Wer streitet?
Definiert man Streit als offen ausgetragenen Konflikt oder eine Auseinandersetzung zwischen zwei oder mehr Individuen, oder als eine eskalierte Meinungsverschiedenheit, die neben (oft) lautstarken Worten auch Handgreiflichkeiten enthalten kann, dann fängt das Streiten bereits ein paar Monate nach der Geburt an. Babys, Kleinkinder, Kinder, Teenager, Erwachsene und ältere Menschen – alle streiten. Die einen tun dies mehr, die anderen weniger. Warum das so ist, erklärt der Punkt „Wie wird gestritten?“
Warum wird gestritten?
Die Gründe für Streit unter Kindern können ganz vielfältiger Natur sein: das Durchsetzen von Besitzansprüchen (u. a. bei Spielzeug), Ausdruck von Bedürfnissen (Abgrenzung, Benachteiligungen, Ausdruck der eigenen Kraft, Erlernen des Durchsetzungsvermögens und der Frustrationsgrenze), eine unterbrochene Handlung (somit kann weder die Konzentration noch die Neugier weiter eingesetzt werden) und sogar Langeweile kann ein Grund für die Suche nach einer Abwechslung in Form von Streit/einer Auseinandersetzung sein.
Wie wird gestritten?
Auch im Kindesalter gibt es bereits unterschiedliche Streittypen – die natürlich auch durch die Streitkultur im eigenen Zuhause beeinflusst werden. Es gibt also Kinder, die Streit vermeiden und sich physisch aus der Situation entfernen. Andere Kinder bleiben zwar nah am Streitgeschehen, äußern ihren eigenen Standpunkt aber nicht. Und wieder andere weisen in einem Konflikt jegliche Punkte von sich. Zum Schluss bleiben dann noch alle, die in einem Konflikt laut und manchmal auch ausfallend werden. Voraussetzung für diese Streittypen ist natürlich die entsprechende Entwicklung der Sprachfähigkeit. Ist diese noch nicht gegeben, kann es durch aus häufig zu körperlichen Übergriffen (beißen, Haare ziehen, kneifen) kommen, da die situationsbezogene Frustration zu Beginn der Entwicklung in der Konfliktfähigkeit durchaus auch so verarbeitet wird. Als effektivstes Kommunikationsmittel hat sich die Verwendung von Ich-Botschaften, die das eigene Empfinden wiedergeben, in der responsiven Konfliktbegleitung etabliert (Ich beobachte, dass … - Daher fühle ich mich so …. – Das bedeutet … – Das wünsche ich mir ….)
Gibt es Streitregeln?
Das Festlegen von Streitregeln macht nicht nur für Kinder Sinn, auch unter Erwachsenen sorgen feste Regeln dafür, dass emotionale und körperliche Grenzen geachtet werden. Die oberste Regel sollte also immer lauten „Keine Gewalt, weder körperlich noch seelisch“. Auch der Rückzug eines Streitpartners ist ok und sollte geachtet werden. Nicht die lautesten oder die stärksten Streitpartner setzen ihre Lösung durch – eine faire Lösung, im besten Fall ein Kompromiss sollte, wenn möglich, angestrebt werden.
Wie wird ein Streit am besten beendet?
Bevor ein Streit beendet werden kann, steht die Aufarbeitung der Konfliktsituation im Vordergrund. Droht der Streit zwischen den Kindern zu eskalieren, sollte die pädagogische Fachkraft die Kinder auf dem Weg zu einer Lösung begleiten. Hierzu werden erst einmal die aktuellen Gegebenheiten erfasst: Welche Kinder sind an dem Streit beteiligt? Was ist die Grundlage der Konfliktsituation? Gibt es bereits Lösungsansätze? Die beteiligten Kinder werden, wenn sie dazu bereit sind, an einem ruhigeren Ort zu einem Gespräch ermuntert, in dem das Ziel natürlich nicht ein Schuldeingeständnis oder das Festlegen von Gewinner oder Verlierer sein sollte. Jede Streitpartei sollte Gehör finden und auch die andere Seite hören. Ist diese offene Kommunikation geübt und etabliert, fällt es Kindern in der Regel leicht, zu einem Kompromiss oder einer Lösung zu kommen.