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Elterngespräche führen

Elterngespräche führen

So klappt’s auch mit den Eltern 😉

Wenn im Lehrerzimmer der eigene Name und der Satz „Da ist eine Mutter/ein Vater für dich!“ erklingen, kann das, besonders, wenn man noch  im Referendariat steckt oder es erst kurz hinter sich hat, zu einer deutlichen Erhöhung des Stresspegels führen.

Ein Tipp vorweg: Kommt es tatsächlich mal zu der hier geschilderten Situation, erkundigen Sie sich gleich nach dem Anliegen der Eltern. Eine kurze Frage oder etwas Organisatorisches kann gleich besprochen werden. Deutet sich aber an, dass ein längeres Gespräch vonnöten wäre, ist die Vereinbarung eines Termins immer einer unvorbereiteten Unterhaltung zwischen Tür und Angel vorzuziehen. 

Elterngespräche haben bei vielen Lehrerinnen und Lehrern den Ruf, nicht der unkomplizierteste Teil des Lehrerberufs zu sein.

Warum haben Elterngespräche den Ruf, schwierig zu sein?

Für die allermeisten Elterngespräche gilt dies zum Glück nicht. Doch wenn es um schlechte Noten, eine gefährdete Versetzung oder eine vermutete ungerechte Behandlung geht, kann es schnell emotional werden. Schließlich geht es um die eigenen Kinder, für die die Eltern das Beste wollen. Dazu kommt, dass eine Kritik am Verhalten der Kinder schnell auch als Zweifel an den Erziehungsfähigkeiten der Eltern gewertet wird, wodurch sie sich auch selbst angegriffen fühlen.

Unverständnis, Vorwürfe in Richtung Lehrkraft, das Abblocken aller Argumente, laute oder sogar beleidigende Äußerungen sind mögliche Reaktionen. Der Drang, in gleicher Art darauf zu reagieren, ist dann groß. Nur rückt dadurch ein erfolgreiches Ergebnis des Elterngesprächs in weite Ferne.

Ein Ziel ist es deshalb, solche Situationen gar nicht erst entstehen zu lassen oder das Gespräch möglichst rasch wieder auf eine sachliche Ebene zurückzuführen.

In der Checkliste „Elterngespräche führen“ haben wir Tipps zur Planung und Durchführung von Elterngesprächen zusammengefasst – einfach ausdrucken und zum nächsten Elterngespräch mitnehmen.

Checkliste_Elterngespräche

Das ist sicher nicht immer leicht. Mit diesen Maßnahmen schaffen Sie aber auf jeden Fall eine gute Grundlage für ein erfolgreiches Elterngespräch:

10 Tipps, wie Sie ein erfolgreiches Elterngespräch führen

1. Gespräch gut vorbereiten:

  • Gesprächsanlass: Findet das Gespräch nicht im Rahmen eines Elternsprechtags statt, gibt es in der Regel einen konkreten Anlass, den Sie vorab in Erfahrung bringen sollten. Kennen Sie den Grund, können Sie sich zielgerichtet auf das Problem vorbereiten.
  • Unterlagen: Schriftlich festgehaltene Beobachtungen sowie Klassenarbeiten, Tests, Notenlisten und Aufzeichnungen über vergessene Hausaufgaben, Fehlzeiten und Ähnliches sind wichtig, um die Probleme den Eltern anhand von konkreten Beispielen aufzeigen zu können.
  • Gesprächsdauer: Legen Sie einen, für den Gesprächsanlass angemessenen, zeitlichen Rahmen fest. So geraten Sie nicht unter Druck, schnell zum Ende kommen zu müssen und vermeiden andererseits, dass das Gespräch sich unnötig in die Länge zieht.

2. Für eine angenehme Atmosphäre im Besprechungsraum sorgen:

Auch die Atmosphäre in dem Raum, in dem das Gespräch stattfindet, trägt zu einer positiven Stimmung bei. Die Eltern sollten also nicht gerade auf eine mit Beleidigungen zugeschmierten Tafel oder überall im Klassenzimmer verstreutem Müll schauen müssen. Achten Sie darauf, dass auch für die Eltern Stühle in Erwachsenengröße vorhanden sind.
Übrigens: Kekse als Nervennahrung und etwas zu trinken, um die Stimme zu ölen, sind – für Sie und die Eltern – nie verkehrt 🙂

3. Störungen vorbeugen:

Ein „Bitte nicht stören“-Schild an der Tür verhindert Unterbrechungen und zeigt den Eltern, dass die Zeit allein für ihr Anliegen reserviert ist.

4. Begrüßung:

Die Begrüßung schafft die Grundlage für das weitere Gespräch: Ein freundlicher und offener Empfang mit Handschlag und ein bisschen Smalltalk vorweg, können die angespannte Stimmung gleich zu Beginn etwas lösen.

Elterngespräche führen

5. Ablauf erläutern:

Zu Beginn ist es hilfreich, die wichtigsten Eckpunkte und den Ablauf des Gesprächs grob zu benennen:

  • Wie viel Zeit steht für das Gespräch zur Verfügung?
  • Über was soll in der vereinbarten Zeit gesprochen werden?
  • Schilderung der aktuellen Situation
  • Erörterung der Gründe für das Problem
  • Welches Ergebnis wäre aus Ihrer Sicht und der der Eltern wünschenswert?

6. Gegenseitige Wertschätzung:

Zeigen Sie den Eltern, dass sie sich hier nicht als Gegner gegenüberstehen, sondern gleichberechtigte Gesprächspartner sind, die das Wohl des Schülers im Blick haben, und deren Ziel es ist, gute Lösungen zu finden. Spüren die Eltern, dass ihre Meinung wertgeschätzt wird und Beachtung findet, ist bereits eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Elterngespräch gelegt:

  • Geben Sie den Eltern die Möglichkeit, ihre Sicht zu schildern und was sie sich von dem Gespräch wünschen.
  • Fassen Sie die Schilderungen der Eltern in Ihren eigenen Worten zusammen, um Missverständnisse auszuschließen und um zu zeigen, dass Sie ihre Sorgen ernst nehmen.
  • Stellen Sie immer wieder Rückfragen. So vergewissern Sie sich, ob die Eltern Ihre Ausführungen nachvollziehen können, zustimmen oder eine andere Haltung haben.
  • Beziehen Sie, wenn möglich, die Eltern auch in die Lösungsansätze und das weitere Vorgehen mit ein. Welche Aufgaben können sie übernehmen? Gibt es hilfreiche Fördermaterialien?

7. Sachlich und höflich bleiben:

Besonders, wenn sich bei den Eltern viel Ärger angestaut hat, ist es nicht immer einfach, das Gespräch auf einer sachlichen Ebene zu führen. In solchen Situationen ist es oft sinnvoll, den Eltern die Möglichkeit zu geben, erstmal Dampf abzulassen. Wenn es tatsächlich Versäumnisse oder Fehler Ihrerseits gab, ist es wichtig, diese einzugestehen – auch Lehrerinnen und Lehrer sind schließlich nur Menschen – und von diesem Punkt an gemeinsam konstruktiv an Lösungen zu arbeiten.

  • Vergessen Sie trotz der Probleme nicht, auch die Stärken und positiven Seiten des Kindes aufzuzeigen!
  • Versuchen Sie die Probleme eher zu beschreiben statt zu bewerten.

Wenn Sie feststellen, dass Sie im Gespräch mit den Eltern keine konstruktiven Ergebnisse erarbeiten können, ist es manchmal besser, die Angelegenheit zu vertagen.
Das gilt besonders, wenn das Gespräch ins Unsachliche zu kippen droht und das Verhältnis durch beleidigende Kommentare nachhaltig negativ belastet werden könnte. Beim Folgetermin kann es hilfreich sein, eine Kollegin bzw. einen Kollegen, die Schulleitung oder Elternvertreter mit dazu zu holen, die eine objektive, schlichtende Position einnehmen können.

8. Notizen machen:

Notizen, die Sie während des Gesprächs machen, helfen Ihnen, grundlegende Haltungen, Ergebnisse und vereinbarte Maßnahmen am Ende des Gesprächs nochmal zusammenzufassen und ein Gesprächsprotokoll anzufertigen. Dieses kann als Grundlage für einen Anschlusstermin dienen und hält fest, welche Schritte folgen sollen und wer für welche Punkte verantwortlich ist.

9. Zusammenfassung:

Fassen Sie am Ende des Gesprächs nochmals die wichtigsten Punkte und Vereinbarungen zusammen. So vermeiden Sie Missverständnisse oder dass etwas vergessen wird. Auch wenn nicht alle Probleme in einem Gespräch ausgeräumt werden konnten: Betonen Sie, wo Sie weitergekommen sind, wo kleinere Ziele erreicht wurden und welche Kompromisse erarbeitet wurden.

10. Verabschiedung:

Eine freundliche Verabschiedung mit positiven abschließenden Bemerkungen und ein Dank, dass sich auch die Eltern Zeit für das Gespräch genommen haben, sind ein angemessenes Ende für ein gelungenes Elterngespräch.

Must-haves für den Elternsprechtag

Über Bettina Kroker

Seit 2014 arbeite ich bei Betzold in Ellwangen als Online-Redakteurin. Im Betzold-Blog möchte ich Lehrerinnen und Lehrern den ein oder anderen Tipp weitergeben, der den Schulalltag erleichtert und Zeit spart. Da ich stets auf der Suche nach neuen, interessanten Blog-Themen bin, freue ich mich immer über Ihre Vorschläge: blog@betzold.de.

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