Home > Schulalltag > WhatsApp-Nutzung in der Schule: Der Klassenchat Teil 2
WhatsApp Klassenchat
Klassenchat-Regeln lassen viele Unstimmigkeiten gar nicht erst aufkommen, ©Depositphotos.com / belchonock

WhatsApp-Nutzung in der Schule: Der Klassenchat Teil 2

Sinnvolle WhatsApp-Einstellungen und Regeln für die Klassengruppe

Im ersten Teil des Beitrags „Immer Ärger mit dem Klassenchat“ haben wir einen Blick auf die Ursachen für den häufigen Ärger mit dem Klassenchat geworfen und Tipps gegeben, wie Sie das Thema im Unterricht thematisieren können. Mithilfe der richtigen WhatsApp-Einstellungen und Nutzungsregeln lässt sich die negativen Auswirkungen auf das Klassenklima weiter minimieren.

Diese WhatsApp-Einstellungen sollten Ihre Schüler kennen:

Auch durch die Einstellungsmöglichkeiten kann der ein oder andere Streit verhindert und das Potential zu stören gemindert werden:

  • Gruppe stumm schalten: Für alle sinnvoll, die von der Menge an Mitteilungen in bestimmten Gruppen genervt sind.
    → Die Gruppe in der Auflistung der Chats auswählen. Durch einen Touch auf den Gruppennamen erscheint ein Menü, in dem man je nach Betriebssystem „Lautlos“ oder „Stumm schalten“ auswählen kann.
  • „Zuletzt online“ deaktivieren: Die Funktion zeigt, wann und auch wie spät in der Nacht WhatsApp noch genutzt wurde. Wer darauf keine Lust hat, kann den Zeitstempel einfach deaktivieren:
    → In den Einstellungen erst „Account“ und dann den Punkt „Datenschutz“ anwählen. Hier ist es möglich auszuwählen, ob jeder, nur die eigenen Kontakte oder niemand sehen kann, wann man zuletzt online war.
  • Lesebestätigung deaktivieren: Zwei blaue Häkchen zeigen im Einzelchat auf einen Blick, ob die Nachricht gelesen wurde. Schüler, die sich nicht dem Druck aussetzen möchten, nach dem Lesen sofort antworten zu müssen, können die Funktion ausschalten. In diesem Fall sehen weder andere, noch man selbst, ob die jeweilige Nachricht gelesen wurde. Das verhindert viel Stress 🙂
    → In den Einstellungen „Account“ und dann den Punkt „Datenschutz“ anwählen. Bei IOS-Smartphones den Schieberegler nach links ziehen. Die Anzeige ist nun nicht mehr grün. Bei Android-Smartphones das Häkchen bei „Lesebestätigung“ entfernen.
    Leider besteht diese Möglichkeit in Gruppenchats nicht! Hier werden die beiden Häkchen blau, sobald alle Mitglieder die Nachricht gelesen haben. Allerdings kann sich jeder über einen längeren Klick auf die eigene Nachricht und die Auswahl von „Info“ ansehen, wann welche Mitglieder die Nachricht gelesen haben. Wer das nicht will, kann sich nur mit einem Trick behelfen: Solange man WhatsApp aufgerufen hat, den Flugmodus aktivieren.
  • Kontakte blockieren: Möchte ein Schüler die Kommentare eines anderen nicht mehr lesen und diesem auch nichts mehr schreiben, besteht die Möglichkeit, diese Person zu blockieren. Auch der eigene Zeitstempel ist für diese Person nicht mehr sichtbar. Der Kontakt bekommt keine Info, dass er blockiert wurde. Allerdings wird nur der direkte Kontakt verhindert. In einer Gruppe sind die Kommentare weiterhin sichtbar.
    → In den Einstellungen erst „Account“ und dann den Punkt „Datenschutz“ anwählen. Hier zu „Blockiert“ bzw. „Blockierte Kontakte“ gehen und weiter zu „Kontakt hinzufügen“ bzw. bei Android-Smartphones auf das Symbol rechts oben klicken. In beiden Fällen wird die Kontaktliste angezeigt, aus der man die Personen auswählen kann, die blockiert werden sollen.
  • Auto-Downloads abstellen: WhatsApp speichert alle verschickten Bilder, Videos, Audiodateien und Dokumente automatisch ab. Wer verhindern will, dass die Bildergalerie chaotisch wird und Speicherpatz verloren geht, kann das automatische Speichern abstellen.
    → In den Einstellungen „Datennutzung“ auswählen und den Medien Auto-Download auf „niemals“ stellen bzw. die Häkchen entfernen.

    WhatsApp Klassenchat

    Mit den passenden WhatsApp-Einstellungen lässt sich viel Stress im Klassenchat vermeiden, © Depositphotos.com / racorn

  • aktuelle WhatsApp-Versionen verwenden: Seit April 2016 bietet WhatsApp eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Voraussetzung: Auf dem Smartphone muss die aktuelle Version verwendet werden! Die Verschlüsselung ist nur aktiv, wenn beide Chatpartner – oder im Gruppenchat alle Mitglieder – die neueste Version verwenden!

WhatsApp-Regeln aufstellen

Die meisten Klassen gründen ihren Klassenchat in Eigenregie. Die wenigsten machen sich aber vorab Gedanken, dass es unterschiedliche Vorstellungen darüber gibt, welche Inhalte in die Klassengruppe gehören. Oder legen fest, was auf keinen Fall gepostet werden soll.

Bei der Formulierung von Klassenchat-Regeln hilft den Schülern Ihre Unterstützung ungemein. Der Zeitaufwand lohnt sich: Viele Streitereien und Unmut können durch klare Regeln verhindert werden und müssen nicht in der Unterrichtszeit geschlichtet werden.

  • Klassenregeln gelten auch im Klassenchat: Gibt es in Ihrer Klasse bereits Klassenregeln, müssen diese natürlich auch in der WhatsApp-Gruppe beachtet werden.
  • Zweck des Klassenchats festlegen: Um Unstimmigkeiten zu verhindern, müssen sich die Schüler einigermaßen einig werden, was im Chat gepostet werden soll und was nicht. Soll z. B. nur Schulisches im Fokus stehen, kann ein zweiter Chat für private Themen oder den Austausch von witzigen Videos gegründet werden. Alle, die darauf verzichten können, werden nur in der Klassengruppe Mitglied.
  • Niemanden ausschließen: Es sollten alle Schüler der Klasse die Möglichkeit haben, in der Klassengruppe aufgenommen zu werden – sofern sie WhatsApp nutzen. Als Konsequenz auf einen Verstoß gegen die Regeln können sich die Schüler aber darauf einigen, den zeitweisen Ausschluss aus der Klassengruppe festzulegen.
  • Niemanden beleidigen: Gemeine und herabwürdigende Kommentare, Bilder oder Videos über Mitschüler haben im Klassenchat (und auch sonst) nichts verloren.
  • Fotos nur mit Einwilligung der abgebildeten Personen posten: Das „Recht am eigenen Bild“ (§ 22 des Kunsturheberrechtsgesetz) gilt natürlich auch auf WhatsApp.
  • Nachrichtenflut vermeiden: Infos, die nur bestimmte Personen im Chat betreffen, lieber direkt an diese schicken. Und auf Nonsens-Posts wie „Hi“ verzichten.
  • Kettenbriefe: Mitteilungen mit der Aufforderung, sie an mehrere eigene Kontakte weiterzuleiten, fallen vielen auf die Nerven, verbreiten Stress und machen in manchen Fällen sogar Angst. Um das zu vermeiden, kann in den Klassenchat-Regeln vereinbart werden, dass dort Kettennachrichten nicht geteilt werden dürfen.
  • Klassenchat-Zeiten vereinbaren: Für Schultage und Wochenende können die Schüler Zeiten festlegen, während der der Klassenchat nicht genutzt werden sollte.
  • Erst denken, dann posten!
    WhatsApp Klassenchat

    Halten sich alle Schüler an die vereinbarten Chat-Regeln, kann der Klassenchat durchaus auch eine Bereicherung sein, Quelle: Betzold

Was tun bei Regelverstößen?

Haben die Schüler sich auf Regeln für den Klassenchat geeinigt, müssen diese natürlich auch eingehalten werden. Deswegen sollten Sie mit den Schülern auch Konsequenzen für Regelverstöße festlegen.

Idealerweise ermahnen sich die Schüler in diesen Fällen gegenseitig. Sollten Hinweise nichts helfen, besteht die Möglichkeit, Schüler zeitweise aus dem Chat zu entfernen. Damit dieses Instrument nicht missbraucht wird, sollte die Rolle des Administrators von einem verantwortungsvollen Schüler übernommen werden.

Gibt es in der Klasse einen Klassenrat, kann z. B. dort über Probleme im Klassenchat und angemessene Konsequenzen bei Regelverstößen diskutiert werden. Sollte es zu Schwierigkeiten kommen, die Ihre Schüler nicht unter sich lösen können, können Sie ihnen anbieten, das Problem mit Ihrer Hilfe zu besprechen. Spätestens sobald Schüler das Gefühl haben, dass jemand gemobbt wird, sollten sie sich an Sie wenden.

Manche Klassengruppen werden auch von Lehrerinnen und Lehrern geleitet. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Gründen, die dagegen sprechen:

  • Sie legen Ihren Schüler dadurch Ihre Handynummer offen.
  • Da die Mitteilungen oft Tag und Nacht, am Wochenende und während der Ferien eingehen, ist es auch schwer, Arbeit und Freizeit zu trennen und abzuschalten.
  • Die wenigsten möchten auch mitlesen, wenn die Schüler über Kolleginnen und Kollegen Dampf ablassen.
  • Und auch die Schüler möchten in der Regel lieber unter sich sein 🙂

In einigen Bundesländern ist es Lehrerinnen und Lehrern u.a. aufgrund der Datenschutzproblematik auch prinzipiell untersagt, mit Schülern über Medien, wie WhatsApp oder Facebook, zu kommunizieren (z. B. Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein). Kultusministerien in weiteren Bundesländern raten davon ab oder stellen den Lehrerinnen und Lehrern mit dem Hinweis auf „amtsangemessenes Verhalten“ und der Sorgfaltspflicht frei, selbst zu entscheiden. Auf keinen Fall sollten personenbezogenen Daten über Facebook, WhatsApp und Co. ausgetauscht werden!

Last but not least: Binden Sie auch die Eltern ein. Die meisten Nachrichten werden in der Klassengruppe verschickt, wenn die Schüler nicht in der Schule sind. Über einen Elternbrief oder im Rahmen eines Elternabends können Sie die Eltern informieren, welche Aufklärungsarbeit, Regelvereinbarungen und Konsequenzen in der Schule zur Nutzung des Klassenchats im Speziellen und WhatsApp im Allgemeinen besprochen wurde.

Darüber hinaus sollten auch die Eltern mit ihren Kindern über die App und sinnvolle Nutzungsregeln sprechen. Die Eltern haben die Möglichkeit, besser auf  Probleme einzugehen, die die eigenen Kinder mit dem Klassenchat haben. Außerdem haben sie anders als Lehrerinnen und Lehrer das Recht, den Chatverlauf ihrer Kinder zu überprüfen, sollten sie den Verdacht haben, dass dort gemobbt wird.

Hier geht’s zum ersten Teil des Beitrags:

WhatsApp-Nutzung in der Schule: Der Klassenchat Teil 1: Immer Ärger mit dem Klassenchat

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

Deine Meinung

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Erforderliche Felder sind markiert *

*