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Ist Ihre Schule fit für den Unterricht mit digitalen Medien und Technologien?

Welche Voraussetzungen müssen Schulen erfüllen, um digitale Werkzeuge in den Unterricht zu integrieren?

„Wenn in ganz Deutschland das Internet ausfällt, werden die Schulen die einzigen sein, die normal weiterarbeiten können“
(Blog „Digitalisierung der Bildung“)

Schulunterricht soll digitaler werden – so lautet die größtenteils einhellige Meinung. Trotzdem hakt es nach wie vor an mehreren Stellen, obwohl die obige Aussage inzwischen zum Glück als „überspitzt“ oder wie in der Quelle des Zitats als „launiger Spruch“ zu bezeichnen ist.

Eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) zur Digitalisierung und digitalen Ausstattung unter mehr als 1200 Schulleitungen, die im Mai 2019 veröffentlicht wurde, zeigte aber, dass viele Schulen noch nicht fit für das große Thema Digitale Bildung sind.

Doch welche Voraussetzungen müssen Schulen erfüllen, um digitale Werkzeuge sinnvoll im Unterricht einsetzen zu können?

Ist Ihre Schule fit für den Unterricht mit digitalen Hilfsmitteln?

Erfüllt Ihre Schule bereits die wichtigsten Voraussetzungen für digitalen Unterricht oder sind Sie nach wie vor auf Overheadprojektor, Fernsehgerät und CD-Player angewiesen?

Ausstattung für Unterrichtsräume:

Die Grundvoraussetzung für eine gute Ausstattung der Schulen stellt die Finanzierbarkeit von digitalen Werkzeugen für den Unterricht dar. Der Digitalpakt, der mit dem Schuljahr 2019/2020 langsam anläuft, kann voraussichtlich nur eine erste Anschubfinanzierung leisten. Wichtig wäre es, dass die Politik das Thema nicht aus dem Blick verliert.

Nötige Ausstattung:

  • Eine stabile und sichere WLAN-Verbindung in den Klassen- und Fachräumen:

    Damit die Seiten in Ihrer Klasse nicht in einer Geschwindigkeit laden, wie in der Steinzeit des Internets, wenn die Parallelklasse ebenfalls online ist, benötigen Schulen eine durchdachte WLAN-Infrastruktur mit geeigneter Hardware und einer verlässlich verfügbaren und ausreichend hohen Bandbreite.

    Die erwähnte Umfrage des VBE ergab, dass dies momentan in nur 4 von 10 Schulen der Fall ist.

    Das Schul-WLAN muss so eingerichtet sein, dass es nur für autorisierte, authentifizierte Nutzer zugänglich ist.

    Zudem sollte eine Filtermöglichkeit bestehen, die Seiten mit illegalen oder jugendgefährdenden Inhalten sperrt.

    Auch die Strahlenbelastung ist ein Thema, das häufig in diesem Zusammenhang diskutiert wird. Sie sollte möglichst gering gehalten werden (z. B. durch das Ausschalten von Acces-Points nach Benutzung).

  • Ausreichend Endgeräte in Klassenstärke

    In der Umfrage des VBE gaben nur 37% der befragten Schulleiterinnen und Schulleiter an, über mindestens einen Tablet-Klassensatz an der Schule zu verfügen. Immerhin: 2014 waren es lediglich 12%.

    Einige Schulen setzen deshalb auf die Methode „Bring your own device“. Doch da nicht alle Schüler ein Gerät besitzen und die Vergleichbarkeit der mitgebrachten Geräte nicht immer gegeben ist, hat diese Lösung auch ihre Schwachstellen.

    Die Ausstattung mit WLAN, Geräten und deren Wartung ist die eine Grundvoraussetzung für Unterricht mit digitalen Mitteln.

    Apropos ausreichend Endgeräte: Auch Lehrerinnen und Lehrer benötigen für die Vorbereitung des digitalen Unterrichts Laptops bzw. Tablets – und eine dienstliche E-Mail-Adresse wäre bei dieser Gelegenheit auch nicht schlecht …

  • Ausstattung der Klassenzimmer mit Optionen für digitalen Unterricht:

    Lehrer-Laptops und Beamer, interaktive Tafeln bzw. interaktive Monitore, Dokumentenkameras usw. – ohne diese oder andere digitale Geräte in allen Fach- und Klassenräumen muss der Unterricht analog bleiben.

    Sinnvoll ist es, alle Räume mit den gleichen Geräten auszustatten. So müssen sich Lehrkräfte nicht in verschiedene Modelle einarbeiten und können sich darauf verlassen, dass sie – auch bei einem Raumtausch – die benötigten Geräte vorfinden.

  • Wartung und Aktualisierung der Geräte:

    Technik muss nicht nur da sein, sie sollte auch dauerhaft funktionstüchtig bleiben! Das sollte eigentlich selbstverständlich sein, doch in den Finanzierungsplänen wird oft nur die erste Ausstattung mit Geräten bedacht.

    Zum einen gibt es aber laufende Kosten für die Wartung der Geräte, zum anderen werden die derzeitigen Geräte in ein paar Jahren aller Voraussicht nach veraltet und zu ersetzen sein.

    Im Moment übernehmen häufig einzelne engagierte Lehrkräfte die Wartung. Besser wäre es, wenn Fachleute hierfür hinzugezogen werden könnten. „Die Lehrkräfte können nicht auch noch den Job von IT-Fachkräften übernehmen. Lehrkräfte sollen bilden und erziehen – und nicht schrauben und installieren.“, so Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE.

    Die Wartung der Geräte sollte nicht an engagierten Lehrern hängenbleiben!

    Der erwähnte Digitalpakt kann deshalb nur erfolgreich werden, wenn ihm weitere Finanzierungsmöglichkeiten folgen. Andernfalls sollte das Geld tatsächlich besser in die vielen sanierungsbedürftigen Schulen gesteckt werden, wie es viele Kritiker der Finanzierung von digitalen Technologien fordern.

Geschulte und motivierte Lehrkräfte:

Ohne Lehrerinnen und Lehrer, die digitale Technologien in den Unterricht integrieren wollen und das nötige Knowhow dazu haben, wird ihr Einsatz keine Vorteile gegenüber den analogen Möglichkeiten bringen.

An vielen Schulen werden interaktive Tafeln momentan genauso genutzt wie Kreidetafeln und Tablets wie Schulbücher. Doch wird analog durch digital nur ersetzt, bleibt ein großer Teil des Potentials ungenutzt.

Es ist deswegen eine Voraussetzung für das Gelingen des digitalen Wandels an Schulen, dass Lehrerinnen und Lehrer auf diesem Weg mitgenommen und unterstützt werden.

  • Lehrerinnen und Lehrer in der Kommunikation um das Thema Digitale Bildung überzeugen und mitnehmen:

    Eine Grundvoraussetzung für die Etablierung von digitalen Medien und Technologien ist, dass die Lehrerinnen und Lehrer, die sie ja in ihren Unterricht integrieren sollen, das auch wollen und motiviert sind, sich mit den neuen Möglichkeiten auseinanderzusetzen.

    Werden sie auf dem Weg nicht mitgenommen, kann das Vorhaben kaum Erfolg haben. Kommunikation und Fortbildungsmöglichkeiten sind dabei das A und O.

  • Ein ausreichendes Angebot an guten Fortbildungen zum Umgang mit digitalen Medien im Unterricht:

    Ein Großteil der Lehrerinnen und Lehrer bildet sich im Moment noch privat fort, oft außerhalb der Dienstzeit (63% nach Ergebnissen der Umfrage des VBE), da es derzeit noch kein ausreichend großes Angebot an staatlichen Fortbildungen gibt, die eine qualifizierte und hochwertige Ausbildung gewährleisten könnten.

  • Schulungen für den Umgang mit den an den Schulen vorhandenen digitalen Medien:

    Wird digitale Technik angeschafft, müssen zwingend auch Schulungen dazu angeboten werden. Diese Schulungen sollten regelmäßig wiederholt werden, mindestens einmal pro Schuljahr, um auch neue Kolleginnen und Kollegen fit für den Umgang mit den Geräten zu machen.

  • Eine stärkere Ausrichtung der Lehrerausbildung auf Digitale Bildung:

    Noch immer sind Lehrerangebote zum Umgang mit digitalen Medien während der Lehrerausbildung an vielen Hochschulen nicht verpflichtend.

     

    Die Lehrerausbildung sollte noch stärker auf Digitale Bildung ausgerichtet werden.

    Eine stärkere Einbindung medienpädagogischer und digitaler Inhalte könnte aber die Hemmschwelle, diese auch im Unterricht einzusetzen, deutlich senken und die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter besser auf die zukünftigen Anforderungen an sie vorbereiten.

    Modellhaftes Lernen mit den digitalen Möglichkeiten kann dabei den Grundstein legen; kontinuierliche Fortbildungen das Wissen aktuell halten. Denn dass die jungen Kolleginnen und Kollegen dieses Wissen bereits mitbringen, weil sie der Generation der sogenannten „digital natives“ angehören, ist leider ein verbreiteter Irrtum.

Auf digitale Möglichkeiten ausgerichtete Materialien, Methoden und Konzepte

Wie erwähnt, können digitale Medien und Technologien ihr Potential nicht zeigen, wenn sie die bewährten Konzepte und Methoden für den Unterricht lediglich ersetzen.

  • pädagogisch-didaktisches Medienkonzept:

    Bevor es losgeht, ist es sinnvoll, sich ein paar Fragen zu stellen, damit der Einsatz der digitalen Technik auch zielgerichtet stattfindet:
    Gibt es bereits ein Medienkonzept an Ihrer Schule? Falls nicht, sollte eines ausgearbeitet werden. Besteht es, sollte es vielleicht ergänzt werden?

    Vor dem Einsatz im Unterricht sind mögliche Fragen:
    Warum wollen Sie das digitale Hilfsmittel im Unterricht einsetzen?
    Welche pädagogischen Ziele wollen Sie damit erreichen?
    Wie lassen sich die digitalen Hilfsmittel inhaltlich und methodisch in den Lernprozess integrieren?

  • Geeignete Materialien:

    Noch ist die Verfügbarkeit geeigneter Materialien mit digitalen Mitteln nicht für jedes Unterrichtsthema gegeben. Das Angebot der Schulbuchverlage, Plattformen (die Materialien online zur Verfügung stellen) und frei zugängliche Lehr- und Lernmaterialien (OER) zur Verfügung zu stellen, wächst stetig.

  • Didaktik- und Unterrichtskonzepte überdenken und auf die neuen Möglichkeiten ausrichten

    Eine dieser neuen Möglichkeiten ist die des Flipped Classroom. Was es damit auf sich hat, erfahren Sie im Beitrag „Flipped Classroom – Schon mal umgedrehten Unterricht gehalten?“

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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