Was ist der spielzeugfreie Kindergarten?
In der spielzeugfreien Zeit werden für einen bestimmten Zeitraum alle Spielzeuge, Kuscheltiere, Bücher und Malutensilien aus der Einrichtung entfernt. Alles „Vorgefertigte“ wird aus dem Alltag verabschiedet – seien es angebotene Aktivitäten oder eben Spielzeug. Manche Kindergärten und Kitas räumen, gemeinsam mit den Kindern, alles in Kisten und lagern diese außerhalb der Spielbereiche. Andere hängen die Regale im Gruppenraum mit Decken ab und belassen das Spielzeug an seinem Ort.
Das Spielzeugfasten wird oft in Verbindung mit der Fastenzeit im christlichen Glauben kombiniert und kann in der Zeit zwischen Aschermittwoch und Karsamstag durchgeführt werden.
Gespielt wird in der darauffolgenden Zeit lediglich mit Alltagsgegenständen, Möbeln und Fundstücken aus der Natur. Wichtiger Bestandteil des Konzepts ist somit auch der regelmäßige Ausflug in die Natur.
Die Rolle der Erzieherinnen und Erzieher ändert sich für diese Zeit ebenfalls. Die Kinder sollen in der spielzeugfreien Zeit eigene Spielideen verwirklichen, denen die pädagogischen Kräfte zwar mit Hilfestellungen zur Seite stehen, allerdings nicht aktiv in das Spielgeschehen eingreifen.
Der komplette tägliche Ablauf wird für die vorher festgelegte Zeit aufgehoben und jeden Tag neu gestaltet. Das gemeinsame Essen fällt weg – jeder kann in der spielzeugfreien Zeit frei entscheiden, wann er etwas essen möchte. Dies geschieht, um den Spielfluss nicht durch gezwungene Abläufe zu unterbrechen.
Die optimale Dauer beträgt 12 Wochen.
Was sind die Förderziele der spielzeugfreien Zeit?
Durch das – aus dem Fehlen des Spielzeugs heraus – entstehende Spiel ergeben sich viele Vorteile. Frei nach dem Erfinder des Kindergartens, Friedrich Fröbel, ist Spiel die höchste Form der Kindesentwicklung. Förderprogramme und Bildungsangebote drängen die Zeit für freies und kreatives Spiel im Kindergarten immer weiter zurück.
Doch gerade im spielzeugfreien Spiel werden Kinder in den großen Kernbereichen gefördert:
- Kreativität und Fantasie
- Kommunikation und Sozialverhalten
- Selbstbewusstsein
Das Miteinander und die Kommunikation stehen auch ganz ohne Spielzeug bei Rollenspiel, Bewegungsspiel oder bei Bauprojekten im Fokus. Die Kinder sprechen Spielaktionen miteinander ab, fragen sich gegenseitig um Hilfe und entwickeln neue soziale Netze und Strukturen. Konflikte untereinander werden von den Kindern selbst bewältigt. Allerdings gilt auch hier, wie bei potenziellen Gefahren, ein Eingreifen der Pädagogen ist dann erforderlich, wenn es von den Kindern gewünscht ist bzw. wenn die Kinder nicht zu einer Lösung des Konfliktes gelangen.
Die Gesprächskreise, bei denen die Gruppe immer wieder zusammenkommt, unterstützen den Austausch und das soziale Wachstum und geben auch den Erzieherinnen und Erziehern die Gelegenheit, bestimmte Beobachtungen mit den Kindern zu reflektieren.