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Visuelle Wahrnehmungsstörungen

Visuelle Wahrnehmungsstörungen bei Schülern erkennen

So unterstützen Sie Kinder mit visuellen Wahrnehmungsstörungen

Das Wissen um Lernschwächen wie Legasthenie (Lese-Rechtschreibschwäche/LRS) oder Dyskalkulie (Rechenschwäche) führt dazu, dass Lehrerinnen und Lehrer Schüler mit Lernschwierigkeiten heute (hoffentlich) nicht mehr pauschal als zu wenig intelligent abstempeln.

In den vergangenen Jahren wurde viel Aufklärungsarbeit geleistet und es gibt Anlaufstellen für Lehrkräfte und Eltern, die dabei helfen, festzustellen, ob eine Lernschwäche die Ursache für die Lernprobleme sein könnte. Frühzeitig erkannt, kann den Kindern meist gut geholfen werden.

Eine Problematik, die weniger geläufig ist, als die oben genannten Lernschwächen, sind auditive oder visuelle Wahrnehmungsstörungen. Sie können Lernschwierigkeiten in verschiedenen Fächern verursachen. Ich selbst bin kürzlich durch einen Fall im Familienkreis auf  visuelle Wahrnehmungsstörungen aufmerksam geworden, was mich zu diesem Beitrag veranlasst hat.

Denn die Grundvoraussetzung für Lehrerinnen und Lehrer, um überhaupt vermuten zu können, dass sich eine Lernschwäche oder eine Wahrnehmungsstörung hinter den Problemen von Schülern verbergen könnte, ist das Wissen um sie.

Wichtiger Hinweis: Dieser Beitrag möchte einen ersten Einblick in das Thema „Visuelle Wahrnehmungsstörungen bei Schülern“ geben. Er kann keine ärztliche Untersuchung und die Diagnose von auf das Thema spezialisierten Experten ersetzen!

Was sind visuelle Wahrnehmungsstörungen?

Mit den Augen und der Sehkraft von Kindern mit visuellen Wahrnehmungsstörungen kann alles vollkommen in Ordnung sein, doch im Gehirn werden die ankommenden Informationen nicht ausreichend und schnell genug verarbeitet. Wie bei Lernschwächen hängen die Probleme nicht von der Intelligenz der betroffenen Kinder ab.

Kinder mit visuellen Wahrnehmungsstörungen können Probleme mit den schulischen Leistungen bekommen.

Wenn es bei der Aufnahme, Unterscheidung, Einordnung oder Interpretation der optischen Reize im Gehirn Probleme gibt, ist die visuelle Wahrnehmung gestört. Man spricht dann von einer visuellen Wahrnehmungs- oder Verarbeitungsstörung. Abhängig von Art und Ausmaß kann das zu unterschiedlichen Beeinträchtigungen und Lernproblemen führen. Infolgedessen können auch Verhaltensauffälligkeiten auftreten.

Wie zeigen sich die Beeinträchtigungen?

Visuelle Wahrnehmungsstörungen können sich unterschiedlich äußern. Die folgenden Punkte sind Beispiele für mögliche Beeinträchtigungen, die allerdings nicht gebündelt auftreten müssen und neben denen es noch weitere gibt.

  • Probleme mit der räumlichen Wahrnehmung (oben/unten, links/rechts, vorne/hinten)
  • Orientierungsschwierigkeiten
  • Probleme, Entfernungen und die Geschwindigkeit bewegter Objekte einzuschätzen
  • Leseschwierigkeiten: Weglassen von Wortendungen; Überspringen von Zeilen; Buchstabendreher; Probleme, ähnliche Buchstaben zu erkennen (z. B. häufige Verwechslung von b/d/q/p); Schwierigkeiten, den Sinn des Gelesenen zu verstehen
  • (Recht-)Schreibschwierigkeiten: Verwechseln ähnlicher Buchstaben (z. B. M statt W); Buchstabendreher; Probleme, in Linien zu schreiben; unleserliche Handschrift; Schwierigkeiten beim Nachspuren der Linien
  • Probleme in Mathematik: Zahlendreher (84 statt 48); Probleme, ähnliche Zahlen zu erkennen (z. B. 6 und 9); Probleme bei der Unterscheidung des Größer-/Kleinerzeichens; Schwierigkeiten beim Lernen der Uhrzeit

Mögliche Folgen

Die Beeinträchtigungen können dazu führen, dass das Kind dem Unterricht nicht so gut und schnell folgen kann, wie seine Mitschüler. Dadurch kann es zu Hänseleien oder einer Ausgrenzung des betroffenen Kindes kommen. Schulangst, schwindende Motivation, keine Lust mehr Lesen, Schreiben oder Rechnen zu üben, sind mögliche Folgen.

Manche Kinder reagieren aufgrund der häufigen Misserfolge mit Verhaltensauffälligkeiten, die zu weiteren Schwierigkeiten in der Klasse führen können.

Verhaltensauffälligkeiten sind eine mögliche Folge isueller Wahrnehmungsstörungen.

Die Beeinträchtigungen führen zu schlechteren schulischen Leistungen. Ohne Hilfe durch geeignete Maßnahmen führt dies zu schlechteren oder fehlenden Schulabschlüssen.

Um festzustellen, ob tatsächlich eine visuelle Wahrnehmungsstörung vorliegt, muss untersucht werden, ob sie als Ursache für die Probleme in Frage kommt. Durch teilweise ähnliche Anzeichen ist sonst eine Verwechslung beispielsweise mit LRS, Rechenschwäche oder AD(H)S möglich.

Wenn die Ursache der Lernprobleme geklärt ist, können eine passende Therapie und weitere unterstützende Maßnahmen helfen, diese zu überwinden. Zwar können sich die Schwierigkeiten mit der visuellen Wahrnehmung im Laufe der kindlichen Entwicklung von selbst verbessern, wenn es sich um eine vorübergehende Wahrnehmungsschwäche handelt, doch dann könnte bereits ein schulisches Lerndefizit entstanden sein, das schwer wieder aufgeholt werden kann.

Was tun, wenn Sie eine visuelle Wahrnehmungsstörung vermuten?

  1. Gespräch mit den Eltern

    Stellen Sie bei einem Schüler Beeinträchtigungen fest, die auf eine visuelle Wahrnehmungsstörung hindeuten, sollten Sie in einem ersten Schritt das Gespräch mit den Eltern suchen.

    Hier können Sie Ihre Beobachtungen schildern. Vielleicht haben die Eltern bereits ähnliche oder weitere Hinweise auf die Problematik festgestellt. Gemeinsam können Sie nun das weitere Vorgehen besprechen.

  2. Diagnose stellen lassen

    Um sicherzugehen, ob eine visuelle Wahrnehmungsstörung wirklich die Ursache für die schulischen Probleme ist, sollte ein Experte aufgesucht werden. Der Kinderarzt ist eine erste Anlaufstelle. Dort können Fachleute, wie Augenärzte oder Orthoptisten, für eine weitergehende Diagnose empfohlen werden. Auch Psychologen und Heilpädagogen können bei einer Diagnosestellung einbezogen werden.

    Die Untersuchung dauert in der Regel ein bis zwei Stunden. Üblicherweise wird die Sehfähigkeit des Auges untersucht, um Sehprobleme auszuschließen. Auch die Augenbewegung und das beidäugige Sehen werden überprüft. In Gesprächen werden die individuellen Lernschwierigkeiten des Kindes besprochen, genauso die Dinge, die gut funktionieren und Spaß machen.

    Mithilfe verschiedener psychologischer Tests wird dann überprüft, ob eine behandlungsbedürftige visuelle Wahrnehmungsstörung vorliegt und wie geeignete Maßnahmen aussehen können.

    Aber auch wenn es sich „nur“ um eine vorübergehende Wahrnehmungsschwäche handelt, können die unten aufgeführten Punkte den betroffenen Kindern das Lernen erleichtern.

  3. Therapie und unterstützende Maßnahmen

    Wenn Ursachen vorliegen, die behandelt werden können, wird dies der erste Schritt sein. Oft können aber keine körperlichen Ursachen ausgemacht werden. Spezielle Übungen sollen helfen, die Fähigkeiten zu trainieren, bei denen Defizite bestehen. Helfen können beispielsweise Ergotherapeuten oder Heilpädagogen. Was genau sinnvoll ist, hängt von den individuellen Ursachen und Beeinträchtigungen ab.

    Wichtig ist, dass Eltern, Therapeuten und Lehrkräfte sich regelmäßig austauschen, um das Kind bestmöglich zu fördern.

Wie Sie als Lehrerinnen und Lehrer Kindern mit visuellen Wahrnehmungsstörungen helfen können

Je nachdem, wo die Schwierigkeiten der Schüler liegen, gibt es unterschiedliche Ansätze, ihnen das Lernen in der Schule zu erleichtern. Hier sind einige Punkte, die betroffene Schüler unterstützen können:

  • Geeigneten Sitzplatz bereitstellen (Licht, Nähe zu Tafel und Projektionsflächen).
  • Mehr Zeit zur Lösung von (Haus-)Aufgaben einplanen oder Aufgabenzahl verringern.
  • Die Kinder benötigen oft auch mehr Zeit zum Abschreiben von Texten und Tafelbildern.
  • Arbeitsblätter kontrastreich ausdrucken und auf eine gut lesbare, große Schrift achten.
  • Arbeitsmaterial nicht zu verspielt, sondern eher klar und einfach halten.
  • Aufgabenstellungen vorlesen (auch in Klassenarbeiten).
  • Ein nicht transparentes Lineal hilft den Schülern, in der richtigen Zeile zu bleiben.
  • Auch der Finger darf beim Lesen zum Einsatz kommen.
  • Weitere Hilfsmittel wie Lupen, Lesegeräte, Tablets oder Computer erlauben.
  • Mit Markierungsband kann die Aufgabe, an der gerade gearbeitet wird, hervorgehoben werden.
  • Erlauben Sie alternative Lineaturen im Schreibheft.
    Zu viele Linien können Kinder mit visuellen Wahrnehmungsstörungen eher durcheinanderbringen als helfen.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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