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Lärm in der Schule
Mit Schallabsorbern kann der Lärmpegel in Klassenräumen deutlich gesenkt werden, Quelle: Betzold

Lärm in der Schule vermeiden – Teil 2

So senken Sie den Lärmpegel in Ihrer Klasse!

Nachdem es im ersten Teil „Lärm in der Schule schadet Schülern und Lehrkräften“ um die Lärmbelastung und deren Auswirkungen ging, erhalten Sie hier  konkrete Tipps, wie Sie den Lärmpegel in Ihren Klassen senken können.

Um zu verstehen, wie Geräusche entstehen und was gegen Störgeräusche, also Lärm, unternommen werden kann, hilft ein kleiner Ausflug in den Physikunterricht:
Geräusch- bzw. Schallquellen verursachen Luftdruckschwankungen. Die in Schwingung versetzte Luft breitet sich in Form von Schallwellen aus. Treffen die Schallwellen auf einen Empfänger, z.B. unser Ohr, können wir die Druckschwankungen als Geräusche wahrnehmen.

Als akustisch besonders unangenehm empfinden wir Räume, in denen die Schallwellen direkt zurückgeworfen werden und die Nachhallzeit des Schalls dadurch sehr hoch ist, wie in einer leer stehenden Wohnung. Wände, Böden und Decken aus harten, glatten Materialien, wie z.B. Beton und Glas, verstärken den Effekt.

Gemäß DIN-18041 „Hörsamkeit in kleinen bis mittelgroßen Räumen“ sollte in Klassenzimmern eine Nachhallzeit von 0,55 Sekunden eingehalten werden. Gemessen werden in nicht akustisch optimierten Räumen aber oft 2 Sekunden und mehr.

Die Sprachverständlichkeit ist allein durch den Hall bereits eingeschränkt, ohne dass andere störende Geräusche existieren. Sie sprechen gegen den Nachhall Ihrer eigenen Stimme an und müssen immer lauter werden, um gehört zu werden. Und schon stehen wir am Anfang unserer „Lärm-Schraube“.

Die „Lärm-Schraube“ - Der Lärmpegel steigt und steigt. Lärm in Schulen.

Die „Lärm-Schraube“ – Der Lärmpegel steigt und steigt. Quelle: Betzold

Am besten ist es, wenn bereits beim Bau von Schulgebäuden auf die Raumakustik geachtet wird. Ein Beispiel für ein solches Projekt ist die „Schule im UFO“ in Velbert. Hier wurden für die Klassenzimmer auch leicht gekrümmte Wände geplant. Sie werfen den Schall nicht direkt zurück, sondern streuen ihn.

Verbesserung der Raumakustik

Aber auch an bestehenden Schulen kann der Hall mit Hilfe einer akustisch sinnvollen Schulausstattung nachträglich aus den Räumen genommen werden:

  • Teppichboden: Ein (den Brandschutzvorschriften entsprechender) Teppichboden absorbiert Geräusche und dämmt Tritte, Stühlerücken oder Geräusche, die beim Abstellen und Herunterfallen von Objekten entstehen.
  • Pinnwände: Reduzieren den Nachhall und können für Präsentationen genutzt werden.
  • Schallabsorber: Noch bessere schallabsorbierende Eigenschaften weisen flexibel anzubringende Wand- und Deckenelemente (z.B. Xilent-Schallabsorber) aus schwer entflammbaren Schaumstoffen aus.
    Schallabsorber sind die perfekten "Lärmschlucker".

    Schallabsorber sind die perfekten „Lärmschlucker“, Quelle: Betzold

  • Akustikdecken: Die gelochten Deckenelemente können ebenfalls nachträglich angebracht werden.
  • Möbel und andere Einrichtungsgegenstände: Jeder zusätzliche Einrichtungsgegenstand  verkürzt die Nachhallzeit eines Raums: z.B. Regale, mit Schülern gebastelte Objekte an Decke oder Wände hängen, Vorhänge (auch hier muss auf den Brandschutz geachtet werden) oder Bilder.
    Inzwischen gibt es sogar Möbel mit speziellen Lärmschutzdekoren: Akustikbohrungen an Schranktüren sowie eine Beschichtung mit schallabsorbierendem Vlies sorgen z.B. bei den Flexeo akustik-Schrankelementen von Betzold für ein ruhigeres Klima im Klassenzimmer.

    Lärm in der Schule

    Der Kern der Lärmschutztüren besteht aus einer Spanplatte mit besonderer Akustikbohrung. Von beiden Seiten wird die Spanplatte mit einem schallschluckenden Sondervlies beschichtet. Diese Zusammensetzung des Lärmschutzdekores sorgt dafür, dass der Schall in die Türen dringt und in möglichst großer Menge absorbiert wird, Quelle: Betzold

Im Rahmen der im ersten Teil unseres Beitrags erwähnten Studie des ISF wurde die Raumakustik  von ausgesuchten Klassenzimmern saniert und die Wirkung auf die Nachhallzeit gemessen. Besonders bemerkenswert war die Feststellung, dass der Schallpegel physikalisch nur um 3 dB (A) reduziert wurde, die gemessenen Werte aber eine Verringerung um 6 bis 8 dB (A) ergab. Was ist der Grund für dieses „Akustik-Wunder“?

Die Wissenschaftler gehen von einer Wechselwirkung zwischen der verbesserten Sprachverständlichkeit durch den geringeren Nachhall und einer daraus resultierenden Veränderung des Schülerverhaltens aus: Da die Kinder sich und ihre Lehrerinnen und Lehrer besser verstehen, mussten sie selbst nicht mehr so laut reden.

Diese doppelte Wirkung zeigt, wie wirkungsvoll eine Nachrüstung mit schallabsorbierenden Elementen ist!

Die Ausstattung von Schulräumen mit Teppichböden, Decken- und Wanddämmungen hilft aufkommende Geräusche abzuschwächen, noch besser wäre es natürlich, diese erst gar nicht entstehen zu lassen.

Verminderung von Störgeräuschen

Psst! Lärm in Schulen vermeiden.

Psst! Quelle: Betzold

In Schulräumen werden Geräusche in erster Linie durch die Stimmen der Kindern und der Lehrkräfte hervorgerufen. Diese werden zudem z.B. durch Stühlerücken, aktive  Elektrogeräte, Herumsuchen in der Schultasche oder dem Öffnen und Abstellen von Getränkeflaschen erhöht.

Durch die hohe Anzahl der Geräuschquellen werden Laute zu Lärm!

 

Manches ist einfach zu beheben:

  • Wenn kein Teppichboden vorhanden ist, können Filzgleiter den Tischen und Stühlen das „Nervpotential“ nehmen.
  • Das laute Anschlagen von Türen gegen Wände verhindern Türpuffer.
  • Und brummende Neonröhren sollten Sie sofort austauschen.
  • Dagegen ist das Tuscheln, Schwätzen und Zwischenrufen nicht so einfach aus der Welt zu schaffen. Das Aufstellen von Klassenregeln unterstützt Sie und gibt den Schülern Strukturen vor, an denen sie sich orientieren können. Zugleich muss bei den Schülern aber auch Verständnis für die Regeln durch die Aufklärung über Lärm und seine gesundheitlichen Folgen geschaffen werden.

Einige Ideen haben wir für Sie zusammengetragen:

  • Hörförderung: Aktionen zum bewussten Zuhören und Differenzieren von Geräuschen (z.B. www4.um.baden-wuerttemberg.de).
  • Stimmtraining: Übungen zum Entspannen der Stimme,  Atemtraining, verständliches Sprechen
  • Der Leise- oder Schweigefuchs: Die Ohren gespitzt, der Mund geschlossen – und jeder weiß, der Leisefuchs ist wieder auf Lärmjagd!
    Wird es Ihnen oder den Schülern zu laut, strecken Sie Zeigefinger und den kleinen Finger aus und drücken Mittel- und Ringfinger auf den Daumen. Fertig ist der Leisefuchs, der alle ermahnt, ruhiger und aufmerksamer zu werden. Das kleine Ruhe-Ritual hilft Ihnen dabei, unruhige Unterrichtsphasen zu beruhigen und macht den Kindern Spaß, die nach der Sichtung des Leisefuchses ihre Leisefüchse zeigen dürfen.
  • Am 27. April 2016 findet der „Tag gegen Lärm – International Noise Awareness Day“ statt. Auch Schulen sind dazu aufgerufen, Aktionen rund um das Thema Lärm zu veranstalten. Wenn sich Ihre Schule beteiligen möchte, finden Sie Informationen auf der Homepage www.tag-gegen-laerm.de.
  • Integration in den Unterricht: Anknüpfungspunkte gibt es v.a. zu den naturwissenschaftlichen Fächern oder an das Thema Gesundheit. Material und Tipps für verschiedene Klassenstufen finden sich z.B. auf den Seiten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung oder der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Lärm sichtbar machen

Oft ist es Schülern (und vielleicht auch Ihnen) gar nicht bewusst, wie laut es im Klassenzimmer ist. Hier helfen Instrumente zur Messung des Schalldrucks. Schallpegelmesser zeigen den Schalldruckpegel in Dezibel an. Die professionellen Geräte eignen sich besonders für Schalldruck-Experimente.

Ein besonderer Schallpegelmesser ist die Lärmampel. Sie unterstützt bei der Einhaltung von Lärmregeln, denn sie macht den Lärm „sichtbar“ und ist objektiv:

Optisch gleicht sie einer Verkehrsampel und nutzt die bekannte Farbsymbolik (grün = Lautstärke in Ordnung, gelb = Achtung, es wird zu laut, rot = zu hohe Lautstärke). Bei vielen Geräten ist es möglich, die Grenzen für ein Umschalten der Ampel selbst festzulegen.
Eine Lärmampel kann für Sie das lästige Ermahnen, leiser zu sein, übernehmen 🙂

Lärm in der Schule

Die Lärmampel visualisiert die Geräuschkulisse im Klassenzimmer, Quelle: Betzold

Alternativ schont auch eine Glocke als Signal zum leiser werden die Stimme. Wichtig ist, dass die Lärmampel in die Lärmregeln integriert wird. Sie können Belohnungen festlegen, wenn die Ampel während einer Stunde nicht auf gelb springt oder negative Konsequenzen für eine rote Ampelanzeige festlegen.

Manchmal hilft aber auch das Gegenteil von Ruhe gegen den Stress: Einfach mal alles laut herausschreien – aber vielleicht besser außerhalb der Schule, denn Schreien entlastet nur den aktiven Part, für die unfreiwilligen Zuhörer ist es nichts anderes als Lärm …

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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