Formelle und informelle Gruppen
Großgruppen können kein auf Freundschaft und Sympathie basierendes soziales Gebilde sein. Eine Klasse oder Kita-Gruppe ist keine Freundschaftsgruppe, die sich freiwillig und spontan bildet, sondern sie werden nach formalen Merkmalen, häufig das Einzugsgebiet, der Wohnort, Busfahrende, Anzahl Jungen und Mädchen usw., zusammengefasst. Die so entstehenden Gruppen werden als formelle/formale Gruppen bezeichnet (vgl. Joas & Steffen, 2020).
Die sich innerhalb dieser bzw. aus den Großgruppen bildendenden Sub-Gruppen, sind sich auf freiwilliger Basis bildende Freundschaftsgruppen und Cliquen, werden als informelle Gruppen bezeichnet.
An dieser Stelle wird ein weiterer Unterschied zwischen einer Klasse und Kitagruppen deutlich. Eine Klasse besteht aus einer formellen Gruppe (ggf. werden noch weitere formelle Gruppen gebildet, wenn die Klasse z. B. für den Kunst- oder Sportunterricht geteilt wird), z. B. die 1a, und mehreren Freundschaftsgruppen; wohingegen in Kitas mindestens drei formelle Gruppen, die neuen Kinder, die Mittelkinder und die Vorschulkinder sowie mehrere Spielgemeinschaften, existieren.
Gruppensituationen
Die in Gruppen entstehende Situation ist abhängig von der Art und dem Umgang der Sub-Gruppen, wie oben beschrieben, zueinander und vom Verhalten der einzelnen Mitglieder untereinander.
In Freundschaftsgruppen/Cliquen (informellen Gruppen), die auf der Grundlage von Sympathie freiwillig gebildet werden, entstehen Emotionen, Gefühle der Harmonie und Zugehörigkeit, aber auch Konflikte. Beides ist notwendig, damit Entwicklung gemäß des systemischen Verständnisses stattfinden kann (vgl. Piagets Akkomodation und Äqualibrationsprinzip (Piaget, 1998) und systemische Pädagogik (Mosell, 2016)). Wenn die Harmonie oder die Routine in Gruppen so ausgeprägt ist, dass keine Konflikte und Veränderungen mehr entstehen, spricht man von einem „Wärmetod“.
Das Verhalten der Individuen könnte durch die Rollentheorien erklärt werden. Häufig werden die Funktionsrollen nach Schindler (vgl. Schindler, 1969) herangezogen. Empfehlenswert, da eher der systemischen Betrachtungsweise entsprechend, ist jedoch das dynamische Rollenmodell nach Krappmann (vgl. Krappmann, 2000 und König & Schattenhofer, 2020 ab S. 49); hier kann das Teilthema nur kurz Erwähnung finden. Grundsätzlich kann davon ausgegangen werden, dass menschliches Verhalten durch deren Bedarfe bestimmt ist.
Gruppensituationen ergeben sich jedoch auch aus dem Verlauf der Phasen, welche vom Start- zum Endpunkt/zur Auflösung einer Gruppe durchlaufen werden. Wobei sich letztendlich auch deren Inhalte durch die Bedarfe der Gruppenmitglieder ergeben.