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Leseförderung Jungen
Beim Lesen sind Mädchen den Jungs oft ein Stück voraus, Quelle: Betzold

Lesekompetenz von Jungen

Leseförderung von Jungen – Auch echte Kerle sollten lesen!

Die letzte PISA-Studie der OECD aus dem Jahr 2015 hat eindrücklich gezeigt, dass in Sachen Lesekompetenz deutliche Leistungsunterschiede zwischen den Geschlechtern existieren. Zwar hat sich der Abstand etwas verringert, doch noch immer  schneiden Mädchen im Durchschnitt um 21 Punkte besser ab als Jungen.

Lesen steht bei vielen Jungs einfach nicht so hoch im Kurs.

Vor allem im Alter von acht bis zwölf Jahren lässt sich ein regelrechter „Leseknick“ feststellen. Bei Mädchen setzt er allerdings erst später ein und wirkt sich lange nicht so stark aus. Möglicherweise mangelt es an männlichen Lese-Vorbildern oder an der größeren Bedeutung anderer Interessen wie Sport, Fernsehen, PC-oder Konsolenspiele.

Mehr Leseförderung speziell für Jungen ist nötig

In der PISA-Studie stand nicht nur die Fähigkeit flüssig zu lesen im Fokus, sondern auch, ob das Gelesene verstanden, eingeordnet und genutzt werden konnte. Kinder, denen das nicht möglich ist, haben es schwerer, schulisch und später beruflich erfolgreich zu sein. In manchen Situationen wirkt sich die mangelnde Lesekompetenz sogar einschränkend auf die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben aus.

Leseförderung Jungen

Übung macht den „Lese-Meister“, Quelle: Betzold

Genauso wie die naturwissenschaftlichen Fähigkeiten von Mädchen schon seit längerer Zeit gefördert werden, muss beim Thema Lesen spätestens nach diesen Erkenntnissen noch mehr auf Jungen eingegangen werden. Eine auf die Bedürfnisse der Jungen ausgerichtete Leseförderung ist nötig!

Die Basis wird in der Vorpubertät gelegt. Besonders wichtig ist eine Leseförderung deswegen in den Klassen drei bis sechs der Grundschule und Sekundarstufe I. In dieser Zeit sollte besonders auf eine gendersensible Förderung geachtet werden. Während der Pubertät ist es oft schwieriger, einen Zugang zu den Jugendlichen zu finden.

Aus der Sicht vieler Jungs sind Romane etwas für Mädchen: Nicht selten sind es in den Familien die Mütter, die ihnen vorlesen. Im Kindergarten werden die Geschichten meist von Erzieherinnen vermittelt und auch an den Grundschulen treffen sie eher auf Deutschlehrerinnen als auf männliche Pädagogen. Spätestens mit der Pubertät wollen sich viele Jungs von diesem vermeintlich weiblich besetzten Interesse abgrenzen. Hier sind die Väter, Onkel und Großväter gefragt: Vorlesen, über Lieblingsbücher reden und Bücher schenken, die einem als Kind selbst gefallen haben!

Unterschiedliche Leseinteressen

Wenn Jungen lesen, greifen sie gerne zu Zeitschriften, Artikeln, Sach- und Fachbüchern.
Während also Mädchen gerne Geschichten lesen, die sich kontinuierlich entwickeln, kommen Jungen mehr mit Texten in Berührung, die bestimmte Informationen vermitteln wollen. So ist auch der große Vorsprung der Mädchen gerade beim Erfassen von Erzählungen und Argumentationen zu erklären, der ebenfalls in der PISA-Studie festgestellt wurde.

Leseförderung Jungen

Mädchen und Jungs haben unterschiedliche Leseinteressen, Quelle: Betzold

Die Kunst ist es, den Spagat zwischen einer spezifischen Förderung der Interessen der Jungen zu schaffen, ohne Gefahr zu laufen, Rollenklischees zu reproduzieren und sie gleichzeitig an kontinuierliche Texte, wie Romane, heranzuführen, ohne die unterschiedlichen Neigungen der Geschlechter zu ignorieren.

Wer nicht gern liest, liest auch nicht viel. Und nur wer viel Übung im Lesen hat, versteht auch, was er liest und hat Spaß daran. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, hilft nur üben! Am besten klappt das durch Trainingsvarianten des Lautlesens: Lautlesetandems, Lesetheater und wiederholtes und begleitendes laut lesen (repeated bzw. paired reading).

Lesemotivation: Die passenden Bücher für Jungen müssen her!

Leseförderung Jungen

Mit dem richtigen Lesestoff macht Lesen Spaß! Quelle: Betzold

Dazu eignet sich in erster Linie Literatur, für die sich Jungen begeistern können. Besonders beliebt sind spannende, aktionsgeladene, gruslige und humorvolle Bücher mit männlichen Helden (oder Antihelden, wie im Fall von „Gregs Tagebuch“).

Die Bücher sollten gleich von der ersten Seite an spannend und temporeich sein. So dass sie nur schwer aus der Hand gelegt werden können 🙂

Jungs fühlen sich in den Genres Abenteuer, Fantasy, Krimi, Sport und Science-Fiction wohl. Auch Comics stehen hoch im Kurs. Möglicherweise vorhandenen Dünkel gegenüber den mehr bild- als textreichen Heftchen sollten Sie über Bord werfen. Comics sind eine wunderbare „Leseeinstiegsdroge“. An der Realität orientierte Gesellschaftsromane, Geschichten über Beziehungen, Probleme und Liebe, wie sie in der Schule häufig gelesen werden, sind für viele Jungs uninteressant – ganz anders als für Mädchen.

Für Jungs sind Geschichten, die sie selbst beeinflussen können, besonders motivierend: In diesen Büchern muss nach einem Abschnitt eine Entscheidung getroffen werden, wie die Geschichte weitergehen soll. „Die Insel der tausend Gefahren“ können sich Ihre Schüler auch online ansehen.

So werden Bücher noch interessanter

Der Weg zum Buch kann gerade bei Jungen auch über andere Medien wie Film, Fernsehen oder Video- und Computerspiele gelingen. Die zahlreichen Buchadaptionen machen es möglich. Einmal gesehen oder gespielt, steigt das Interesse für die Handlung und die Charaktere – die Motivation zum Buch zu greifen wird höher. Das Gleiche gilt für Bücher zum Lieblingssport oder Biographien von Sportlern und anderen Idolen.

Auf der Seite „Boys & Books“ finden Sie zahlreiche Buchempfehlungen für Jungen zwischen 6 und 18 Jahren – sortiert nach Altersempfehlungen oder Genres.

Möglicherweise können Sie sogar Buchinhalte fächerübergreifend thematisieren: Werden in den Geschichten z.B. Fußballtricks beschrieben, können diese im Sportunterricht selbst ausprobiert werden oder es ergeben sich Parallelen zum naturwissenschaftlichen Unterricht, Geographie, Religion oder Musik. Hintergründe zu den Büchern werden in Sachbüchern oder über das Internet recherchiert.
Das Nachempfinden der Handlung in Rollenspielen und die Suche nach wissenschaftlichen Belegen und den Hintergründen macht das Buch gerade für Jungen noch interessanter. Noch mehr Tipps finden Sie in der Lehrerbroschüre zu dem Projekt „Jungen lesen – aber anders!“ der Stiftung Lesen und des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus und Sport.

Von der Einbeziehung verschiedener Medien wie Zeitschrift, Zeitung, Comic, Sachbuch, E-Book, Songtext oder Internetartikel und anderen Themen (Sport, Action, Technik, Weltraum) profitieren aber nicht nur die Jungs! Auch Mädchen, die sonst eher zu fiktionaler Literatur greifen, kommt der Kontakt zu anderen Textformen zugute.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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