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Feinmotorik von Schülern fördern

Mit welchen Übungen trainieren Sie die Feinmotorik Ihrer Schüler?

Um einen Stift richtig zu halten, die Kraft beim Schreiben passend zu dosieren und das Ganze auch über eine längere Zeit hinweg, benötigen Schüler eine gut ausgeprägte Feinmotorik. Sind die feinmotorischen Fähigkeiten bei Kindern noch nicht ausreichend ausgebildet, kann längeres Schreiben zu schmerzenden und verkrampften Händen und infolgedessen auch zu einer unleserlichen Schrift führen.

Wenn dann das Korrigieren regelmäßig dem Entschlüsseln von Hieroglyphen gleicht und jedes Wort enträtselt werden muss, kann zum Einen die Motivation des Korrigierenden schnell flöten gehen, zum anderen fragen sich nicht wenige Lehrerinnen und Lehrer: Wird die Handschrift der Schüler immer schlechter?
Und: Wie kann man Schülern helfen, die aufgrund von mangelnden motorischen Fähigkeiten eine – Entschuldigung für den Ausdruck – „Sauklaue“ haben?

Schreib- und Feinmotorik von Schülern verschlechtert sich

Der Eindruck, den viele haben scheint nicht zu trügen:
In einer Umfrage des Schreibmotorik-Instituts in Heroldsberg und des Deutschen Lehrerverbands von 2015 gaben 83% der befragten Grundschullehrerinnen und -lehrer an, dass die Fähigkeiten, die die Kinder als Voraussetzung für die Entwicklung der Handschrift mitbringen, abnehmen.

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Eine unleserliche Schrift oder Probleme über eine längere Zeit hinweg beschwerdefrei zu schreiben, können auf Defizite in der Feinmotorik zurückzuführen sein, © Fotolia.com / BillionPhotos.com

Schulunabhängig konstatieren 87% eine Verschlechterung der Schreibmotorik.
Unter den Lehrerinnen und Lehrern an weiterführenden Schulen sind 79% der Meinung, die Handschrift der Schüler habe sich in den letzten Jahren negativ entwickelt.

Es fällt vielen Schülern auch an weiterführenden Schulen bereits schwer, eine halbe Stunde ohne Beschwerden zu schreiben: Nur 38% ihrer Schüler attestierten die befragten Lehrerinnen und Lehrer die Fähigkeit, 30 Minuten ohne Verkrampfung oder Ermüdung der Hand schreiben zu können.

84% der teilnehmenden Grundschullehrkräfte sehen die Verschlechterung der feinmotorischen Fähigkeiten der Schüler als Ursache für die Probleme mit der Handschrift an. Dicht gefolgt wird diese Annahme von „Zu wenig Übung zu Hause“ (61%) und der „fortschreitenden Digitalisierung der Kommunikation“ (53%).

Feinmotorische Fähigkeiten sind eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer leserlichen Handschrift

Der Begriff „Feinmotorik“ umfasst gemeinhin die kleinen, präzisen Bewegungen die wir mit Händen, Fingern, Mund und den Gesichtsmuskeln (der Mimik) durchführen können. Die motorischen Fähigkeiten von Händen und Fingern sind für das Schreiben besonders relevant.

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Durch regelmäßiges Üben können feinmotorische Fähigkeiten geschult werden, Quelle: Betzold

Damit diese Bewegungen so gelingen, wie wir es möchten, ist eine gute visuelle Wahrnehmung wichtig, besonders eine ausgeprägte Hand-Auge-Koordination. Sie ist nötig, um die Lineatur beachten und die Buchstaben formgerecht abbilden zu können. Außerdem müssen Kinder den Krafteinsatz einschätzen können und die richtige Stifthaltung erlernen.

  • Stifthaltung:

    Die Haltung des Stifts im Dreipunktgriff ist eine zentrale Voraussetzung dafür, auch über eine längere Zeit hinweg beschwerdefrei zu schreiben. Der Griff sollte weder zu weit oben, noch – was häufiger ist – zu weit unten ansetzen. Manchen Kindern fehlen die feinmotorischen Fertigkeiten, um den Dreipunktgriff anwenden zu können. In diesem Fall reicht die Arbeit an der richtigen Stifthaltung allein nicht aus: Es müssen die grundlegenden feinmotorischen Fertigkeiten gefördert werden.
    Neben der Förderung der Feinmotorik helfen Stifte mit herausgearbeiteten größeren Auflageflächen für die Finger, einer griffigen Oberfläche oder weichen Ummantelungen, den Stift richtig zu fassen. Stifte mit passenden (!) Griffmulden sollten jedoch nur übergangsweise eingesetzt werden, da sie die Stifthaltung auch einengen.

  • Körperhaltung:

    Auch Schüler mit einer schlechten Körperhaltung (die z. B. mit gekrümmten Rücken 5 cm mit dem Kopf über dem Blatt hängen) können nicht entspannt schreiben. Die Schüler sollten deshalb halbwegs gerade sitzen und ihre Unterarme etwa zu zwei Dritteln locker auf dem Tisch auflegen. Dabei sollte die Schulter entspannt sein. Hier zeigt sich, dass fein- und grobmotorische Fähigkeiten nicht isoliert voneinander betrachtet werden können. Die Voraussetzung, mit geradem Rücken zu sitzen, sind darüber hinaus natürlich Tische und Stühle in den passenden Größen.

Spätestens mit dem Schuleintritt benötigen Kinder ihre feinmotorischen Fähigkeiten, um Buchstaben formgerecht schreiben zu können, zu zeichnen, mit Schere und Kleber umzugehen oder Handarbeiten anzufertigen.

Hier einige Beispiele für feinmotorische Fähigkeiten, die frisch eingeschulte Kinder im Idealfall mitbringen sollten:

  • Knoten und Schleife binden
  • Flasche auf- und zudrehen
  • Stift anspitzen
  • Jacke/Hemd zu- und aufknöpfen
  • entlang einer Linie scheiden
  • Bilder ausmalen
  • ein Blatt genau von Ecke auf Ecke falten
Wichtig ist, dass Lehrkräfte die Schwierigkeiten erkennen. Dann können Schüler, die z. B. die genannten Aufgaben noch nicht ganz so gut hinbekommen, mit passenden Übungen und Lernmitteln zur Feinmotorikförderung unterstützt werden 🙂

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Mit den passenden Hilfsmitteln macht das Feinmotorik-Training richtig Spaß, Quelle: Betzold

Feinmotorik von Schülern fördern

Die Feinmotorik der Schüler kann durch regelmäßiges Training verbessert werden. Im Unterricht können Sie Anregungen für passende Übungen geben.
Doch Übungsaufgaben während der Unterrichtszeit allein reichen in der Regel nicht aus, um größere Defizite auszugleichen!

Um die fein- und schreibmotorischen Fähigkeiten nachhaltig und wirkungsvoll zu steigern, ist darüber hinaus auch eine Förderung zuhause und ggf. im Rahmen einer ergotherapeutischen Behandlung sinnvoll. Holen Sie die Eltern deshalb unbedingt mit an Bord.

Machen Sie die Förderung der Feinmotorik z. B. zum Thema eines Elternabends: Besonders Eltern von Grundschulkindern (54%) wünschen sich mehr Informationen und Hinweise zu geeigneten Materialien, um die Feinmotorik ihrer Kinder besser fördern zu können. Dies ergab eine anlässlich der Didacta 2016 veröffentlichte Elternbefragung des Schreibmotorik-Instituts in Kooperation mit dem Bundeselternrat.

Ideen zur Förderung der Feinmotorik:

Wichtig ist, dass die Kinder Freude an den Aufgaben haben und nicht überfordert werden. Durch Misserfolge beim Malen, Basteln und Schreiben sind viele demotiviert und versuchen, die für sie schwierigen feinmotorischen Handlungen zu vermeiden. Die individuell passenden Übungen sind also gesucht!

  • Schwungübungen:

    Eigentlich zählen Schwungübungen zur Vorbereitung auf das Schreiben lernen. Graphomotorik und Feinmotorik werden durch das Nachspuren oder dem freihändigen Zeichnen von unterschiedlichen Linienverläufen geschult.
    Die Schüler trainieren dabei die für das Schreiben wichtige Bewegungsführung und Bewegungsabläufe von Arm und Hand sowie die Hand-Auge-Koordination. Die mit Schwung ausgeführten Bewegungen erleichtern es den Kindern darüber hinaus, den Krafteinsatz richtig zu dosieren.

    Feinmotorik

    Schwungübungen helfen, das Schriftbild zu verbessern, Quelle: Betzold

    Doch auch noch später können die Übungen dazu beitragen, das Schriftbild zu verbessern. Gerade, wenn die Schüler noch Probleme mit der Stifthaltung haben oder mit zu viel Druck auf den Stift oder das Papier schreiben, eignen sich die eher spielerischen Aufgaben, den Umgang mit dem Schreibwerkzeug zu üben. Ob die Bewegungsabläufe durch häufige Wiederholungen bereits abgespeichert sind, zeigt sich gut, wenn Sie die Kinder bitten, die Schwungübungen mit geschlossenen Augen „blind“ durchzuführen.
    Passende Übungsmaterialien finden Sie im auch Betzold Shop: Graphomotorik-Übungsmaterial

  • Materialeinsatz:

    Durch die Arbeit mit unterschiedlichen Schreibwerkzeugen (verschiedene Stifte, Füller, Kreide, Pinsel, Finger) und Schreibunterlagen (Papier, Tafel, Sand) sammeln die Schüler Eindrücke, die eine gute Basis für die Entwicklung der Handschrift bilden. Besonders das Schreiben und Zeichnen mit dem Finger im Sand sorgt für taktile Reize. Alles, was Sie dafür benötigen, ist eine flache Wanne, die Sie mit feinem Sand füllen sowie Zeichenvorlagen.

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    Beim Ausprobieren verschiedener Schreibwerkzeuge und -unterlagen sammeln die Kinder neue „Schreibeindrücke“, Quelle: Betzold

Mindestens ebenso wichtig für die Förderung der Feinmotorik und der Hand-Auge-Koordination sind Übungen mit Werkzeugen: Schere, Klebstoff, Prickelnadel, Webrahmen oder Hämmerchen – sehr zu empfehlen ist hier das Hämmerchen-Spiel.

Auch eine Pinzette kann zum Einsatz kommen: Lassen Sie Ihre Schüler z. B. Nüsse, Muggelsteine oder Perlen mit einer Pinzette von einer Schale in eine andere sortieren. Wer das schafft, kann die Übung mit Essstäbchen versuchen.

Das Greifen mit Zeigefinger und Daumen, den sogenannten „Pinzettengriff“, lernen die Kinder leicht mit Hilfe von Wäscheklammern, mit denen sie z. B. Kärtchen an eine im Klassenzimmer gespannte Schnur hängen oder die sie sich gegenseitig von Klammer zu Klammer weiterreichen.

Viele der Materialien und Übungen eignen sich auch für Freiarbeitsphasen und auch im Rahmen von Bewegungspausen können Sie Angebote zur feinmotorischen Schulung für die Kinder schaffen.

  • Malen: Beim Malen, Ausmalen und Nachmalen lernt ein Kind den Umgang mit dem Stift und der Hand-Auge-Koordination. Übertreiben Sie es aber v.a. mit den Ausmalübungen nicht. Manche Schüler sind von dieser Tätigkeit schnell gelangweilt und haben keine Freude dabei. Andere nehmen es zu genau und verbringen den halben Nachmittag damit, alles exakt auszumalen.
  • Kneten: Beim Formen von Figuren aus Knetmasse oder Ton sehen die Schüler sofort, ob sie ihre Kraft richtig dosiert haben. Beim Formen von Rollen, Kugeln oder Figuren müssen die verschiedensten Finger- und Handbewegungen ausgeführt werden. Die Beweglichkeit der Finger und deren Muskulatur werden trainiert.
  • Fädeln: Beim Auffädeln von Perlen sind beide Hände und besonders die Fingerspitzen im Einsatz und die visuelle Wahrnehmung ist gefordert. Da v.a. Jungs weniger an der Herstellung von Ketten interessiert sind, gibt es auch viele andere Fädelspiele.
    Feinmotorik

    Auch Fädelspiele schulen die Feinmotorik von Kindern, Quelle: Betzold

  • Weitere Anregungen: Papier falten, Draht biegen, Stapel- und Steckspiele, weben, puzzeln und legen, flechten, knoten oder Kordeln drehen fördern ebenfalls die feinmotorischen Fähigkeiten der Kinder.

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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