Schüler im Museum
DaZ
Klassenfahrt
Veröffentlichung: 02.04.2026

DaZ: Mit außerschulischen Lernorten Sprachkompetenz fördern

Hier erfahren Sie, wie außerschulische Lernorte den DaZ-Unterricht lebendig und wirksam machen. Entdecken Sie, wie authentische Sprachsituationen Motivation fördern und Sprachhemmungen abbauen – inklusive praktischer Impulse und hilfreicher Materialien zum Download für Planung und Umsetzung.
Barbara Reisacher
Barbara Reisacher
Gastautorin

Monkey Business – stock.adobe.com

In der Methodik und Didaktik des Deutschen als Zweitsprache (DaZ) liest man immer öfter von den „Didaktischen Prinzipien“. Die Umsetzung dieser ist notwendig, um die Schülerinnen und Schüler bei ihrem individuellen Spracherwerbsprozess zu unterstützen.

Wenn man die Prinzipien genauer unter die Lupe nimmt, stößt man auf „Sprachhandeln in authentischen Situationen“. Damit ist gemeint, dass Lernende Sprache einsetzen, um konkrete Dinge im Alltag zu bewältigen – nicht, um eine Übung zu erledigen.

Die Situation gibt demnach vor, was gesagt wird und warum, nicht das Arbeitsblatt. Der Unterschied zum täglichen Unterricht ist also, dass Lernen im Klassenzimmer meist ein Abarbeiten von Übungen bzw. Aufgaben unterschiedlichster Art ist, während in authentischen Situationen Sprache aus einem Handlungsbedarf entsteht.

Außerschulische Lernorte stellen für Lehrende und Lernende eine wertvolle Erweiterung des Unterrichts dar, denn sie fordern dazu auf, Lernen neu zu denken: weg vom ausschließlich unterrichtlichen Setting, hin zu alltagsbezogenen, mehrsprachigkeitssensiblen Lerngelegenheiten. Gerade im DaZ-Kontext bieten sie Möglichkeiten, sprachliches Lernen mit Lebensweltorientierung und Teilhabe zu verbinden.        

Deshalb sind außerschulische Lernorte wichtig für DaZ-Lernende        

Den Unterricht nach außen zu öffnen, bringt zahlreiche Vorteile mit sich:

  • Authentische Sprachsituationen: Sprache wird in realen Alltagssituationen gebraucht, nicht nur geübt, da Lernaufgaben an echte Kommunikationsanlässe angebunden werden können.       
  • Mehrsprachigkeit als Ressource: Alle vorhandenen Sprachen können zur Verständigung genutzt werden.     
  • Hohe Motivation: Lernende erleben Sinnhaftigkeit und einen unmittelbaren Nutzen von Sprache. So kann die Lernbereitschaft gesteigert und eine aktive Beteiligung gesichert werden.     
  • Handlungsorientiertes Lernen: Die Sprachanwendung ist mit konkretem Tun verknüpft, was ein nachhaltiges und erfahrungsbasiertes Lernen fördert.     
  • Förderung von Sprachhandeln: Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben greifen funktional ineinander – Sie ermöglichen Ihren Lernenden also eine ganzheitliche Sprachförderung.      
  • Lebensweltbezug: An die Alltagserfahrungen der Lernenden wird angeknüpft.    
  • Soziale Teilhabe: Lernende agieren selbstständig in öffentlichen Räumen.       
  • Abbau von Sprachhemmungen: Fehler werden weniger stark als Defizit erlebt. Zudem lernen die Schülerinnen und Schüler, dass der Mut zur Kommunikation trotz begrenzter Sprachmittel belohnt wird.       
  • Kulturelle Orientierung: Kennenlernen gesellschaftlicher Strukturen und Routinen. Dies unterstützt die Integration und Orientierung im Sozialraum.            

Was muss ich grundlegend bei der Planung und Organisation beachten? 

Die Planung und Organisation vorab sind entscheidend für das Gelingen einer Verlagerung des „Unterrichts“ an einen außerschulischen Lernort. 

Im Blogbeitrag „Exkursionen planen“ erhalten Sie wertvolle Tipps zur Planung und Organisation. Zusätzlich finden Sie eine vorgefertigte Checkliste und einen vorformulierten und einen bearbeitbaren Elternbrief zum Download.     

Wie bereite ich meine DaZ-Schülerinnen und -Schüler inhaltlich auf den außerschulischen Lernort vor? 

Außerschulische Lernorte eröffnen viele Sprechanlässe und praktische Erfahrungen – doch damit Ihre Schülerinnen und Schüler diese Chancen nutzen können, ist eine sorgfältige Vorarbeit im Unterricht entscheidend, die Sprache, Aufgaben und Abläufe vorbereitet. Die folgenden Möglichkeiten bieten sich an:        

  • Wortschatzarbeit: Schlüsselbegriffe zum Lernort einführen, Bildkarten/Realgegenstände zur Veranschaulichung einsetzen, Wörter in Kategorien ordnen und Beziehungen herstellen, Wortschatz immer wieder üben und intensivieren        
  • Redemittel einüben und vertiefen: Typische Sätze und Wendungen trainieren, die am Lernort gebraucht werden (z. B. „Ich hätte gern …“, „Wo finde ich …?“, „Können Sie mir bitte helfen, ich suche …“) und auch Reaktionen auf mögliche Rückfragen üben (z. B. „Welche Sorte möchten Sie?“)      
  • Simulationen und Rollenspiele: Abläufe des geplanten Lernorts nachstellen (z. B. Kaufvorgang im Supermarkt, Ticket am Bahnhof, Nachfragen im Zoo), Rollenspiele mit unterschiedlichen Rollen vorab üben (z. B. Verkäufer/Verkäuferin und Kunde/Kundin) und Dialogübungen in Partnerarbeit oder Kleingruppen durchführen, um praktische Sprachsituationen zu simulieren      
  • Hör- und Lesetexte einbeziehen: Informationstexte über den Lernort, Abläufe oder Besonderheiten vorbereiten (z. B. kurze Texte über Tiere oder Berufe), Hörtexte nutzen, um das Hörverstehen zu trainieren, Verständnisfragen stellen („Was habe ich verstanden?“ oder „Welche Informationen sind wichtig?“), das Gehörte in eigenen Worten aufschreiben oder mündlich wiedergeben       
  • Austausch und Gruppenarbeit: Vorab über Meinungen und Erwartungen sprechen („Was möchte ich sehen?“ und „Was interessiert mich besonders?“), notieren wichtiger Wörter, die am Lernort sicherlich gebraucht werden, und grob überlegen, wie die Nachbereitung aussehen soll           
*Angebote gültig bis 21.06.2026. Nur solange der Vorrat reicht.

Tipps für außerschulische Lernorte im Kontext Ihres DaZ-Unterrichts

Außerschulische Lernorte eröffnen vielfältige Möglichkeiten, Sprache lebendig und handlungsorientiert zu erleben. Welcher Ort sich dabei am besten eignet, hängt oft vom aktuellen Thema oder Lernziel ab.

Ob beim Erkunden der Umgebung, beim Beobachten, Nachfragen oder aktiven Handeln – Lernende können Sprache direkt in realen Situationen einsetzen.

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an Ideen für außerschulische Lernorte, ergänzt um mögliche konkrete Aktivitäten, die sich sowohl für die Primar- als auch die Sekundarstufe eignen. So können Sie Ihren Unterricht praxisnah erweitern und Ihre Sprachenlernerinnen und Sprachenlerner gezielt beim Sprachhandeln unterstützen. Wichtig ist, dass Sie bei der Planung den Sprachstand, das Alter und die Motivation Ihrer Lerngruppe im Blick haben. 

1. Die städtische Bibliothek aufsuchen:

Dieser Ort eignet sich besonders für DaZ-Lernende, weil er Sprache, Lesekompetenz und Alltagsorientierung miteinander verbindet.

Möglichkeiten in der Bibliothek:

  • Bücher und Medien benennen (Bilderbücher, Kinderbücher, Hörbücher, CDs, …)
  • Ausleihe und Rückgabe von Medien durchführen
  • Fragen zu Medien oder Angeboten stellen („Haben Sie Bücher über …?“)
  • Wegbeschreibungen innerhalb der Bibliothek verstehen („Wo finde ich …?”)
  • Informationen auf Schildern oder Regal-Etiketten lesen
  • Lieblingsbücher /-medien vorstellen
  • Lese- und Hörmaterialien auswählen und vergleichen
  • Notizen zu gelesenen Texten machen
  • Bibliotheksregeln verstehen und anwenden        

2. Besuch des Wochenmarktes:

Der Wochenmarkt ist ein besonders lebendiger und sprachintensiver außerschulischer Lernort. Hier begegnen Schülerinnen und Schüler authentischer, spontaner Kommunikation in einem überschaubaren und zugleich vielfältigen Setting.

Für Kinder und Jugendliche, die die deutsche Sprache erlernen, ergeben sich zahlreiche sprachliche Handlungsmöglichkeiten:

  • Obst/Gemüse/andere Produkte benennen
  • Gewichte verwenden („ein Kilo“, …)
  • Preise erfragen und verstehen
  • Zahlen sicher anwenden, Bestellungen formulieren („Ich hätte bitte gern …“)
  • nach der Herkunft und Qualität fragen („Woher kommen die Erdbeeren?“)
  • auf Rückfragen reagieren
  • Unterschiede beschreiben (frisch/reif, süß/sauer, regional/importiert)
  • Produkte vergleichen
  • kurze Gespräche mit Verkäuferinnen und Verkäufern führen
  • Beobachtungen notieren und später berichten
  • die Einkaufssituation als Rollenspiel vorbereiten und reflektieren

3. Den Supermarkt aufsuchen:

Der Supermarkt ist ein zentraler außerschulischer Lernort für DaZ-Lernende, weil er viele Alltagssituationen mit direktem Sprachgebrauch bietet. Schülerinnen und Schüler können dort Sprache funktional einsetzen und gleichzeitig ihre Selbstständigkeit im Alltag stärken.

Möglichkeiten zum Sprachgebrauch:

  • Produkte benennen (Obst, Milchprodukte, Gemüse, Snacks, …)
  • Gewichte, Mengen und Preise verwenden („ein Kilo“, „zwei Packungen“, „3,50 Euro“)
  • Preise vergleichen und Sonderangebote erkennen
  • nach Produkten fragen („Entschuldigen Sie, wo finde ich …?“)
  • auf Rückfragen reagieren
  • Verpackungen/Etiketten und Hinweise lesen
  • Unterschiede beschreiben (z. B. groß/klein)
  • kurze Gespräche mit Mitarbeitenden führen
  • Beobachtungen notieren und berichten
  • eine Einkaufssituation als Rollenspiel vorbereiten und durchführen         

4. Religiöse Orte erkunden:

Religiöse Orte wie Kirchen, Moscheen oder Synagogen sind wertvolle außerschulische Lernorte für DaZ-Lernende, weil sie kulturelle, soziale und sprachliche Lerngelegenheiten miteinander verbinden. Schülerinnen und Schüler können dort Sprache in authentischen Situationen erleben und gleichzeitig Einblicke in kulturelle und gesellschaftliche Strukturen erhalten. Darüber hinaus ermöglicht ein Besuch von religiösen Orten die Möglichkeit, Respekt, interkulturelles Verständnis und Toleranz zu erleben.

Die folgenden sprachlichen Handlungsmöglichkeiten sind denkbar:

  • Räume und Gegenstände benennen (z. B. Altar, Minarett, Kerzen, Gebetsraum, Teppich, …)
  • Rituale und Abläufe beschreiben („Hier beten die Menschen.“
  • „In diesem Buch sind viele wichtige Geschichten und Lieder, die man singt.“)
  • Fragen zu Abläufen/Symbolen oder Traditionen stellen
  • Eindrücke schildern
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen religiösen Orten beschreiben
  • an Führungen teilnehmen
  • Beobachtungen dokumentieren und anschließend darüber berichten         

5. Den Zoo/Tierpark besuchen:

Schülerinnen und Schüler können dort aktiv handeln, beobachten und kommunizieren.

Sprachliche Handlungsmöglichkeiten sind:

  • Tiere benennen und deren Eigenschaften beschreiben (Größe, Farbe, Lebensraum)
  • Unterschiede zwischen den Tieren feststellen (groß/klein, Raubtier/Beutetier, Säugetier/Vogel)
  • Beobachtungen eigenständig formulieren („Der Löwe liegt in der Sonne.“)
  • Fragen zu Verhalten, Ernährung oder Lebensraum stellen
  • Informationen auf Schildern und Tafeln lesen
  • wenn möglich kurze Gespräche mit Mitarbeitenden führen
  • Tiere vergleichen und kategorisieren
  • Exponate oder Gehege beschreiben
  • Beobachtungen notieren und anschließend darüber berichten
  • Tierarten nach Herkunft oder Besonderheiten einordnen          

6. Erkundung des örtlichen Bauernhofs:

Der Bauernhof ist ein geeigneter außerschulischer Lernort für DaZ-Lernende, denn er bietet viele praxisnahe, handlungsorientierte Situationen. Ihre Schülerinnen und Schüler können dort Sprache aktiv anwenden, beobachten und mit allen Sinnen lernen.

Diese sprachlichen Handlungsmöglichkeiten sind denkbar:

  • Tiere benennen und deren Eigenschaften beschreiben
  • Aufgaben auf dem Bauernhof beschreiben und auch durchführen (füttern, Ställe reinigen, Tiere an der Leine führen, …)
  • Pflanzen und Gemüse benennen
  • Beobachtungen formulieren („Die Kuh frisst Gras.“)
  • Fragen zur Arbeit, zu den Tieren oder Pflanzen stellen („Was fressen die Hühner?“)
  • Arbeitsabläufe beobachten und in eigenen Worten wiedergeben
  • Werkzeuge und Maschinen benennen
  • kurze Dialoge mit Mitarbeitenden oder den Landwirten und Landwirtinnen führen
  • Notizen zu Beobachtungen machen und diese anschließend im Klassenzimmer verbalisieren
  • Lieblingstiere vorstellen
  • Abläufe auf einem Bauernhof kennenlernen 
     

7. Aktivitäten bezogen auf den öffentlichen Verkehr:

Aktivitäten im öffentlichen Verkehr, wie Bus- oder Bahnfahrten, sind alltagsnahe Lernorte für DaZ-Lernende. Sie verbinden Sprachpraxis mit Orientierung und Selbstständigkeit im Alltag.

Mögliche Aktivitäten sind:

  • Fahrpläne lesen und Abfahrtszeiten verstehen
  • Haltestellen und Linien benennen
  • Fahrkarten am Automaten kaufen
  • Preise und Ticketarten vergleichen
  • nach Verbindungen fragen („Entschuldigen Sie, wie komme ich nach …?“)
  • Wegbeschreibungen verstehen und geben
  • Änderungen oder Verspätungen verstehen und darauf reagieren
  • Schilder und Symbole lesen
  • Beobachtungen während der Fahrt notieren
  • Gesprächssituationen üben (z. B. nach dem Aussteigen nach dem weiteren Weg fragen)        
   

8. Ein Museum/eine Ausstellung besuchen:

Eine Ausstellung oder ein Museum ist ein ergiebiger außerschulischer Lernort, weil hier Beobachtung, Austausch und inhaltliches Lernen eng miteinander verbunden sind.

Möglichkeiten des Sprechhandelns sind:

  • Exponate/Bilder beschreiben
  • Farben/Formen/Materialien und Details sprachlich erfassen
  • Vermutungen äußern („Ich denke, dass …“)
  • Fragen zu Inhalten stellen
  • Informationstafeln lesen
  • Audioguides und Erklärungen verstehen
  • Eindrücke und Meinungen formulieren („Mir gefällt …, weil …“)
  • Unterschiede zwischen Exponaten vergleichen
  • eine Führung mitmachen (auf das Alter der Schülerschaft angepasst)  
         

9. Eine Postfiliale aufsuchen:

Die Postfiliale ist ein alltagsrelevanter außerschulischer Lernort, da hier viele formelle und funktionale Kommunikationssituationen stattfinden.

Sprachliche Handlungsmöglichkeiten sind:

  • Briefe/Postkarten/Pakete benennen
  • Absender- und Empfängerangaben verstehen
  • Formulare lesen und ausfüllen, ein Paket aufgeben
  • nach Preisen und Versandarten fragen
  • Gewichte und Maße verstehen
  • eine Wartesituation sprachlich bewältigen
  • Anliegen versprachlichen („Ich möchte diesen Brief verschicken.“)
  • auf Rückfragen reagieren
  • Öffnungszeiten und Hinweisschilder lesen
  • Unterschiede zwischen Postsystemen verschiedener Länder vergleichen      
 

10. Besuch des zuständigen Rathauses/Bürgerbüros:

Das Rathaus bzw. Bürgerbüro ist ein bedeutsamer außerschulischer Lernort, da hier zentrale institutionelle Abläufe und demokratische Strukturen sichtbar werden.

Sprachliche Möglichkeiten:

  • Räume und Funktionen benennen (der Wartebereich, die Anmeldung, die Information, …)
  • Anliegen formulieren („Ich möchte mich anmelden.“, „Wir ziehen um und möchten uns ummelden.“)
  • Formulare lesen und verstehen
  • Persönliche Daten korrekt angeben
  • Fragen zu Abläufen stellen
  • Hinweisschilder und Nummernsysteme verstehen
  • Öffnungszeiten und Zuständigkeiten recherchieren
  • Gespräche mit Mitarbeitenden vorbereiten und durchführen
  • Fachbegriffe aus dem Verwaltungsbereich kennenlernen
  • Abläufe beobachten und beschreiben
  • Rechte und Pflichten thematisieren
  • angebotene Dienstleistungen für Bürgerinnen und Bürger kennenlernen
  • Unterschiede zwischen Behördenstrukturen verschiedener Länder herausarbeiten           

11. Außerschulischer Lernort Bahnhof/Bushaltestelle:

Der Bahnhof und die Bushaltestelle sind sehr alltagsnahe außerschulische Lernorte, weil sie für Mobilität, Selbstständigkeit und Orientierung im öffentlichen Raum stehen.

Für Schülerinnen und Schüler, die Deutsch lernen, ergeben sich dort zahlreiche konkrete sprachliche Handlungsmöglichkeiten:

  • Fahrpläne lesen
  • Abfahrts- und Ankunftszeiten verstehen
  • Uhrzeiten korrekt verwenden und vergleichen
  • Gleise, Haltestellen und Linien benennen
  • Durchsagen hören und wichtige Informationen herausfiltern
  • geeignete Tickets auswählen
  • Preise vergleichen
  • nach Verbindungen fragen („Wie komme ich von ... nach …?“)
  • Wegbeschreibungen verstehen und geben
  • Verspätungen oder Änderungen verstehen
  • Schilder und Symbole deuten
  • Beobachtungen dokumentieren und anschließend berichten
 

12. Betriebe oder Werkstätten erkunden (Berufsorientierungsmaßnahme):

Die Erkundung von Betrieben oder Werkstätten ist ein gewinnbringender außerschulischer Lernort, vor allem für ältere Schülerinnen und Schüler. Hier wird Sprache mit beruflicher Orientierung und realen Arbeitsprozessen verknüpft. Darüber hinaus gewinnen unsere Sprachenlernerinnen und -lerner Einblicke in reale Arbeitswelten und entwickeln ein besseres Verständnis für berufliche Perspektiven.

Handlungsmöglichkeiten sind:

  • Berufe und Tätigkeiten benennen
  • Arbeitsabläufe beschreiben („Zuerst …, dann …, danach …“)
  • Werkzeuge und Materialien benennen
  • Fragen zu Aufgaben und Ausbildung stellen
  • Interviews mit Mitarbeitenden (Praktikanten oder Auszubildende) vorbereiten und durchführen
  • Beobachtungen notieren und anschließend berichten
  • Fachbegriffe kennenlernen und im Kontext verwenden
  • Unterschiede zwischen verschiedenen Berufsbildern beschreiben
  • Anforderungen und Voraussetzungen für Berufe besprechen
  • eigene Interessen und Stärken formulieren
  • ein Praktikum oder eine Ausbildung thematisieren 

13. Eine Stadtrallye machen/Erkundung des Wohnumfelds der SuS:

Das Wohnumfeld ist ein besonders wirkungsvoller außerschulischer Lernort, weil es direkt an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anknüpft.

Für Kinder und Jugendliche, die die deutsche Sprache erlernen, eröffnen sich dort vielfältige sprachliche Handlungsmöglichkeiten:

  • Gebäude und Orte benennen (Schule, Spielplatz, Supermarkt, Apotheke usw.) und beschreiben (groß/klein, laut/ruhig, neu/alt)
  • Beobachtungen formulieren („Hier gibt es viele …“)
  • Fragen stellen („Wo ist …?“, „Was bedeutet …?“)
  • Treffpunkte vereinbaren
  • Lieblingsorte vorstellen und begründen
  • Unterschiede zwischen Herkunftsort und aktuellem Wohnort beschreiben  
       

14. Gebäck für das Klassenfrühstück in der örtlichen Bäckerei abholen:

  • Produkte benennen („Brötchen“, „Brot“, „Kuchen“, „Teilchen“)
  • Mengen und Zahlen verwenden („ein halbes Brot“)
  • Preise lesen und verstehen
  • einen Bestellvorgang durchführen
  • Höflichkeitsformen anwenden („Ich hätte bitte gerne …“)
  • auf Rückfragen reagieren
  • Preise vergleichen
  • das Lieblingsgebäck beim Namen kennen          
 

15. Erkundung des örtlichen Jugendzentrums:

Das Jugendzentrum soll als zentraler Begegnungsort im Sozialraum unserer Schülerinnen und Schüler kennengelernt werden, in dem Kontakte zu Gleichaltrigen außerhalb des schulischen Kontextes entstehen, das Zugehörigkeitsgefühl gestärkt wird, Sprechhemmungen abgebaut werden können, Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit gefördert werden und Sprache in authentischen Alltagssituationen angewendet werden kann.        

Zurück in der Schule und dann? Tipps für eine gelungene unterrichtliche Nachbereitung 

Die Nachbereitung sollte sprachlich aktiv, kreativ und reflexiv sein. Ziel ist, dass Lernende ihre Erfahrungen verarbeiten, neues Vokabular festigen und Sprachhandlungen vertiefen – damit der außerschulische Lernort nachhaltig wirkt. 

In Ihrem Unterricht könnte dies folgendermaßen aussehen: 

  • Sprachliche Reflexion: Die Lernenden berichten von ihren Beobachtungen und Erlebnissen, führen kurze Präsentationen durch, wiederholen neue Wörter/Redewendungen/Fachbegriffe oder nutzen gemachte Fotos vom Lernort, um sprachliche Beschreibungen zu üben.   
  • Schreibaufgaben und Dokumentation: Die Schülerinnen und Schüler schreiben kleine Berichte oder Beobachtungsprotokolle, erstellen Mindmaps zu den wichtigsten Eindrücken oder gestalten Plakate, Collagen oder kleine Portfolios, um Erlebtes festzuhalten.  
  • Aufgabenorientierte Übungen: Im Plenum werden Fragen aus der Vorbereitungsphase noch einmal aufgegriffen und gemeinsam beantwortet. Auch Rollenspiele können im Anschluss an den Besuch eines außerschulischen Lernortes nachgestellt werden (z. B. der Einkauf im Supermarkt).  
  • Reflexion und Diskussion: Die Schülerinnen und Schüler reflektieren in Einzelarbeit oder direkt im Klassenverband, was neu war. Zudem können die Erwartungen vor dem Besuch mit den tatsächlich gemachten Erfahrungen verglichen werden. Wichtig ist es, dass ein Austausch stattfindet (über die eigene Meinung, Eindrücke oder Lieblingsaspekte).       
  • Sprachförderung in Gruppenarbeit: Ihre Schülerinnen und Schüler können sich gegenseitig zu den Erlebnissen interviewen (in Partner- oder Kleingruppenarbeit). Die Ergebnisse werden dann im Klassenverband präsentiert.         

Die genannten Ideen stellen lediglich eine Auswahl dar – je nach Lerngruppe, Sprachniveau und Lernort eröffnen sich noch weitere Möglichkeiten, die Nachbereitung individuell und kreativ zu gestalten. Es braucht mitunter etwas Zeit und Erfahrung, bis wir Lehrkräfte die Methoden finden, die zur eigenen Lerngruppe, dem Unterrichtsstil und zum jeweiligen Lernort am besten passen.                    

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Wer schreibt hier?

Ich heiße Barbara Reisacher und bin Lehrerin an einer Mittelschule im schönen Bayern. Mein studiertes Hauptfach an der Universität Augsburg war Deutsch als Zweitsprache. Während meines Referendariats durfte ich erste Erfahrungen in einer Übergangsklasse sammeln und das theoretisch Gelernte in der Praxis anwenden. Im Moment bin ich Klassenleitung einer Deutschklasse und bereite parallel die SchülerInnen der 9. Klasse auf ihre Abschlussprüfung im Fach DaZ vor. In meiner täglichen Arbeit habe ich also sowohl mit Sprachanfängern, als auch mit fortgeschrittenen Sprachenlernern zu tun.