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Ein gelungener erster Eindruck sorgt schon mal für einen guten Start ins gemeinsame Jahr, © Fotolia.com / Gennadiy Poznyakov

So klappt die erste Stunde in der neuen Klasse

Tipps für einen erfolgreichen Auftritt vor der neuen Klasse

Die ersten Unterrichtsstunden in einer neuen Klasse sind immer eine Herausforderung – besonders groß ist diese Herausforderung natürlich, wenn es sich um die erste eigene Klasse nach dem Referendariat handelt.

Hier werden die Weichen für das vor Ihnen liegende Schuljahr gestellt. Der erste Eindruck, den Sie bei der Klasse hinterlassen, bleibt erstmal haften.

Aber wie sollen Sie sich verhalten, und was ist zu tun, damit dieser erste Auftritt ein Erfolg wird?

Die schlechte Nachricht zuerst: Leider gibt es hierfür keine Standardlösungen.

Was beim Kollegen funktioniert, muss nicht unbedingt zu Ihrer Lehrerpersönlichkeit passen. Und auch jede Klassengemeinschaft ist anders.
Aber: Es gibt durchaus Möglichkeiten zur Vorbereitung auf das Kennenlernen und Herangehensweisen an das erste Zusammentreffen.

Einige stellen wir Ihnen in diesem Beitrag vor.

Frisch geplant ist halb gewonnen

  • Klassenliste organisieren:

    Sie verrät Ihnen, wie viele Schüler in der Klasse sind und bietet Ihnen die Möglichkeit, sich schon mal mit den Namen vertraut zu machen.

  • Kollegenrat einholen:

    Ehemalige Klassen- und Fachlehrer der Lerngruppe geben Ihnen sicher gern Auskunft über Stofflücken, Stärken und Probleme in der Klasse. Um nicht voreingenommen in die Klasse zu gehen und offen für ein eigenes Bild zu sein, ist es aber sinnvoll, sich nicht im Detail über die Noten und Leistungen von einzelnen Schülern zu informieren.

  • Unterrichtsthemen planen:

    Was wird Ihre Schüler in Ihren Fächern im ersten gemeinsamen Halbjahr erwarten? Eine Übersicht über die Hauptthemen ist für die Klasse interessant.

  • Rituale und Regeln weiterführen:

    Die erste Zeit in der neuen Klasse ist ein gegenseitiges Ausloten und Abtasten. Routine muss erst noch entstehen.
    Da bietet es sich an, auf Bewährtes zurückzugreifen! In den meisten Klassen wurden bereits Rituale und Klassenregeln etabliert, die Sie weiterführen können.

    Die bekannte Struktur hilft den Schülern, für die Sie ja zunächst auch noch schwer einzuschätzen sind. Falls Ihnen manche Rituale oder Regeln weniger zusagen, können Sie diese nach einiger Zeit gemeinsam mit der Klasse ändern und modifizieren.

    Neue Klasse übernehmen

    Wenn in der Klasse bestimmte Regeln und Rituale bereits etabliert sind, ist es sinnvoll, darauf aufzubauen.

  • Kennenlernstunde vorbereiten:

    Bereiten Sie die erste gemeinsame Stunde gut vor, so hinterlassen Sie bei den Schülern einen organisierten und kompetenten Eindruck!
    Wählen Sie zum Start Methoden, mit denen Sie sich sicher fühlen (gilt auch für Medien: auf Tafel und Tageslichtprojektor ist oft mehr Verlass als auf den Beamer …).
    Da die Schüler evtl. noch keine Bücher und Hefte haben, sollten Sie Papier und kopierte Aufgaben parat haben.

Die erste Stunde in der neuen Klasse

  • Bleiben Sie sich treu:

    Es klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber versuchen Sie keine Rolle einzunehmen, die nicht Ihrer Persönlichkeit entspricht. Sie müssen sich mit Ihrem Unterrichtsstil wohlfühlen. Ihr Verhalten gegenüber den Schülern muss zu Ihnen passen. Nur so können Sie auf lange Sicht glücklich und erfolgreich in Ihrem Beruf sein. Und nicht zuletzt respektieren Sie Ihre Schüler nur, wenn Sie authentisch sind. Aufgesetztes Verhalten erkennen Sie schnell.

  • Souveränes Auftreten:

    Damit es mit dem souveränen Auftritt auch gut klappt, vor dem Weg ins Klassenzimmer noch kurz prüfen, ob Sie alle Unterrichtsmaterialien – am besten schon sortiert – zur Hand haben, einmal durchatmen, Gedanken sammeln und dann positiv gestimmt in die neue Klasse!

    Durch einen selbstbewussten Auftritt zeigen Sie Ihren Schülern, dass Sie da sind und die Stunde nun beginnt. Einzelne unruhige Schüler können Sie durch einen direkten Blick, eine gezielte Ansprache, ein akustisches Signal oder das positive Hervorheben von Schülern oder Tischgruppen, die bereits zuhören, aufmerksam machen. Sobald die Schüler ruhig sind, ist ein freundlicher, offener Blick in die Runde immer ein guter Anfang.

  • Begrüßung:

    Neben einer freundlichen Begrüßung der Klasse hat sich das Anschreiben des Namens an die Tafel lange bewährt. Wenn Sie möchten, können Sie noch ein paar Worte über sich sagen, vermeiden Sie aber ausufernde Absichtserklärungen über das gewünschte Verhältnis zur Klasse – eine gute Beziehung wächst mit der Zeit durch Ihr Handeln und das Ihrer Klasse, nicht durch Worte.

  • Kennenlernen:

    Dann sind die Schüler mit einer kurzen Vorstellungsrunde an der Reihe. Ihre Schüler dürfen merken, dass Sie an ihnen interessiert sind und ihnen offen gegenüberstehen.

    Namenskärtchen, Steckbriefe mit Foto, ein Geburtstagskalender oder ein Sitzplan, den einer der Schüler zeichnen kann, helfen Ihnen, gleich jeden mit Namen ansprechen zu können. In unserem Blog-Beitrag zum Thema „Namen lernen“, haben wir ein paar Tipps parat, wie Sie sich die Namen leichter einprägen können.

    Vor allem jüngere Schüler haben auch Spaß an Kennenlernspielen. Für Gruppenfindungs- und Kennenlernspiele haben wir hier ein paar Ideen: „Aktivierungsspiele – Kleine Energieschübe für Ihren Unterricht!“.

    Neue Klasse übernehmen

    Kennenlernspiele erleichtern das Lernen der vielen neuen Namen, Quelle: Betzold

  • Wer fehlt?:

    Überprüfen Sie, ob alle Schüler anwesend sind. Falls nicht, können Sie Freunde der Fehlenden damit beauftragen, ihnen die organisatorischen Informationen, wie die Materialliste, weiterzugeben. So signalisieren Sie Ihren Schülern, dass Sie alle im Blick haben.

  • Materialliste:

    Informieren Sie Ihre Schüler – am besten in Form einer gedruckten Materialliste – was sie für den Unterricht benötigen.

  • Stundenplan:

    Teilen Sie der Klasse ihren Stundenplan für das Schuljahr aus.

    Für die Grundschule haben wir eine Stundenplan-Kopiervorlage mit Symbolen für die Schulfächer erstellt, die Sie gerne herunterladen und nutzen dürfen:
    Kopiervorlage: Stundenplan

  • Unterrichtsthemen:

    Bevor es richtig losgeht, können Sie Ihren Schülern noch verraten, welche Themen sie in der kommenden Zeit erwarten. Und vielleicht haben auch die Schüler Anregungen, die Sie in Ihre Planung integrieren können. Interessant kann auch die Frage nach den Wünschen und Erwartungen an das Fach und die Erstellung eines Clusters dazu sein.

  • Einstieg in den Unterricht:

    Auch wenn vielleicht nicht mehr allzu viel Zeit ist, starten Sie am besten noch in der ersten Stunde mit dem Unterrichtsstoff.

In den folgenden Unterrichtsstunden

  • Gut strukturierter Unterricht:

    Noch kennen die Schüler Ihren Unterrichtsstil und Ihre Unterrichtsmethoden nicht. Gerade in den ersten Stunden ist ein gut strukturierter und klar aufgebauter Unterricht deshalb noch wichtiger als sonst.

    Neue Klasse übernehmen

    Gut strukturierter Unterricht erleichtert es den Schülern, Sie und Ihren Unterrichtsstil kennenzulernen und einzuschätzen, Quelle: Betzold

  • Lesbares Verhalten:

    Ähnliches gilt auch für Ihr Verhalten: Bemühen Sie sich in ähnlichen Situationen  ähnlich zu reagieren, seien Sie konsequent, bestimmt und dadurch gut einschätzbar. Schüler schätzen bei ihren Lehrerinnen und Lehrern ein gerechtes, offenes und kompetentes Verhalten.

    Sind Sie für Ihre Schüler gut lesbar, können sie sich leichter an Ihnen orientieren, Ihnen vertrauen und die Phase des „Austestens“ ist schnell passé.

  • Regeln und Rituale:

    Es ist sinnvoll, Regeln und Rituale schon zu Beginn der gemeinsamen Zeit zu erarbeiten. In der allerersten Stunde steht das gegenseitige Kennenlernen jedoch noch im Vordergrund. Wurden in der Klasse bereits Regeln eingeführt und Sie sind mit ihnen vertraut, können Sie natürlich kurz darauf hinweisen, dass diese zunächst weiterhin gültig sind.

    Das Wichtigste ist natürlich: Einmal eingeführt, müssen Sie die Regeln und Folgen bei Verstößen maßvoll, konsequent und gerecht umsetzen. Mehr zu dem Thema im Beitrag „Rituale im Unterricht“.

  • Notengebung:

    Die Schüler interessiert es natürlich, wie sich die Noten bei Ihnen zusammensetzen. Eine Erläuterung der Notengebung in der ersten Stunde unterstreicht die Bedeutung der Noten jedoch unnötig und dominiert leicht die Kennenlernstunde. In den folgen Unterrichtsstunden ist das Thema besser untergebracht.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

2 Kommentar

  1. Bettina Kroker

    Vielen Dank für die Anregung! Ich leite das gleich an unsere Produktentwicklung weiter 🙂

  2. Ethikunterricht:
    Hier eine kleine Anregung: Es wäre toll, wenn das Fach Ethik (bzw. ähnliche Bezeichnungen) aktiver in den Materialien integriert wird. Bestes Beispiel ist dafür der Stundeplan mit den Symbolen. Dort gibt es nur das Kreuz für den Religionsunterricht. Toll wäre, wenn Ethik bei der Ausarbeitung solcher Materialien mit berücksichtigt wird.
    In vielen Bundesländern gehört es nämlich zum ganz normalen Schulalltag.

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