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Klassenchat
Nicht immer läuft die Kommunikation im Klassenchat harmonisch ab, © Fotolia.com / Syda Productions

WhatsApp-Nutzung in der Schule: Der Klassenchat Teil 1

Immer Ärger mit dem Klassenchat

Noch gestern in der letzten Stunde war es um die Stimmung in der Klasse doch bestens bestellt. Warum sieht es mit Beginn des neuen Schultags ganz anders aus? Schon ein flüchtiger Blick in die Gesicherter der Schüler lässt heute einen Wetterumschwung im Klassenklima unschwer erkennen.

Fast jede Klasse hat einen Klassenchat

Seitdem sich WhatsApp zur liebsten Online-Community in der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen gemausert hat (JIM-Studie 2015 des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest), ist die Antwort auf diese Frage häufig genau dort zu finden.

Spätestens ab der fünften Stufe gibt es in fast jeder Klasse einen Klassenchat.

WhatsApp bietet sich dafür auch ideal an:

  • kostenlos: Nachrichten, Bilder und Videos können kostenlos verschickt werden. Seit 2016 ist zudem die Jahresgebühr von 89 Cent entfallen.
    Allerdings sollte man WhatsApp in Verbindung mit WLAN nutzten – zumindest wenn Bilder und Videos ausgetauscht werden.
    Verwenden die Schüler dazu ihren mobilen Internetzugang, kann WhatsApp leicht das verfügbare Datenvolumen oder – falls die Daten-Roaming-Funktion aktiviert ist – das Konto belasten.
  • unkompliziert: Die Kommunikation über WhatsApp ist formlos, schnell und unkompliziert. Also perfekt geeignet, um sich ohne großen Aufwand zeitnah auszutauschen. Die Reaktionszeit auf eine E-Mail erscheint dagegen steinzeitlich lange :)
  • Gruppenchats: Besonders interessant für die Nutzung innerhalb der Klassengemeinschaft wird WhatsApp durch die Möglichkeit, sich in Gruppen zu organisieren. Dazu muss sich ein Schüler alle nötigen Kontaktdaten auf sein Smartphone geben lassen. Die Kontakte werden automatisch auf die WhatsApp Kontaktliste übertragen (sofern die App genutzt wird). Nun muss nur noch jeder, der dabei sein soll, markiert und ein Klassenchat-Name sowie ein Profilbild festgelegt werden.

WhatsApp-Alternativen

Im August 2016 änderte WhatsApp seine Datenschutzbestimmungen: Facebook als Eigentümer von WhatsApp soll künftig Daten, wie die Telefonnummer und die Info, wann der WhatsApp-Nutzer online ist, erhalten. Die  Frage nach alternativen Messenger-Diensten ist aufgrund dessen wieder sehr aktuell.

Einen besseren Ruf in Sachen Datenschutz haben die Messenger-Dienste SchoolFox, Threema oder Signal. Insbesondere für einen Klassenchat ist es eine Überlegung wert, einen dieser Dienste zu nutzen.

Wenn Schulen für die Kommunikation und den Datenausstausch mit Kolleginnen und Kollegen, Schülereltern und Schülern Messengerdienste nutzen möchten, kommen eigentlich nur kostenpflichtige Anbieter wie beispielweie Stashcat infrage, die eine datenschutzkonforme und abhörsichere Kommunikation gewährleisten.

Für was wird der Klassenchat genutzt?

Im Klassenchat können sich die Schüler über alles austauschen, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt. Schulisches und Privates vermischen sich dabei oft.

Dauerbrenner in Klassengruppen ist alles rund um die Hausaufgaben (von „Was war auf?“ bis hin zu Fotos der gelösten Aufgaben), anstehende Termine und Klassenarbeiten. Fotos und Videos werden herumgeschickt (neben Bildern des letzten Ausflugs auch allerlei anderes, das der jeweilige Absender lustig oder interessant findet).

Es wird z.B. darüber diskutiert, was in der Schule passiert, wie die Wochenendpläne aussehen, welches Computerspiel gerade gespielt wird. Viele schreiben auch ihre Meinung über Mitschüler und natürlich über Lehrerinnen und Lehrer. Beschwerden und Lästereien sind dabei leider nicht selten.

WhatsApp-Klassenchats können sich auf den Unterricht und das Klassenklima auswirken

So ideal WhatsApp ist, um sich in Klassengruppen zusammenzuschließen und auszutauschen, so ideal ist es auch dabei, Ansatzpunkte für Unstimmigkeiten und Streit bis hin zu Mobbing zu liefern:

  • Ausgrenzung:

    Wer nicht Teil der Klassengruppe ist, ist außen vor. Betroffen sind Schüler, die kein Smartphone haben, WhatsApp nicht nutzen dürfen oder wollen und Schüler, die von den Gruppeninitiatoren nicht eingeladen oder rausgeworfen werden.

  • Lästereien und Mobbing:

    Werden über WhatsApp abwertende Kommentare oder Fotos, Beleidigungen, Gerüchte und Unwahrheiten gepostet, verbreiten sich diese schnell. Mehr zum Thea Mobbing und Cyber-Mobbing erfahren Sie im Betzold Blog-Beitrag „Wenn alle gegen einen stehen“.

    Klassenchat

    Leider kann der Klassenchat auch zum Kanal für Mobbing werden, © Depositphotos.com / HighwayStarz

  • Die ganze Klasse liest mit:

    Streit zwischen Schülern kann es bereits wegen Kleinigkeiten geben: Man fühlt sich übergangen, gegenüber anderen Schülern zurückgesetzt oder es erfolgt keine Reaktion auf den eigenen Post. Sofern nicht deaktiviert, sieht die gesamte Klasse, wann wer zuletzt online war, ob Nachrichten gelesen wurden und natürlich jeden geschriebenen Kommentar.

  • Druck:

    Schnelle Reaktionen sind ein Vorteil der App. Die Kehrseite ist allerdings, dass man, aus Angst, nichts zu verpassen, ständig auf das Handy schaut, sobald der charakteristische WhatsApp-Ton erklingt. Und ist der Post erstmal gelesen, lastet der Druck auf den Schülern, möglichst schnell zu antworten.

  • Nachrichtenflut:

    Jeder in der Gruppe kann/muss mitlesen. Viele Schüler sind von der Menge der Posts genervt. Vieles betrifft sie nicht direkt, ist aus ihrer Sicht nicht lustig, belanglos oder einfach nur dämlich (wie Kettennachrichten).
    Ärger verbreiten bei dem einen oder anderen Schüler beispielsweise auch Nachrichten um 2 Uhr am Morgen mit dem Inhalt „Wer ist noch wach?“ oder „Mir ist langweilig!!!“.
    Nach zwei Urlaubswochen ohne WhatsApp können Schülerhandys beim Wiedereinschalten schon mehrmals hintereinander abstürzen, da sie der Flut von über 1000 eingegangenen WhatsApp-Nachrichten inklusive Bildern und Videos nicht Herr werden.

Mögliche Folgen sind unter der Oberfläche schwelende Unstimmigkeiten bis hin zu offenem Streit. Nicht zuletzt leidet darunter der Unterricht. Zum einen ist die Stimmung in der Klasse schlecht, was das Lernen erschwert, zum anderen geht für die Klärung der Probleme Unterrichtszeit verloren.

Klassenchat im Unterricht thematisieren

Um die Probleme, die in Verbindung mit einem WhatsApp-Klassenchat auftreten können, einzudämmen, ist es sinnvoll, dem Thema eine Unterrichtseinheit zu widmen. Häufig sind die Schüler über Punkte wie Datenschutz und Account-Einstellungen schlechter informiert, als die Nutzungsintensität vermuten lässt. Ein durch Sie angeleitetes Gespräch ermöglicht es den Schülern zudem, die eigene WhatsApp-Nutzung zu reflektieren.

Klassenchat

Um vorzubeugen, dass der Klassenchat das Klassenklima negativ beeinflusst, sollte er im Unterricht thematisiert werden, © Depositphotos.com / Syda Productions

Wie eine solche Unterrichtseinheit aussehen kann, zeigt z. B. der Onlinekurs „WhatsApp, meine Freunde und ich“ des Mentorenprogramms „Digitale Helden“ für zwei oder sechs Schulstunden.

Hier einige Anregungen, was Sie in einer WhatsApp-Unterrichtseinheit ansprechen können. Wenn Sie besser einschätzen können, wie die Schüler die App nutzen und welche konkreten Probleme es immer wieder gibt, fällt es leichter, Lösungsansätze zu finden:

  • Wie nutzen die Schüler WhatsApp:

    Machen Sie sich ein Bild, wie viele Schüler die App nutzen und was ihnen an WhatsApp besonders gefällt.

  • Wie nutzen die Schüler den Klassenchat:

    Wofür wird der Klassenchat genutzt und gibt es Punkte, die stören? Wurden bereits Nutzungsregeln festgelegt?

  • Wer ist im Klassenchat:

    Sind alle Schüler Teil des Klassenchats? Warum sind manche nicht dabei?

  • Nachrichten:

    Wie viele Nachrichten gehen im Schnitt täglich ein? Wird auch nachts gechattet? Stört die Menge der Nachrichten oder die Zeiten zu denen sie eingehen?

Im zweiten Teil des Beitrags nehmen wir die WhatsApp-Einstellungen unter die Lupe und stellen sinnvolle Regeln für die Nutzung des Klassenchats vor: „Sinnvolle WhatsApp-Einstellungen und Regeln für die Klassengruppe“

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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