern.
Genau das hat Marshall B. Rosenberg auch erlebt. Denn er wuchs in Detroit mit viel Gewalt auf. Das war der Grund, warum er sich auf die Suche nach Alternativen zur Gewalt gemacht hat. Er studierte Psychologie und war Konfliktmediator und Berater für Schulen, Kindergärten, aber auch in Gefängnissen und in Krisengebieten.
Er benannte folgende Ziele der Gewaltfreien Kommunikation:
- Konflikte lösen, ohne Gewinner oder Verlierer, und dass alle bekommen, was sie brauchen
- eine Verbindung zum Gegenüber herstellen
- einander verstehen und verstanden werden
- sich mit seinen eigenen Bedürfnissen und Gefühlen auseinandersetzen und ausdrücken
- Bedürfnisse hinter dem Verhalten entdecken
- ein offenes Miteinander pflegen
- Lösungen finden
- Versöhnung schaffen
- einfühlen statt verurteilen
Warum ist gewaltfreie Kommunikation wichtig für Kinder?
Die gewaltfreie Kommunikation hilft, eine vertrauensvolle Beziehung zu Kindern aufzubauen. Diese ist notwendig, um den Alltag in Kindergarten und Schule leichter zu machen. Denn Kinder können aus einer liebevollen Beziehung heraus viel leichter kooperieren, sind weniger im Widerstand und nehmen den Pädagogen/die Pädagogin als Führungspersönlichkeit ernst.
Sie ist wertschätzend, einfühlend und rücksichtsvoll. Bei Konflikten werden keine Lösungen aufgezwungen, sondern es wird versucht, mit dem Kind bzw. mit den Kindern Lösungen zu finden.
Marshall B. Rosenberg hat, um die Gewaltfreie Kommunikation zu veranschaulichen, ein Sprachbild eingeführt, das aus der Wolfs- und Giraffensprache besteht. Jedes Tier steht für bestimmte Einstellungen, Werte und Wege, zu kommunizieren.
Während der Wolf zu Verurteilungen, Verletzungen und Beschuldigungen neigt, steht die Giraffe mit ihrem großen Herz und mit einem überschauenden Blick von oben für eine Sprache voller Liebe, Verständnis und Empathie.
Die Gewaltfreie Kommunikation verzichtet auf die Wolfssprache, die vorwiegend aus folgenden Punkten besteht:
- Verurteilungen, Bewertungen, Unterstellungen und Vorwürfen: b Sätze mit “immer”, “schon wieder”, “(nicht) einmal”, “dauernd”, “ständig”, “nur”, “nie”
- Verallgemeinerungen: b Sätze, die mit „man, keiner, jeder, alle“ formuliert sind
- Befehle und Kommandos: bspw. Sätze mit “müssen”
- “Warum”-Fragen
- “Wenn-Dann-Sonst”-Sätze
Warum es sich lohnt, auf die Wolfssprache zu verzichten, liegt auf der Hand:
- Mehr Miteinander statt Gegeneinander: Kinder, die sich wertgeschätzt und sich ernst genommen fühlen, können viel leichter kooperieren.
- Weniger Streit: Konflikte und Diskussionen gehören zum Menschsein dazu. Völlige Konfliktfreiheit wird es demnach nicht geben, schon gar nicht in einem Setting mit vielen unterschiedlichen Persönlichkeiten, wie es in einem Kindergarten oder in einer Schule besteht. Aber durch die gewaltfreie Kommunikation lassen sich im Vorfeld bereits Konflikte vermeiden bzw. sind sie nachhaltiger in den Lösungen. Denn wenn Lösungen gemeinsam erarbeitet werden, werden die Lösungen von allen Beteiligten mitgetragen.
- Psychisch gesunde Kinder: Die Gewaltfreie Kommunikation verzichtet auf Lob, Bestrafung und Belohnung und nimmt Rücksicht auf die Persönlichkeit und Gefühlswelt des Kindes. So kann das Kind seinen Selbstwert entwickeln und erfährt, dass es okay ist und angenommen wird, so wie es ist.
Somit hat die Gewaltfreie Kommunikation deutliche Vorteile. Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein erweckt, man darf gar nichts mehr zu Kindern sagen, wenn sie sich fehlverhalten. Denn das stimmt nicht. Bei der Gewaltfreien Kommunikation geht es sehr wohl auch um den Ausdruck der eigenen Grenzen und Bedürfnisse.