Aktuelle Lösungsansätze
Die Praxisintegrierte Ausbildung (PIA) zeigt erste Erfolge im Bereich der Nachwuchsgewinnung im Bereich der pädagogischen Fachkräfte. Durch die, in einigen Bundesländern bereits erfolgreich eingeführten, vergüteten Ausbildung zeigt sich ein erster Aufwärtstrend, was die Erzieherinnen und Erzieher in Ausbildung angeht. Gerade der Aspekt der vergüteten Ausbildung ist ein nicht unerheblicher Punkt, der die Entscheidung für oder gegen die Erzieherausbildung beeinflusst. Laut der vor kurzem veröffentlichten Studie des BFSFJ interessieren sich zwar 22% der Frauen unter 45 Jahren und 8% der Männer für diesen Berufsweg, allerdings haben sich 12% der ernsthaften Interessenten wegen der fehlenden Bezahlung gegen die Ausbildung entschieden. Lösungsansätze werden in Form von der bereits erwähnten praxisintegrierten Ausbildung für Erzieherinnen und Erzieher sowie durch neue Perspektiven mit einem Aufstiegsbonus geliefert. Durch den Bund werden Träger finanziell unterstützt, um eine Vergütung der Auszubildenden zu gewährleisten. Eine Fokussierung auf die Praxis findet nun von Beginn an statt und wird ebenfalls finanziell unterstützt.
Für die bereits vorhandenen Fachkräfte wird die Weiterbildung zur Ausbilderin/zum Ausbilder attraktiver, indem hierfür finanzielle Mittel bereitgestellt werden. Auch eine zeitliche Freistellung gehört zu den vorgeschlagenen Maßnahmen. Die Aufstiegschancen für Erzieherinnen und Erzieher gestalten sich vielfältig. Für den jeweiligen Träger der Einrichtungen werden Gelder bereitgestellt, die den Fachkräften Weiterbildungen und Qualifikationen in den Bereichen Grundschule oder Sozialraum ermöglichen. Auch die Gewinnung von männlichen Fachkräften ist Teil der aktuellen Bestrebungen. Quereinsteiger stehen ebenfalls im Fokus der Personalentwicklung.
Ausblick auf die folgenden Jahre
Im Zuge der allgemein zumeist späteren Verrentung pädagogischer Fachkräfte, zeigt sich zu Beginn der angekündigten Ganztagsbetreuung in Grundschulen ein gravierendes Bild. Experten prognostizieren einen Mangel an pädagogischen Fachkräften, der sich zwischen 150.000 und 300.000 Erzieherinnen und Erziehern bewegt. Die aktuell angedachten Maßnahmen sollen hierfür eine solide Basis schaffen, um den Nachwuchs für Kindergarten und Kita sowie Grundschulen zu sichern. Gleichzeitig sind ernsthafte Anstrengungen wichtig, um älteren Fachkräften die Arbeit in den Einrichtungen zu erleichtern und um ein gesundheitlich bedingtes vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf zu vermeiden. Neben einer gut geführten Supervision und Intervision, in denen ältere und jüngere Fachkräfte den aktiven Austausch miteinander anstreben, sind Alltagshelfer und angepasste Arbeitsbedingungen und -zeiten maßgeblich für die Inkorporation aller Fachkräfte.
Beispiele für praktische Alltaghelfer finden sich bereits in vielen Einrichtungen. Sei es der Wickeltisch mit Treppe oder eine Lärmampel im Gruppenraum, die es Kindern und Fachkräften erleichtert, Lautstärke zu visualisieren. Auch Erzieherstühle und rollbare Tische erleichtern die tägliche Arbeit und das nicht nur für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Ü50. Prophylaxe ist hier ein Stichwort, dass gerade in Bezug auf den Beruf der Erzieherin/des Erziehers oft zu hören ist, in der Praxis aber allzu oft untergeht. Fachkräftesicherung beginnt dort, wo die Gesundheit der Fachkräfte unterstützt und erhalten wird. Neben praktischen Alltagshelfern in der pädagogischen Arbeit, sind auch eine ausgeglichene Arbeitsorganisation und gute Teamarbeit von enormer Wichtigkeit. Auch regelmäßige Fortbildungen in Wunschbereichen wirken sich positiv auf die Grundeinstellung zum eigenen Beruf aus.
Der Bedarf an neuen Erzieherinnen und Erziehern ist da. Der Bedarf, Fachkräfte über 50 Jahren im Beruf zu halten, ist ebenfalls nicht zu leugnen. Wenn nun die notwendigen Weichen gestellt werden, steht einer optimalen Betreuung der Kleinsten nur noch sehr wenig im Weg.