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Schüler am 3-D-Drucker

Die Schule der Zukunft

Digitales Lernen: Chancen und Risiken

Gastbeitrag von Sarah Bechtolsheim 

Diaprojektor, Tafeln und Hefte gehören bald der Vergangenheit an. In Zukunft werden Lehrer, Lehrerinnen sowie die Schülerschaft auf neue technische Geräte im Schulalltag zurückgreifen. Doch welche modernen Utensilien werden die alten ersetzen und wie wird das den Unterricht verändern?

Mit diesem kleinen Blick in die Zukunft der Schule erfahren Sie, wie moderne Technik sich auf das Lehren und Lernen auswirken wird.

Interaktives Whiteboard statt Kreidetafeln

Für die einen ein Fluch, für andere ein Segen: Tafeln sind ein integraler Teil des Unterrichts. Ob Sie als Lehrer/in wichtige Informationen aufschreiben, Schüler/innen an die Tafel geholt werden, um ihr Wissen wiederzugeben, oder fast kunstvolle Grafiken das Gesagte unterstreichen, jedem bleiben diese grünen Ungetüme in lebhafter Erinnerung.

Viele von ihnen wurden bereits durch die moderneren Whiteboards ersetzt. Diese können leichter gereinigt werden, ermöglichen ein komfortableres Zeichnen und Schreiben und verschmutzen zudem nicht die Finger durch Kreide.

Doch das ist nicht die letzte Entwicklung der Tafel. Denn die Whiteboards werden interaktiv und können sowohl mit einem Computer als auch mit einem Beamer verbunden werden. Damit werden aufgeschriebene Tafelbilder längerfristig gespeichert und können bei Bedarf erneut projiziert werden. Es ist sogar möglich, sie zu verschicken. Schüler müssen dadurch nicht mehr mühselig alles mitschreiben und abzeichnen, sondern können sich auf den Unterricht konzentrieren und nur zusätzliche Informationen mitschreiben.

Von 54% der Lehrer/innen werden Beamer bereits regelmäßig im Klassenzimmer eingesetzt, 27% nutzen sie sogar täglich (Quelle: Bitkom 2016). Die Zukunft ist also gar nicht so weit entfernt.

Papier ade – eine neue Perspektive für Hefte, Bücher und Hausaufgabenerstellung

Auch auf Seiten der Schüler/innen wird sich vieles verändern. Noch wird der Unterrichtsinhalt fleißig in Schulhefte geschrieben, in teilweise jahrealten Schulbüchern wird der Stoff nachgelesen und für die Hausaufgaben werden verschiedene Blätter und Hefte verwendet.

Dass dies einen unglaublichen Papierverbrauch verursacht, ist kein Wunder. Doch nicht nur die Einstellung zur Ressource Holz verändert sich, auch die Technik entwickelt sich mit. Deswegen sind Alternativen bereits jetzt vorhanden, werden allerdings noch nicht flächendeckend genutzt.

Statt einem analogen Schulheft könnten Schüler/innen einfach zu bedienende Tablet-PCs einsetzen. Dadurch bekommen sie nicht nur in Echtzeit zusätzliche Informationen zum Unterrichtsstoff, sondern können unkompliziert Grafiken erstellen, mitschreiben und alles in der Cloud abspeichern. So geht nichts verloren und sie haben jederzeit Zugriff auf die Unterrichtsmaterialien. Zudem sind die neuen digitalen Schulbücher in diese Tablets integriert.

Diese gibt es in 3 verschiedenen Ausführungen:

  • PDF-Digitalisate – statistische, digitale Schriftstücke
  • Konstruktiv-interaktive Schulbücher – können audiovisuelle, interaktive Elemente und Online-Quellen mit einbinden.
  • Multimedial-interaktive born-digital Schulbücher – Schüler können mitentscheiden, das Wissensangebot und die Inhalte konstruieren und erweitern.

Sinnvoll wäre eine Kombination aller 3 Möglichkeiten. Da alle Unterrichtsmaterialien zentral online abgespeichert werden, haben Schüler/innen und Lehrer/innen von überall aus Zugriff darauf. Hausaufgaben können einfach hochgeladen werden, dadurch wird Papier eingespart.

Technische Unterstützung zum dreidimensionalen und spielerischen Lernen

Neben der Tafel werden sich viele noch an den Overheadprojektor erinnern, der in fast jeder Unterrichtsstunde zum Einsatz kam. Dieser wird nach wie vor genutzt. 54,4% der Lehrkräfte setzten ihn 2016 noch ein. Doch auf haptischer Ebene gibt es in einigen Unterrichtsfächern momentan nicht viel, was die Lehrinhalte vorstellbar macht.

Ein Weg, dies zu ändern, wäre die Integration von Virtual und Augmented Reality in die Schulstunde. Während mit einer VR-Brille verschiedene Umgebungen erkundet werden können, ohne anwesend zu sein, liefert AR zusätzliche Informationen zu dem Gesehenen.

Beides wäre bspw. in Fächern wie Geografie, Sprachen oder Kunst eine Bereicherung für den Unterricht. Inhalte werden verständlicher, wenn Schüler/innen sich das Gesagte besser vorstellen können, da sie sozusagen mittendrin sind.

Auch die 3-D-Druck-Technologie verfolgt dieses Ziel. Dadurch können verschiedene Prototypen und Modelle, vor allem im mathematischen und analytischen Bereich, zur Veranschaulichung ausgedruckt werden. Dies ermöglicht den Schüler/innen ihre Kompetenzen im Bereich der Kreativität, der Analytik, der Informatik und des Designs zu erweitern und auszubauen.

Indem haptische Gegenstände verfügbar sind, begreifen Kinder und Jugendliche den Unterrichtsstoff besser. Dieses Wissen wird heutzutage hauptsächlich nur dann intensiviert, wenn zu Hause die Inhalte erneut gelernt werden. Dies geschieht durch Auswendiglernen, Aufschreiben wichtiger Punkte und Wiederholungen.

Immer öfter können allerdings auch Spielesoftwares dazu genutzt werden. Denn diese bieten nicht nur Unterhaltung, sondern auch Lernmöglichkeiten. In Verbindung mit Virtual Reality ist es zusätzlich möglich, diese Inhalte physisch zu erleben. Dadurch bleibt das Wissen länger in Erinnerung, da die Schüler/innen sich damit intensiver und mit mehr Sinnen auseinandersetzen.

Mögliche Herausforderungen und Risiken

Das Klassenzimmer 4.0 klingt erst mal nach einer fernen Zukunftsvision, dabei sind die Technologien dafür bereits vorhanden. Zwar müssen diese für den Schulgebrauch optimiert und angepasst werden, doch die größere Herausforderung liegt woanders.

Denn all diese technischen Neuerungen sind kostspielig und können nicht ohne Weiteres von Schulen und Gemeinden übernommen werden. Das finanzielle Risiko besteht vor allem darin, dass der Nutzen sowie die richtige Anwendung in Schulen noch nicht umfangreich erforscht wurden. Zudem bedarf es einer Umstellung des Curriculums, damit die neuen Unterrichtsutensilien optimal verwendet werden. Auch der Lehrkörper muss sich damit auseinandersetzen, die Funktionsweisen kennenlernen und einen Weg finden, diese Neuerungen sinnvoll in den Schulalltag zu integrieren.

Ein möglicher Vorteil ist, dass nach einer anfänglichen hohen Investition zahlreiche Kostenpunkte eingespart werden können. Allen voran Papier. Dies ist nicht nur gut für die Umwelt, auch Unterlagen sind dadurch zentral an einem Platz gespeichert: der Cloud.

Doch für die Wartung der Geräte könnten neue Kosten auf die Schulen zukommen.

Einige dieser Technologien werden bereits heute eingesetzt. Beamer beispielsweise befinden sich bereits in jeder Schule, nur die Anzahl variiert. Auch Computer sind häufig vorhanden, allerdings sind es meist veraltete Modelle, die den Schüler/innen nicht viele Optionen bieten.

In den Niederlanden existieren bereits über 20 Schulen, in denen beispielsweise iPads flächendeckend für den Unterricht genutzt werden. In Deutschland steckt die Digitalisierung der Schulen noch in den Kinderschuhen. Das könnte sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren allerdings ändern. An dem iPad-Projekt in den Niederlanden lässt sich gut erkennen, dass neben den zahlreichen Vorteilen vor allem finanzielle und strukturelle Risiken bedacht und eingeplant werden müssen. Deswegen wäre es sinnvoll, Studien und Pilotprojekte durchzuführen, in denen all diese Herausforderungen genauer bestimmt werden können.

Diese Infografik informiert Sie über die weiteren technischen Neuerungen, die Sie in Zukunft im Klassenzimmer antreffen könnten.

Unsere Gastautorin Sarah Bechtolsheim

Sarah Bechtolsheim hat bis 2015 Ethnologie in München studiert und wohnt seitdem im schönen Berlin, wo sie als Redakteurin arbeitet und sich immer wieder mit neuen thematischen Schwerpunkten auseinandersetzt. In ihrer Schulzeit hätte sie sich auch über einen Tablet-PC gefreut, jetzt hat sie zumindest viel Spaß daran, darüber zu schreiben.

 

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