Was ist multisensorisches Lernen
Multisensorisches Lernen wird auch als Lernen mit allen Sinnen bezeichnet: Sehen, hören, fühlen, riechen, schmecken – je mehr Sinne parallel an Lernprozessen beteiligt sind, desto leichter machen wir es dem Gehirn, den Lernstoff zu verstehen und abzuspeichern.
Wissenschaftlich ausformuliert findet sich diese Hypothese in Form der multisensorischen Lerntheorie. Überprüft wurde die Theorie 2015 von Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig.
Sie untersuchten den Vorgang am Beispiel des Vokabellernens.
Bei der Überprüfung nach unterschiedlichen Zeitpunkten erzielten die Teilnehmer die besten Ergebnisse, die das gelernte Wort selbst mit Gesten ausgedrückt hatten. Eine Verbesserung der Lernleistung zeigte sich auch, wenn Teilnehmende Wort und Übersetzung hörten und ein passendes Bild dazu sahen.
Die Forscher vermuteten, dass der zusätzliche Input, den die unterschiedlichen Sinneseindrücke schafften, mehr Assoziationen und damit das Lernen und Merken erleichterten. Sie gingen aufgrund der Ergebnisse auch davon aus, dass sich der Lernerfolg weiter steigerte, je mehr Sinne beteiligt waren. Die Sinneseindrücke sollten dabei allerdings zueinander passen.
Multisensorisches Lernen auf einen Blick:
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- Die parallele Beteiligung verschiedener Sinne an einem Lernprozess kann das Lernen erleichtern.
- Bilder, Bewegungen, Geräusche oder Gegenstände schaffen zusätzliche Verknüpfungen.
- Die Forschenden vermuten, dass sich der Lernerfolg weiter steigert, je mehr Sinne am Lernprozess beteiligt sind.
- Die Sinneseindrücke sollten inhaltlich zueinander passen.
Wie kann multisensorisches Lernen im Unterricht eingesetzt werden?
Die Vorteile des multisensorischen Lernens beschränken sich natürlich nicht auf das Vokabellernen. Es kann in allen Bereichen und Fächern zum Einsatz kommen, in denen es möglich ist, Lernstoff durch verschiedene, zueinander passende, Sinneseindrücke zu vermitteln.
Oft reichen bereits kleine Anpassungen aus, um mehrere Sinne gleichzeitig anzusprechen. So können Schülerinnen und Schüler neue Inhalte nicht nur sehen oder hören, sondern auch selbst ausprobieren, ertasten, bewegen oder gestalten.
Sprachen
Das Erlernen einer Sprache bietet sich dafür allerdings besonders an: Häufig kommt multisensorisches Lernen bereits in den Bereichen DaZ, Fremdsprachen und der Sprachförderung zum Tragen. Neue Wörter und Satzstrukturen können dabei durch Bilder, Bewegungen und Hörimpulse gelernt werden.
Beispiele:
- Vokabeln mit passenden Gesten verbinden
- Gegenstände zeigen und benennen
- Bildkarten zur Wortschatzarbeit nutzen
- Lieder, Reime und Bewegungsspiele einsetzen
- Dialoge als Rollenspiel darstellen
- Digitale Hörstifte (Tellimero Edu) oder Audioaufnahmen zum Üben der Aussprache verwenden
Deutsch
Besonders beim Schriftspracherwerb und bei der Sprachförderung profitieren Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht davon, wenn sie Lerninhalte nicht nur sehen und hören, sondern auch aktiv erleben.
Beispiele:
- Buchstaben mit dem Finger in Sand oder Knete nachformen
- Buchstaben nachspuren
- Silben klatschen und dabei rhythmisch sprechen
- Wortarten durch Farben kennzeichnen
- Geschichten mit Figuren oder Gegenständen nachspielen
- Neue Wörter mit passenden Bildern und Gesten verknüpfen
- Texte vorlesen, anhören und anschließend illustrieren
Mathematik
Viele mathematische Inhalte sind zunächst abstrakt. Hier ist der Einsatz von Anschauungsmaterialien und praktischen Übungen besonders hilfreich, um den Lernenden mathematische Zusammenhänge besser näherzubringen.
Beispiele:
Sachunterricht
Im Sachunterricht bietet sich multisensorisches Lernen besonders an, da viele Themen durch Beobachten, Ausprobieren und Entdecken erfahrbar gemacht werden können.
Beispiele:
- Naturmaterialien sammeln, untersuchen und beschreiben (z.B. als Herbarium)
- Experimente durchführen und dokumentieren
- Modelle von Tieren oder Pflanzen betrachten
- Kräuter, Obst oder Gemüse kennenlernen und mit verschiedenen Sinnen erforschen
- Wetterphänomene beobachten und protokollieren
- Lernorte außerhalb der Schule besuchen (Wälder, Wiesen oder Museen)
Vorteile des multisensorischen Lernens
- Die Ansprache der verschiedenen Sinne macht die Vermittlung des Lernstoffs interessanter, was auch die Aufmerksamkeit und die Beteiligung steigert.
- Die Schülerinnen und Schüler können sich den Lernstoff besser merken, wenn er über mehrere Sinne erfahren wird (Dual-Coding-Effekt).
- Lerninhalte werden leichter verstanden, wenn sie zusätzlich visualisiert, gehört oder handelnd erfahren werden.
- Der Lernerfolg wird gesteigert.
- Die Erfolge motivieren die Schülerinnen und Schüler.
Hilfsmittel für multisensorisches Lernen
Für multisensorisches Lernen eignen sich Materialien, die mehrere Sinne gleichzeitig ansprechen. Sie helfen dabei, Lerninhalte sichtbar, hörbar, greifbar und erlebbar zu machen. Je nach Fach und Unterrichtsziel kommen dabei unterschiedliche Hilfsmittel zum Einsatz.
Wörter sichtbar machen: Bildkarten
Bildkarten gibt es inzwischen für abstrakte und konkrete Begriffe: Sie zeigen Substantive wie Gegenstände, Körperteile, Gefühle, Zeitangaben, Zeitformen und vieles mehr genauso wie Präpositionen, Adjektive oder Verben.
Der Einsatz von Bildkarten erleichtert damit nicht nur das Lernen neuer Wörter, sondern veranschaulicht auch grammatische Strukturen, wie z. B. Präpositionen.